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Ein Tiefschlag fürs Tiefenwärme-Projekt

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Von: Annette Schlegl

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Das erstes geplante Geothermie-Kraftwerk in Hessen scheiterte 2016.

Hessens erstes Geothermie-Kraftwerk sollte eigentlich schon 2016 in Trebur (Kreis Groß-Gerau) entstehen. Das Projekt war aber ein Fehlschlag. Nachdem man dort im Oberrheingraben mehr als vier Kilometer ins Erdinnere gebohrt hatte, stieß man nicht wie erhofft auf sehr heißes Thermalwasser, sondern auf das äußerst seltene Schichtsilikat-Mineral Palygorskit. Das Bohrloch war trocken, die Arbeiten wurden Ende August 2016 eingestellt.

Sieben Jahre lang war die Tiefengeothermiebohrung geplant worden, bevor die Überlandwerk Groß-Gerau GmbH (ÜWG), eine Tochter der Stadtwerke Mainz, im März 2016 den Startschuss gab. Das Thermalwasser hätte über einen Wärmetauscher und ein zweites Bohrloch im Kreislauf ständig 7000 Haushalte mit Strom und 400 Haushalte mit Fernwärme aus dem Geothermie-Kraftwerk versorgen sollen.

Nicht einmal ein halbes Jahr später war dann auch schon Schluss. Zwar herrschte in 4185 Metern Tiefe die optimale Temperatur von 120 Grad Celsius, aber es gab dort kein heißes Wasser – obwohl Voruntersuchungen dafür gesprochen hatten. Das Projekt, in das die ÜWG zehn Millionen Euro investiert hatte, war gescheitert. Immerhin könnte die Wärme aus dem Bohrloch nun ein geplantes Gewerbegebiet im Osten Treburs mit Wärme versorgen. Die ÜWG hatte eine Temperaturmessung in der Bohrung veranlasst, die Ergebnisse waren vielversprechend. Die Erdwärme reicht demnach zwar nicht zur Stromgewinnung, aber für ein Nahwärmenetz.

In Darmstadt begann die Geothermie-Ära im Oktober 2019 mit Probebohrungen, die der städtische Energieversorger Entega und die städtische Bauvereins-Tochter BVD New Living beauftragten. Sie wollen das Ludwigshöhviertel, ein geplanter neuer Stadtteil auf Konversionsflächen, so zumindest teilweise mit Wärme versorgen. Eingeleitetes Wasser soll dabei über die Wärme des Gesteins erhitzt und aus 250 Metern Tiefe nach oben befördert werden.

Bisher setzt die Entega gemeinsam mit Projektträgern bereits an zwei Standorten Geothermie ein: Im Groß-Umstädter Stadtteil Heubach (Kreis Darmstadt-Dieburg) wird seit 2013 Erdwärme in 800 Metern Tiefe mit einer röhrenförmigen Sonde angezapft. Die Anlage heizt dort einen mittelständischen Gewerbebetrieb. Und in Mörfelden-Walldorf liefern fünf Geothermie-Sonden aus 100 Metern Tiefe Wärme für zwei Wohnblocks.

Auch die Firma Merck setzt aktuell in Darmstadt bei drei Neubauprojekten – zwei Forschungszentren und ein Ausbildungzentrum – auf Geothermie.

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