+
Frisch gestrichen: Jugendliche und Kinder verzieren in Darmstadt einen Schuppen. 

Ehrenamtliches Engagement 

„Es ist eine Bereicherung des eigenen Lebens“

  • schließen

Michael Beckmann über den Antrieb von Ehrenamtlichen und die Vermittlung von engagierten Menschen.

Michael Beckmann ist Leiter der Freiwilligenagentur des Bürgerinstituts Frankfurt. Der 48-Jährige ist für den Bereich Engagement zuständig.

Herr Beckmann, was macht das Bürgerinstitut beim Thema Ehrenamt? 
Wir beraten und vermitteln mit der Freiwilligenagentur Menschen, die sich gern engagieren möchten. Wir stehen trägerübergreifend mit etwa 250 Organisationen und Einrichtungen in Frankfurt in Kontakt. Diese melden uns ihren Bedarf, und so haben wir in unserer Engagementdatenbank aktuell mehr als 200 Angebote.

Welche Bereiche umfassen diese Angebote? 
Das reicht von der Unterstützung von Kindern beispielsweise als Lesepate über Integrationshilfen für Menschen mit Behinderung oder Mitarbeit in Museen bis hin zum Engagement für ältere, alleinstehende Menschen im Rahmen eines Besuchsdienstes. Ein sehr oft nachgefragtes Ehrenamt übrigens. Wir haben aber nur Organisationen im Angebot, die gemeinnützig sind.

Was wird man bei Ihnen nicht finden? 
Sportvereine sind ein Selbstläufer und haben in aller Regel bei uns keine Angebote. Sie decken ihren Bedarf an freiwilligen Helfern immer wieder selbst.

Wie läuft eine Vermittlung dann in der Regel ab? 
Die meisten Menschen, die sich engagieren wollen, informieren sich vorher online. Dabei stoßen sie dann häufig auf uns und unsere Engagementdatenbank. Das gibt einen guten ersten Überblick, welche Angebote es in welchem Stadtteil gibt. In aller Regel melden sie sich dann bei uns und machen einen persönlichen Beratungstermin mit uns aus. Dann besprechen wir mit den Interessierten gemeinsam die persönliche Situation und die individuellen Rahmenbedingungen.

Was umfasst die Beratung? 
Es geht dann um die Vorstellungen, die die Person bereits hat und auch um besondere Interessenslagen. Ein ganz wichtiger Faktor ist die zur Verfügung stehende Zeit, also ob sich jemand dauerhaft und regelmäßig engagieren möchte oder aber als Berufstätiger eher unregelmäßig. Dann gibt es auch Kurzzeitengagements.

Das heißt, Ehrenämter sind nicht nur etwas für Menschen mit viel Zeit? 
Nein gar nicht. Wir bekommen in den vergangenen Jahren verstärkt Anfragen von Menschen, die noch voll im Berufsleben stehen und trotzdem das Gefühl in sich tragen, sich engagieren zu wollen. Sie können sich dann eben nicht regelmäßig in der Woche zu normalen Arbeitszeiten engagieren, haben aber trotzdem die Möglichkeit, das zeitlich begrenzt zu tun. Etwa im Rahmen eines Kaffeenachmittags im Seniorenheim, der dann an einem Sonntag stattfindet.

Wie viele Menschen wenden sich denn jährlich beim Thema Ehrenamt an das Bürgerinstitut? 
Nicht aus jedem Gespräch ergibt sich natürlich am Ende ein Engagement. Manchmal kommen Menschen auch zu uns zurück, weil sie nach einiger Zeit merken, dass das ausgewählte Ehrenamt doch nichts für sie ist. Dann guckt man erneut und sucht eine Alternative. Aber grob gesagt haben wir mehrere Hundert Anfragen pro Jahr bei uns.

Warum wollen sich Menschen, Ihrer Erfahrung nach, gern ehrenamtlich engagieren? 
Das ist ganz unterschiedlich. Am häufigsten hören wir sinngemäß: „Mir geht es gut, ich möchte gerne etwas zurückgeben.“ Sie wollen etwas weitergeben an diejenigen, mit denen es das Leben nicht so gut gemeint hat. Viele andere suchen über ein Ehrenamt aber auch wieder einen sozialen Kontakt. Es ist eine schöne Möglichkeit mit anderen Menschen wieder in Berührung zu kommen.

Und warum sollte man sich, aus Ihrer Sicht, ehrenamtlich engagieren? 
Weil es eine Bereicherung des eigenen Lebens ist. Das besondere Gefühl, das man mitnimmt, wenn man das Lächeln bei einem älteren, sozial isolierten Menschen sieht, mit dem man Zeit verbracht hat – das kann nur ein Ehrenamt. Da kann der Job erfüllend sein, wie er mag. Diese Komponente gibt es im normalen Berufsleben nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare