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In der Seeheimer Straße 19 sind drei Steine zur Erinnerung an den Philosophen Theodor W. Adorno und seine Eltern Maria Barbara und Oskar Wiesengrund verlegt worden. Foto: Renate Hoyer
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In der Seeheimer Straße 19 sind drei Steine zur Erinnerung an den Philosophen Theodor W. Adorno und seine Eltern Maria Barbara und Oskar Wiesengrund verlegt worden.

Gedenken

Ein Stolperstein für Theodor W. Adorno

  • Oliver Teutsch
    VonOliver Teutsch
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Adornos Spuren in Frankfurt-Oberrad sind weitgehend unbekannt - obwohl der berühmte Philosoph hier 20 Jahre lang lebte

Die Vorgeschichte zu den jetzt erstmals in Oberrad verlegten Stolpersteinen ist etwas holprig. Alles begann damit, dass die Frankfurter Rundschau vor einigen Jahren darüber berichtete, dass der große Philosoph und Vordenker Theodor W. Adorno die meiste seiner Frankfurter Zeit in Oberrad, in der Seeheimer Straße 19, verbracht hat.

Der Bürgerverein Oberrad war verblüfft, erinnert sich dessen Vorsitzender Eugen Müller: „Wir haben dann zum 50. Todestag Adornos beim Magistrat eine Gedenkplakette für das Haus beantragt.“

Das war 2019. Doch aus der Plakette wurde nichts, der Hausbesitzer lehnte das Ansinnen der Stadt ab. Darüber berichtete die FR erneut, was nun wiederum der Stadtteilhistoriker Dieter Wesp las und sich wunderte. „Ich habe mich gefragt, warum das gescheitert ist“, so Wesp, der sogleich zu recherchieren begann.

Adornos Vater Oscar Wiesengrund hatte in der Innenstadt in der Schönen Aussicht 7 eine Weinhandlung. Im benachbarten Haus Nummer 9 war die Wohnung der Familie, in der Wiesengrund mit seiner Frau Maria Calvelli-Adorno und dem einzigen Sprössling Theodor (dort auch 1903 geboren) bis 1914 lebte. Dann entschloss sich die kleine Familie zum Umzug ins damals noch sehr ländliche Oberrad. Dort lebte Adorno 20 Jahre, bis der von den Nazis ungeliebte Wissenschaftler 1934 nach England floh. Seine Lehrerlaubnis an der Uni Frankfurt hatte er schon 1933 verloren.

Die Eltern blieben zunächst in Oberrad, doch Wiesengrund bekam wegen seiner jüdischen Wurzeln zunehmend Probleme. In der sogenannten Reichskristallnacht wurden sowohl das Wohnhaus als auch die Weinhandlung in der Schönen Aussicht mit Steinen beworfen, die Weinhandlung komplett zerstört. 11 000 Liter Wein sollen ausgelaufen sein.

1939 siedelten die Eltern über Kuba in die USA um, Weinhandlung und Wohnhaus wurden unter Druck weit unter Wert verkauft. Der neue Käufer vermacht das Haus später seiner 1929 geborenen Tochter. Sie und ihr Mann lehnten laut Wesps Recherchen 2019 ab, eine Plakette an dem Haus anbringen zu lassen.

Die Gründe dafür sind unklar. Der aktuelle Mieter in der Seeheimer Straße 19 verrät, dass das Haus in einem Immobilienportal sogar mit dem Hinweis beworben worden sei, es handele sich um das ehemalige Wohnhaus des berühmten Adorno.

Möglicherweise wurmte die Besitzer, dass sie für das Haus an Adorno nach dessen Rückkehr nach Deutschland 1949 eine Entschädigung zahlen mussten. Wie hoch diese war, das konnte Wesp nicht herausbekommen. „Ich finde keine Akten dazu, aber es muss sie geben“, sagt Wesp.

Der Historiker regt nach seiner Recherche an, doch statt einer Plakette Stolpersteine für die gepeinigte Familie Wiesengrund-Adorno zu verlegen. Auch das war nicht sofort auf ungeteilten Jubel gestoßen, denn der überwiegende Teil der Menschen, derer mit Stolpersteinen gedacht wird, ist in Konzentrationslagern umgekommen.

Doch am Sonntag war es nun so weit. Wesp hat zu diesem Anlass eine 16-seitige Broschüre aufgelegt und auch der Bürgervereinsvorsitzende Müller hat ein paar Takte zur Vorgeschichte gesagt und vorab schon verraten, dass es in Sachen Gedenkplakette Neuigkeiten geben solle.

Die langjährigen Besitzer sind 2020 gestorben, der Sohn soll keine Probleme mit einer solchen Plakette haben. „Wir werden die demnächst wieder beim Magistrat beantragen“, kündigte Müller an.

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