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Ein Stück lesbische Kultur in Frankfurt

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Im September 1971 öffnete das La Gata, die Nachtbar für Lesben* und queere Menschen. Das Jubiläum wurde jetzt groß gefeiert.
Im September 1971 öffnete das La Gata, die Nachtbar für Lesben* und queere Menschen. Das Jubiläum wurde jetzt groß gefeiert. © Renate Hoyer

Das La Gata in Sachsenhausen ist einer der letzten Bars exklusiv für queere Frauen deutschlandweit.

Menschen, die jubelnd zu „Skandal im Sperrbezirk“ tanzen – ein eher ungewöhnlicher Anblick für die Seehofstraße in Sachsenhausen. Wo sonst reger Verkehr herrscht, haben sich am Samstagabend mehrere Hundert Menschen zum Feiern versammelt, die meisten von ihnen queere Frauen. Der Grund für die Feier ist das 50-jährige Bestehen der letzten Bar Frankfurts für Frauen und Lesben.

Das La Gata ist damit nicht nur in Deutschland, sondern weltweit eine Besonderheit. Laut Recherchen des lesbischen Magazins L-Mag ist sie nämlich die älteste Lesbenbar der Welt. „Es ist wahr. Ich bin seit 1995 geoutet und damals gab es noch ein sehr großes Angebot. In Kanada gibt es heute keine einzige Bar für queere Frauen mehr“, sagt die Kanadierin Wendy Navas, die mit ihrer Freundin Carmen zu dem Straßenfest gekommen ist. Dass diese Bar so lange habe bestehen können, sei vor allem Ricky, der Geschäftsführerin, zu verdanken, sagt Integrationsdezernentin Sylvia Weber. „Bereits die Gewerbeanmeldung war damals mit Schwierigkeiten verbunden. Damals war die Gesellschaft noch viel weniger offen für queere Menschen.“ Als Ricky die Bar 1971 eröffnete, war der Aufstand im Stonewall Inn in New York, der für viele den Beginn der Homosexuellenbewegung markiert, gerade mal zwei Jahre her. „Heute muss sich das La Gata anderen Herausforderungen stellen“, so Weber. Die Corona-Pandemie habe die Existenz mehrerer queerer Bars in Frankfurt gefährdet. Durch eine Spendenaktion des Bündnisses Akzeptanz und Vielfalt Frankfurt habe das La Gata aber gerettet werden können.

Mehr Anfeindungen

Die Pandemie habe gerade queere Menschen stark getroffen, da durch das Schließen von Clubs und Bars sichere Rückzugsorte verloren gegangen seien. „Es ist so wichtig, dass wir Orte haben, die nur für queere Frauen sind“, sagt Carmen. „Wir sind zwar als Gesellschaft schon weit gekommen, aber immer noch weit davon entfernt, vollständig dazuzugehören.“ Im Alltag sei sie im Grunde ständig dazu gezwungen, sich zu outen, was bei ihr nach vielen Jahren immer noch „eine Sekunde Panik“ auslöse. „Hier kann ich einfach ich selbst sein, ohne mich vor irgendwem erklären zu müssen.“

Anna Rita Parini und Giorgia Garau-Parini geht es ähnlich. Die beiden sind seit drei Jahren verheiratet und leben ins Höchst. „Vor zehn Jahren konnten wir noch problemlos Händchen haltend durch die Stadt gehen. Heute überlegen wir uns das zwei Mal, weil die Anfeindungen immer häufiger geworden sind.“

„Der Erhalt queerer Rückzugsorte ist deshalb nicht nur Auftrag, sondern die Pflicht der Politik“, sagt Sylvia Weber. Im neuen Koalitionsvertrag sei beispielsweise die Einrichtung eines sicheren Hauses festgeschrieben, zu dem queere Menschen flüchten könnten, die sich zu Hause nicht sicher fühlten. Der Besuch im La Gata sei ihr letzter offizieller Termin, bevor sie am Mittwoch als Integrationsdezernentin aufhört. In Zukunft wird die Stadträtin nur noch für den Bereich Bildung zuständig sein. (KIKI BRUDER)

Mehr zu La Gata und Erika „Ricky“ Wild, die 1971 die Bar eröffnete und auch heute noch hinter dem Tresen steht, lesen Sie hier.

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