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Ein Stück Menschheitsgeschichte im English Theatre

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Von: Lukas Geisler

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Regisseur David Byrne (mi.) auf der Bühne mit den Darstellerinnen und Darstellern des Theaterstücks, Christoph Boeckheler
Regisseur David Byrne (mi.) auf der Bühne mit den Darstellerinnen und Darstellern des Theaterstücks, Christoph Boeckheler © Christoph Boeckheler

Das English Theatre zeigt „Secret Life of Humans“. Der britische Autor des Stücks, David Byrne, inszeniert es selbst.

Ein Stück über ein Date mit dem Enkel eines TV-Wissenschaftlers aus den 70er Jahren führt zu einem spannenden Rätsel, das die großen Fragen der Menschheitsgeschichte aufwirft. David Byrne, 38, ist Autor und Regisseur des Stücks, das im English Theatre seine Deutschlandpremiere feiert. In London leitet Byrne das New Diorama Theatre. Nun ist er nach Frankfurt gekommen, um sein Stück zu inszenieren. Für das English Theatre stellt es das Highlight der neuen Spielzeit dar. „Secret Life of Humans“ erzählt, folgt man Byrne, „eine Geschichte über Einzelpersonen und über uns alle“.

Das Stück enthält drei Geschichten, die auf unterschiedlichen zeitlichen Ebenen spielen. Wie die des Paares, das sich zum ersten Mal trifft – mit einem One-Night-Stand, der einen unerwarteten Verlauf nimmt. Dann die Geschichte des britischen Mathematikers und Biologen Jacob Bronowski, der als Autor der BBC-Dokumentation „Der Aufstieg des Menschen“ berühmt wurde. Wie sich herausstellt, ist der Mann, den die Hauptdarstellerin datet, Bronowskis Enkel.

„Das Stück spielt sich nur in einer Nacht ab, aber es erzählt eine ganze Lebensspanne und sechs Millionen Jahre menschlicher Evolution“, erläutert Byrne. „Über die Geschichte eines ersten Dates erhalten wir Zugang zu einem Archiv des Lebens einer Person, und dadurch decken wir die Menschheitsgeschichte auf.“

Bronowskis Lebensgeschichte zeige auf, „wo wir als Menschen herkommen und was uns einzigartig macht“. Kontrastiert wird dies durch Yuval Noah Hararis Weltbestseller „Homo Sapiens“, der die zweite Inspirationsquelle des Stücks ist. Während der Naturwissenschaftler Bronowski ein positives Narrativ über die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft spannt, ist der Historiker Harari weitaus skeptischer.

„Mit diesen beiden so unterschiedlichen Erzählungen spielt das Stück“, sagt Byrne. „Harari geht davon aus, dass wir als Menschen einen grundlegend falschen Weg eingeschlagen haben. Dagegen erzählt Bronowski vom stetigen menschlichen Fortschritt.“ Byrnes Stück möchte diese Ansätze zusammendenken oder – vielleicht besser – dem Publikum die Antwort überlassen. Das ist zumindest der Anspruch des Autors an sich selbst.

„Secret Life of Humans“ wurde in England uraufgeführt, am Broadway in New York war Byrne damit 2017. „Bei der ersten Version in London waren Menschen teilweise überfordert und sprachlos“, berichtet er. Immer wieder habe er Anpassungen und Verbesserungen vorgenommen, bis es am jetzigen Punkt angelangt war. Was Byrne an der erneuten Inszenierung reizt, ist, dass bisher die Reaktionen in jedem Land komplett unterschiedlich ausgefallen seien. „Die kollektiven Erzählungen von Kulturen unterscheiden sich, so ist es nicht verwunderlich, dass bei einem Stück, das so reichhaltig ist, die Zuschauer:innen am Ende über verschiedene Aspekte diskutieren.“ Er sei gespannt, auf welchen Elementen seines Stückes der Fokus des Frankfurter Publikums liegen werde. Er freue sich, nach der Premiere „mit Menschen ins Gespräch zu kommen“.

„Secret Life of Humans“ ist ein Stück, das große Fragen stellt und eine Dringlichkeit besitzt, da es aufzeigt, dass wir auf unsere eigene Zerstörung zusteuern.

Premiere ist am Samstag, 16. September. Karten: english-theatre.de

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