Hilmar Hoffmann in seinem Haus in Oberrad.
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Hilmar Hoffmann in seinem Haus in Oberrad.

Hilmar Hoffmann

Einbrecher-König Zingler zu ihrer Freundschaft

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Der Ex-"Einbrecher-König" Peter Zingler, der später die "Romanfabrik" mitgründete, über seine ungewöhnliche Freundschaft zu Hilmar Hoffmann.

Es war die ungewöhnlichste Freundschaft, die Hilmar Hoffmann pflegte. Der frühere Präsident des Goethe-Institutes war ein dicker Kumpel von „Einbrecher-König“ Peter Zingler, der zwölf Jahre seines Lebens im Gefängnis verbracht und dort zu schreiben begonnen hatte. Jetzt, nach dem Tod des ehemaligen Frankfurter Kulturdezernenten, blickt der 74-Jährige noch einmal zurück auf die Jahre nach 1983.

Damals ist Zingler gerade aus dem Knast entlassen worden und versucht, in der bürgerlichen Gesellschaft Fuß zu fassen: „Hilmar nahm mich gleich unter seine Fittiche.“

Auf Vermittlung der Autorin Doris Lerche besucht der Ex-Häftling den Kulturdezernenten in seinem Büro – und trägt ihm den Plan vor, im Ostend einen literarischen Treff zu eröffnen.

Der Pferdefuß: Das ausgewählte Haus Uhlandstraße 21 gehört Dieter Engel, damals Besitzer des „Sudfass“ am nördlichen Mainufer, des ältesten Bordells der Stadt.

„Doch Hilmar hatte keine Berührungsängste“, sagt Zingler heute. Der Kulturdezernent arrangiert ein Treffen mit dem konservativen Oberbürgermeister Walter Wallmann (CDU). Hoffmann stellt Zingler dem OB mit den Worten vor: „Der kommt grade aus dem Knast und schreibt tolle Geschichten.“

Tatsächlich erreicht Hoffmann, dass im städtischen Haushalt ein Zuschuss von 100 000 Euro für den von Zingler und Lerche neugegründeten Literatur-Verein reserviert werden, der sich „Romanfabrik“ nennt.

Bald entwickelt sich der Keller des Hauses zum literarischen Treffpunkt. Hoffmann kommt selbst und liest aus seinem „Taubenbuch“.

Prominente Autorinnen und Autoren treten in der „Romanfabrik“ auf: Peter Rühmkorf, Peter Kurzeck, Robert Gernhardt, Eva Demski und andere. Ein jährlicher Literaturpreis, der „Fabrikschreiber“, wird vergeben. Sechs Jahre lang gelingt es mit Unterstützung Hoffmanns, den Preis am Leben zu erhalten.

Später zieht sich Zingler aus der „Romanfabrik“ zurück, weil ihn andere berufliche Herausforderungen locken: Er steigt zu einem der renommiertesten Drehbuch-Autoren Deutschlands auf, verfasst die Skripte für mehr als 80 Filme, wird mit dem renommierten Grimme-Preis ausgezeichnet.

Längst bekommt er die Anerkennung, die er sich 1983 nach der Entlassung aus dem Gefängnis erhofft hatte.

Doch die Freundschaft mit Hilmar Hoffmann bleibt erhalten. Zweimal im Jahr kommt der Kulturpolitiker zu Besuch zu Zingler. Der kocht dem Gast sein Lieblingsessen: Erbsensuppe.

„Hilmar war Visionär, aber auch Realist“, sagt sein Freund im Rückblick. Er habe immer gewusst, „wo und wie es weitergehen könnte, gleich ob es um moralische oder finanzielle Unterstützung ging“. Für Zingler ist klar: „Wir werden ihn nicht vergessen.“

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