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Ein Sonntag für Tierfans im Frankfurter Zoo

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Von: Thomas Stillbauer

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Der ganz Weiße ist der Papi: Schneeeulen.
Der ganz Weiße ist der Papi: Schneeeulen. © Monika Müller

So ein Zootag, der ist lustig – macht aber auch deutlich, dass der Mensch noch Evolutionspotenzial nach oben hat

Mandschurenkranich: „Huuuuuu!“ Zoobesucher: „Ruhe!“ Nein, nicht alle Gäste verhalten sich am Zootag so höflich, wie man es von zivilisierten Menschen erwarten dürfte, zumal gegenüber dem Mandschurenkranich, der es nun wirklich nicht leicht hat, daheim in Ostasien, Sie wissen schon, Lebensraumverlust. Im Frankfurter Zoo hat er es schon leichter. Wenn nicht gerade jemand kommt und seine Ruhe will. War aber nur Spaß, sagt der „Ruhe“-Rufer mit beschwichtigender Geste zum Großvogel. Der Mandschurenkranich darauf: „Huuuu!“

Lustig geht es zu, teilweise, am Zootag im Frankfurter Zoo, der Einblicke gewährt in den Alltag der Tiere, die Tierpflegerei und hinter die Kulissen. Sagenhaft, die riesigen Wasserfilter unter der Anlage, in der die Humboldtpinguine wohnen. Droben gesellen sich die Frackträger mal ganz nah an den Zaun zum Publikum. Die Zeiten sind hart, da rückt man zusammen, Mensch und Tier, und hilft einander, jedenfalls, wenn man ein Herz hat.

Die Tiere hier sind Botschafter für ihre Artgenossen draußen, daran erinnert der Zoo stets. Und daran, dass wir auch in Frankfurt viel tun können, um etwa Orang-Utans in Indonesien zu helfen:. nichts mit Palmöl kaufen. Noch viel einfacher wäre es, den Orang-Utans, Gorillas und Bonobos im Frankfurter Zoo zu helfen, indem man mit Maske in den Borgori-Wald geht, das Menschenaffenhaus. Weil Menschenaffen eben auch durch Corona gefährdet sind. Aber manche Leute, die trotzdem oben ohne reingehen zu den nahen Verwandten mit Fell, bestätigen die These, der Homo sapiens entwickle sich gerade zurück in das Stadium, als unsere Ahnen auf Bäumen lebten, auf allen Vieren liefen oder andere Länder überfielen, um dort Volksabstimmungen mit vorgehaltener Waffe durchzuziehen. Ach? Ist schon wieder so weit?

Da loben wir uns Marie (7), die gerade das Meer von Müll befreit, jedenfalls im kleinen Maßstab, mit einem Käscher im Wasserbassin. „Sonst fressen das die Fische“, sagt sie. Nebenan basteln andere Kinder Fledermäuse und lernen tiermedizinische Instrumente kennen. Damit kann man auch Bonbons schnappen! Die erfolgreiche Schnapperin staunt, als sie erfährt, dass mit diesem Gerät kürzlich eine Münze aus einem Pinguinbauch entfernt wurde.

Jetzt aber schnell zur Schneeeulenführung. Man kommt ja kaum voran vor lauter … „Wir sind schon zwei Stunden hier“, sagt Melanie Dietz, angereist in Begleitung der Töchter Matilda, Annike und Julia, und lacht, „aber immer noch kaum vorwärtsgekommen.“ Ihr Hauptziel heute: die Giraffen, weil groooße Tiere. Die laufen nicht weg.

Und die Schneeeulen? „Fiii!“ Das war eines der beiden Küken, schon fast so groß sind wie Mama und Papa. Die ganze Familie starrt die Besucher an. Papa dreht gelegentlich den Kopf 17-mal um die eigene Achse, weil er’s kann. „Der Papi ist immer ganz weiß“, erläutert der Tierpfleger, damit er nicht so leicht zu erkennen ist am Himmel in der Tundra. Von den Lemmingen. Sieben Eier haben die Schneeeulen gelegt in diesem Jahr, fünf Küken sind geschlüpft, dann kam dieser extrem heiße Sommer, und … jetzt wird es aber wirklich Zeit weiterzugehen. Und etwas gegen die Klimakrise zu unternehmen. Auch den kleinen Schneeeulen zuliebe. Fiii!

Die Paviane lausen einander in einer der alten badezimmerähnlichen Anlagen des Zoos.
Die Paviane lausen einander in einer der alten badezimmerähnlichen Anlagen des Zoos. © Monika Müller

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