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Mousonturm mit Tim Etchells Neoninstallation „Will be“.

Kultur 

Matthias Pees: „Ein Tanzfestspielhaus auf dem Kulturcampus wäre mein Traum“

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Intendant Matthias Pees feiert den 30. Geburtstag des Künstlerhauses Mousonturm - und schaut nach vorn.

Vor der Feier zum 30. Geburtstag des Künstlerhauses  war  Intendant Matthias Pees  noch viel unterwegs.

In Berlin habe er sich „little red (play): ‚herstory‘“ im Hebbel am Ufer angesehen, ein älteres Stück des Künstlerkollektivs „andcompany&Co“, das sich in Frankfurt gegründet hat. „Das werden wir im November am Mousonturm noch mal zeigen wollen“, sagt er.

Für den Mousonturm plane er bereits die Saison 2019/2020. Dafür müsse er  noch weiter nach Brüssel, wo ungarische Künstler im Kulturzentrum Bozar das Stück „Hungarian Acacia“ (englisch für ungarische Akazie) aufführen.

Die Inszenierung handele von der Falschen Akazie, die vielen Ungarn als Nationalbaum gelte, tatsächlich aber vor 300 Jahren aus Nordamerika eingeschleppt worden sei. Das Stück verhandele rechtspopulistische und identitäre Ideen, die nicht nur Ungarn, sondern weite Teile Europas beeinflussten. „Der Mousonturm hat den Anspruch, aktuelle soziale und politische Zusammenhänge aufzugreifen“, sagt Pees.

Die Ausrichtung des Künstlerhauses, das am 28./29. Dezember 1988 vom damaligen Intendanten Dieter Buroch eröffnet wurde, beschreibt Pees als international und pluralistisch. Nicht umsonst habe er die „Erklärung der Vielen“ unterzeichnet.

Darin heißt es: „Wir verteidigen unsere demokratische und künstlerische Freiheit gegen alles, was sie bedroht: völkisch-nationalistische, fundamentalistische, populistische oder autoritäre Weltbilder, gegen Stimmungsmache, Ausgrenzung und Abwertung anderer Menschen, wie zum Beispiel Rassismus, Homo- und Transphobie, Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus oder Islamophobie“.

Intendant Matthias Pees im großen Saal des Mousonturms.

Womöglich werde das Stück „Hungarian Acacia“ bei der Saisoneröffnung Ende August im Mousonturm zu sehen sein, sagt er.

Zunächst feiere der Mousonturm aber seinen 30. Geburtstag, mit einer Party.

Im kleinen Kreis haben die rund 30 Angestellten des Künstlerhauses schon gefeiert, in der eigentlichen Geburtstagsnacht vom 28. auf den 29. Dezember 2018, die in der Ferienzeit lag. „Ich habe dafür meinen Schwarzwaldurlaub unterbrochen, bin abends hingefahren und am nächsten Morgen wieder zurück.“

Es sei schon ein kleines Wunder, dass es den Mousonturm gebe, meint Pees und erinnert an das Engagement von Dieter Buroch, unterstützt vom früheren Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann (SPD).

Was wünscht sich der Intendant zum 30. Geburtstag seines Hauses? Pees muss nicht lange überlegen. Die Förderung der Stadt in Höhe von vier Millionen Euro pro Jahr sei aller Ehren wert. Aber in Frankfurt entwickele sich die zeitgenössische freie Szene aus Tanz, Theater, Performance, Videokunst derart dynamisch, dass der Mousonturm der Szene gerne ein größeres Angebot machen würde. Allein, es scheitere am Platz und am Geld. Es würde sehr helfen, „wenn die Stadt ihre Förderung um eine Million Euro im Jahr aufstockte“.

Noch größer sind die Hoffnungen, die Pees mit dem Kulturcampus in Bockenheim verknüpft. Dort soll unter anderem die Musikhochschule ein neues Gebäude erhalten, an dem sich das Land mit 100 Millionen Euro beteiligt, Bauzeit voraussichtlich von 2021 bis 2025.

Außerdem stellt das Land dem Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik 45 Millionen Euro für die Umgestaltung der Dondorfschen Druckerei sowie einen Neubau bereit. Für das Ensemble Modern, die Dresden Frankfurt Dance Company, die Junge Deutsche Philharmonie, die Hessische Theaterakademie und Frankfurt Lab – an dem der Mousonturm beteiligt ist – sind Proberäume auf dem Kulturcampus vorgesehen. Doch das geht Pees nicht weit genug.

„Mein Traum ist ein Tanzfestspielhaus für 500 bis 600 Besucher. Ein solcher Ort fehlt hier in der Stadt“, betont er. Der Bedarf aufseiten der Künstler sei vorhanden, viele Besucher würden für eine hohe Auslastung sorgen, da ist sich der Intendant sicher. Auch die Abschlussarbeiten der Hessischen Theaterakademie, zehn bis zwölf pro Jahr, könnten dort aufgeführt werden.

Den Wunsch, dass sich das Land bei einem solch prestigeträchtigen Projekt engagieren sollte, will er mit der neuen hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn (Grüne), besprechen. Schon jetzt arbeite der Mousonturm regional mit zahlreichen Kulturinstitutionen zusammen: der Alten Oper, dem Schauspiel Frankfurt, dem Hessischen Staatsballett. „Wir sind daran interessiert, dass die Besucher dieser Häuser sich auch für unsere Ästhetik interessieren“, sagt er. Auch im „Bündnis internationaler Produktionshäuser“ der sieben größten Produktionsorte für die freie zeitgenössische darstellende Kunst in Deutschland ist der Mousonturm vernetzt.

Die nächste Kooperation mit dem Schauspiel ist im April im Bockenheimer Depot zu sehen. Die Theatergruppe Rimini Protokoll zeigt ein Stück über Tourette: „Chinchilla Arschloch, waswas. Nachrichten aus dem Zwischenhirn“. Dass international bekannte Gruppen wie Rimini Protokoll oder She She Pop, die am Studiengang Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen entstanden und am Mousonturm ihre ersten gefeierten Auftritte hatten, weiterzogen, störe ihn nicht. So seien sie zu den „Aushängeschildern“ geworden, die sie jetzt sind.

Schon muss Pees weiter, zum Zug nach Brüssel. Der Regen tropft noch vom Schirm.

Partytime im Mousonturm

Das Künstlerhaus Mousonturm, Waldschmidtstraße 4, feiert seinen 30. Geburtstag mit einer großen Party.

Die Musiker Erobique, Les Trucs, Baby of Control, DJ International Idiot, Hotel International, Ramone sowie The OhOhOhs treten auf. Bespielt wird das gesamte Haus.

Einlass ist ab 19 Uhr. Karten kosten 19 Euro/9 Euro ermäßigt. Restkarten sind ab 18 Uhr an der Abendkasse erhältlich.

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