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In der Schweizer Straße wird es oft eng für Radfahrer.

Radentscheid

„Ein Teil des Autoverkehrs wird verschwinden“

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Bertram Giebeler vom ADFC zur Einigung beim Radentscheid.

Für zusätzliche und sichere Radwege kämpft Bertram Giebeler, der verkehrspolitische Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Frankfurt, schon lange. Nun hat sich die Römer-Koalition mit dem Radentscheid Frankfurt auf den Umbau zahlreicher Straßen geeinigt, der in diesem Jahr beginnen soll.

Herr Giebeler, bricht nun eine Zeitenwende in der Frankfurter Verkehrspolitik an?
Der Verhandlungserfolg führt dazu, dass der Ausbau in einem ganz anderen Tempo vorangeht. Es ist ein Quantensprung in der Beschleunigung des Radwegeausbaus.

Was sind die wichtigsten Änderungen?
Der Radentscheid hat in erster Priorität einige Straßenzüge genannt, die auch vom ADFC als hoch problematisch angesehen werden, wie zum Beispiel die Straße am Hauptbahnhof. Deren fahrradgerechten Umbau fordern wir schon seit Jahren. Durch den Radentscheid kam jetzt der nötige Druck auf die Leitung, dass endlich etwas in die richtige Richtung passiert.

Der Antrag der Koalition, über den die Stadtverordneten nach der Sommerpause entscheiden, sieht vor, an sieben Hauptstraßen zunächst provisorische Radwege zu bauen, die ein Jahr lang getestet werden sollen. Wie bewerten Sie das?
Man kann nicht innerhalb von drei Jahren sieben oder mehr Straßenzüge komplett umbauen, so arbeitet man in Frankfurt nicht. Das würde nicht mal in China funktionieren. Es ist ein vernünftiger Weg, mit den Provisorien zu testen, wie groß oder klein die verkehrlichen Auswirkungen sind. Für die Provisorien gibt es auch schickere Varianten als die Klemmfixe-Lappen. Da ist die Kreativität der Verwaltung gefragt.

Bertram Giebeler ist 62 Jahre alt. Seit 2012 ist er verkehrspolitischer Sprecher des ADFC Frankfurt.



Wie wichtig war der Rückenwind aus der Bevölkerung für die Radentscheid-Einigung, die 40 000 Unterschriften für den Radentscheid, die Bewegung Fridays for Future?
Die gesamtpolitische Situation der letzten Monate hat die Fraktionen auf jeden Fall bewegt, sich in eine klimafreundliche und ökologische Richtung zu bewegen. Ich möchte den Beteiligten, die ich persönlich gut kenne, aber nicht unterstellen, dass sie ohne Fridays for Future nicht auch vorangekommen wären.

Erwarten Sie, dass es über kurz oder lang zum Verkehrskollaps in Frankfurt kommt und Provisorien zurückgebaut werden?
Nein, das erwarte ich nicht. An dem Kompromisspapier waren lauter vernünftig denkende Menschen beteiligt. Niemand will Frankfurt im Chaos versinken lassen, das wird auch nicht geschehen. Das war bei der Sperrung der Hauptwache für Autos im Jahr 2009 nicht der Fall, es wird bei der Mainufersperrung nicht der Fall sein und auch nicht auf der unteren Friedberger Landstraße oder anderen Straßen. Ich erwarte, dass sich die Autofahrer in den ersten Wochen umstellen werden. Erfahrungsgemäß sortiert sich der eine Teil des Autoverkehrs neu, der andere Teil verschwindet und orientiert sich aufs Fahrrad und den öffentlichen Nahverkehr um.

Die Eschersheimer Landstraße und die Berliner Straße wurden aus dem Konzept herausgenommen. Was halten Sie davon?
Dass die Eschersheimer Landstraße aus dem Paket gefallen ist, hat mich überrascht. Das ist wohl Resultat eines Feilschens bei den Verhandlungen. Bei der Berliner Straße bin ich der Ansicht, dass man nicht zwei Dinge gleichzeitig machen kann: das nördliche Mainufer sperren und die Fahrspuren auf der Berliner Straße reduzieren. Wenn sich die Situation am Mainkai nach einiger Zeit eingespielt hat, sollte man die Berliner Straße allerdings angehen, um ihre Trennwirkung zu reduzieren und sie für den Radverkehr attraktiv zu machen.

Interview: Florian Leclerc

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