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Wolfgang Weyand, einst Keyboarder der Band Joystick. 

Interview

„Ein Zeichen dieser Messe ist Teilhabe“

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Musikmesse-Festival-Macher Wolfgang Weyand über das Konzertprogramm zum Ereignis.

Herr Weyand, was sind ihre frühesten Erinnerungen an die Musikmesse?
Ich war auf den ersten Messen dabei, als Jugendlicher. Nächstes Jahr wird die Musikmesse 40 Jahre alt, ich werde 55, da kann man sich das ausrechnen. Ich war ja Keyboarder und begeisterter Musiker. Das war ein Pflichttermin, und das war großartig.

Wie hieß Ihre Band?
Joystick. Nicht sehr erfolgreich.

Oh, aber unter den Zeitgenossen durchaus ein Begriff.
In der Music Hall haben wir mal den zweiten Preis beim 1822-Wettbewerb geholt, das war der größte Erfolg. Irgendwann musste ich mich entscheiden, bleibe ich Musiker oder wechsele ich die Seiten.

Welche Musik ist Ihnen die liebste?
Ich bin schon eher der kommerzielle Popfreund, mit Prince und Michael Jackson und Tina Turner groß geworden. Die großen Studioproduktionen haben mich immer fasziniert. Bin ja später in die Schallplattenbranche gegangen, und auch da war das noch die schöne Zeit, 80er, 90er, als groß produziert wurde, als man Mischpulte gesehen hat, die 200 Kanäle hatten. Wo man gemerkt hat, was das für eine Arbeit ist, was für eine Anstrengung, eine große Produktion zu machen.

Das ließ sich auf der Musikmesse gut nachvollziehen.
Wobei das eine Reduktion auf kleine Kabinen war. Ganz nah dran, ein Gegensatz zu dem, wie man’s als Konsument erlebt, dieses ganz Große.

Was erlebt man in diesem Jahr beim Musikmesse-Festival, dem Konzertprogramm zur Messe?
Im Festival-Planer stand im vorigen Jahr: 30 Locations und 60 Konzerte, und jetzt steht hier 50 Locations und 100 Konzerte. Das Festival wird als Rahmen wichtiger für die Messe, und die Stadt nimmt das sehr gut an. Wir erleben, dass die Clubs anrufen und fragen: Welchen Termin soll ich blocken, mit welchem Künstler können wir euch Spaß machen?

Sie wollen die Musik in die Stadt bringen. Wie denn?
Wir kooperieren mit den Clubs, wir versuchen das wiederzubeleben, was Tradition ist in Frankfurt, etwa bei der Nacht der Clubs früher, dass man zusammenarbeitet, nicht gegeneinander.

Das Festivalticket mit Rabatt oder freiem Eintritt für viele Gigs kostet 15 Euro. Sponsern die beteiligten Clubs und Hotels das?
Es sind Clubs dabei, Hotels, Kirchen, da gibt es unterschiedliche Kooperationen. Manche wollen ein Zeichen setzen und sagen: Es kostet überhaupt keinen Eintritt.

Der Veranstalter zahlt dann auch die Gage selbst?
Da hat jeder Gastgeber sein eigenes Konzept. Wenn ich alles durchrechne, komme ich auf einen unfassbaren Rabatt, wenn ich mehrere Veranstaltungen besuche. Ein Zeichen dieser Messe ist: Teilhabe. Man muss nicht unbedingt 100 Euro ausgeben, um was zu erleben.

Was sind die Highlights? Es gibt eine All Star Band …
Den Plan hatten wir schon einige Jahre, so eine Band zu holen und entsprechende Gäste. Gar kein so leichtes Unterfangen, die Leute standen nicht unbedingt schon mal zusammen auf der Bühne, und da hat jeder so seine Vorstellungen. Aber ich bin überzeugt, es wird ein fantastischer Abend

Die jammen einfach zusammen?
Es gibt ein Programm, jeder Gast steuert drei, vier Songs bei. Sie proben auch mal hier gemeinsam in den Studios bei Cream Music.

Was gibt es noch?
Natürlich die drei großen Ereignisse in der Festhalle: Samy Deluxe am Donnerstag, Big City Beats am Freitag und das Abschlusskonzert mit Gregory Porter am Samstag mit der Neuen Philharmonie Frankfurt. Leute zusammenzubringen macht mir Spaß. Auch toll in der Hinsicht: Mousse T gemeinsam mit Glasperlenspiel am Freitag in der Festival-Arena. Die machen ein DJ Set und werden dann mit Mousse T ein bisschen zusammen performen. Und Tony Carey, der hat Rainbow produziert, mit Peter Maffay gearbeitet, ein Vollblutmusiker, der in diesem Jahr eine ganz kleine Clubtour spielt. Ich habe den Manager überzeugt, dass er für uns noch ein Konzert dranhängt.

Was sind Ihre Favoriten?
Persönlich liegt mir das Chorkonzert in der Trauerhalle am Herzen, „Zwischen Himmel und Erde“, mit Stücken aus Island, Norwegen, Schweden, England und Deutschland, Gegenpol zum Herkömmlichen. Und dann haben wir natürlich die Gibson Les Paul Night, auch ein absoluter Knaller, weil die tollen Leute dabei sind.

Sie wollen die Messe emotionalisieren mit dem Festival – ein Wert, der sich an die Hörer wendet. Oder lassen sich damit auch wieder mehr Aussteller ködern?
Wir haben von Anfang an gesagt, das Festival soll die Stadt, die Region für die Messe begeistern und den Fachbesuchern ein zusätzliches Programm bieten. Nirgends ist das so einfach wie bei der Musikmesse, weil man die Menschen mit der Musik erreicht.

Zur Person

Wolfgang Weyand, 54, Musikmanager, bekannt unter anderem als Macher des „Sound of Frankfurt“-Festivals, leitet die Abteilung Business Relations & Entertainment der Musikmesse und der Prolight+Sound. Auf Deutsch: Er verantwortet das Rahmenprogramm beider Messen in der ganzen Stadt. (ill) 

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