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Eine historische Ausgabe.
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Eine historische Ausgabe.

Hintergrund

Geschenk macht Karriere

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Lehrreich, zugewandt und herrlich übertrieben: Heinrich Hoffmanns Meisterwerk, der Struwwelpeter. Vor 175 Jahren erschien er als Buch.

Wir hatten ja nichts: eine beliebte Formulierung, um die Kargheit der eigenen Kindheit zu beschreiben, heute zunehmend im ironischen Gebrauch. Der kleine Carl Philipp Hoffmann hatte wirklich nichts – es gab noch nicht mal anständige Bilderbücher. Da zeichnete der Papa dem Dreijährigen eben eins zu Weihnachten. Das war 1844. Ein Dreivierteljahr später erschien das Werk in großer Auflage. Heinrich Hoffmann hatte so etwas gar nicht im Sinn gehabt und musste dem Söhnchen fest versprechen, dass er ihm sein Weihnachtsgeschenk nur wegnimmt, um ein noch viel schöneres Buch daraus zu machen. Der Rest ist Legende.

Seit 175 Jahren wachsen Kinder mit dem Struwwelpeter auf. Hoffmann, der Frankfurter Arzt und Autor, nahm wahre Begebenheiten zum Anlass, herrlich übertriebene Geschichten für sein Buch zu erfinden. Mitunter war der Anlass aber auch schlimmer als die Geschichte.

Herausforderung für Nachahmer, hier für Fil & Atak bei einer Ausstellung der Caricatura 2009.

Der Daumenlutscher etwa: Im frühen 19. Jahrhundert grassierten mehr ansteckende Krankheiten mit dramatischen Folgen als heute. Der ungewaschene Daumen hatte daher im Mund nichts zu suchen. Landete er dennoch gelegentlich dort, wurde er freilich nicht mit einer monstermäßigen Schere abgeschnitten. Oder der Zappelphilipp: Vorbild war der Sohn eines befreundeten Kollegen Hoffmanns, der gerne mit dem Stuhl kippelte – und dabei hoffentlich nicht die ganze Tischdecke samt Brot, Suppe und Wein mit sich riss, um darunter begraben zu werden wie die Buchfigur.

Weithin bekannt ist Pauline Schmidt, Rollenmodell für „Die gar traurige Geschichte mit dem Feuerzeug“. Ebenfalls Tochter eines befreundeten Arztes, zündelte sie als Kind, bis die Vorhänge brannten. So weit, dass Katzen um sie weinen mussten, kam es bei der Gelegenheit nicht. Pauline Schmidt starb dennoch allzu jung, mit 15, an Tuberkulose.

Figuren im eigenen Leben allgegenwärtig

Erstaunlich, wie allgegenwärtig die Figuren im eigenen Leben sind. Hanns Guck-in-die-Luft, Suppenkaspar, der arge Wüterich Friederich, natürlich der Struwwelpeter: Unzählige Male dürften sie zitiert worden sein, von der ganzen Familie. Und immer schwang etwas Liebevolles dabei mit. So, wie es Hoffmann im Sinn hatte. Er war nicht nur Arzt, er unterrichtete auch Anatomie am Senckenberg-Institut und saß als Abgeordneter im Paulskirchen-Vorparlament 1848. Die längste Zeit, von 1851 bis zum Ruhestand 1888, leitete er die Frankfurter „Anstalt für Irre und Epileptische“. Ein Schlaganfall beendete sein Leben 1894. Er wurde auf dem Hauptfriedhof beerdigt, wo sein Grab bis heute zu besuchen ist – wie jenes des Paulinchens.

Bleibt die Frage, wie es dem Ur-Leser des Struwwelpeters später erging. Leider lebte er nicht sehr lang: Carl Philipp Hoffmann starb 1868 in Lima am Gelben Fieber – „ledig“, wie im Internet zu lesen ist. Er wurde 27 Jahre alt.

Eine Sonderausgabe des Struwwelpeters ist zum Jubiläum erschienen, zu bestellen unter www.struwwelpeter-museum.de.

Außerdem war im Jubiläumsjahr die Ausstellung „Adler, Karl und Struwwelpeter“ des Comic-Zeichners Michael Apitz geplant gewesen, weithin bekannt als Eintracht-Cartoonist. Sie soll im Frühjahr nachgeholt werden, ein Jahr später als geplant.

„Es ist mir wichtig, den Struwwelpeter immer anzubinden an aktuelle Strömungen der Illustrationskunst“, sagt Museumsdirektorin Beate Zekorn-von Bebenburg, „dafür ist Michael Apitz ein gutes Beispiel.“

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