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Ein Schwarzes Band als letzter Gruß

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Von: Sabine Schramek

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Dicht an dicht standen die Motorräder in der Innenstadt.
Dicht an dicht standen die Motorräder in der Innenstadt. © rüffer

Motorradfahrer und Motorradfahrerinnen nehmen Abschied von tödlich verunglückten Kollegen. Knapp 1500 kamen am Sonntag zum Gottesdienst in die Katharinenkirche an der Hauptwache.

Jedes Jahr treffen sich Motorradfahrer:innen aus dem Rhein-Main-Gebiet zum Ende der Saison, um derer zu gedenken, die ihr Leben auf der Straße verloren haben. Knapp 1500 Motorräder kamen am Sonntag auf den Rathenauplatz, Hunderte Fahrer:innen gingen zum Gottesdienst in die Katharinenkirche.

Der Motorradkonvoi, der am Rebstockgelände startet, scheint kein Ende zu nehmen. Brummend, blubbernd und dröhnend rollen die Maschinen und Trikes bei strahlendem Sonnenschein durch die Stadt. In Kutten und Westen, in Lederkluft und Cowboystiefeln, mit Schals und Helmen, mit Beifahrer:in oder Quietscheentchen und Stoffelefanten. Sie fahren langsam. Die Polizei begleitet sie ebenfalls auf Motorrädern dorthin, wo seit 42 Jahren zu jedem Saisonende ein Gedenkgottesdienst stattfindet: in die Kirche. Der Verband Christlicher Motorradfahrer und Bikerpfarrer Thorsten Heinrich erinnern sich gemeinsam mit den Fahrer:innen an die Menschen, die seit dem vergangenen Saisonende ihr Leben auf Hessens Straßen ließen.

Wie als Willkommen läuten die Kirchenglocken. So ungewohnt der Anblick der Männer und Frauen in ihren Stiefeln und Jacken ist, so leise betreten sie das Gotteshaus und setzen sich still auf die Bänke. Die Stufen zum Altar sind schwarz ausgelegt mit Fahrbahntrennern wie auf der Landstraße. In einem Motorradreifen stecken Blumen, Helme liegen neben der künstlichen Fahrbahn, auf der Teelichte stehen, die noch nicht brennen. Den Bikern und Bikerinnen ist es ein wenig mulmig. Einerseits haben sie die Saison heil und voller Vergnügen hinter sich gebracht, andererseits gibt es 43 Tote zu beklagen.

Die Namen der Unfallopfer werden laut vorgelesen. Der Jüngste, der im vergangenen Jahr auf Hessens Straße gestorben ist, hieß Theo und wurde nur 15 Jahre alt. Der Älteste hieß Günther. Er verunglückte mit 83 Jahren. Drei Frauen waren unter ihnen. Rita, die mit 50 Jahren ihr Leben verlor, Iris, die mit 53 starb, und Julia, die nur 18 Jahre alt wurde.

Junge und alte Männer und Frauen gedenken ihrer. Manche sitzen allein, andere ganz nah. Einige Paare halten sich an den Händen. Andreas Zirfass sitzt nachdenklich auf der Bank. „Ich fahre Motorrad, seit ich 16 bin und war vor 25 Jahren das erste Mal in Darmstadt beim Anlassen dabei“, erzählt er. „Bisher ist immer alles gut gegangen. Weder einer meiner Freunde oder Kollegen noch ich hatten einen schlimmen Unfall. Ich will, dass das so bleibt. Auch deshalb bin ich jedes Jahr hier mit dabei beim Gedenkgottesdienst.“

„Was bleibt?“, fragt Pfarrer Heinrich immer wieder. Angehörige von Unfallopfern senken den Blick. Sie wollen sich an ihre Liebsten erinnern unter Menschen, bei denen sich die Verwandten zu Lebzeiten wohl gefühlt haben. Was bleibt, sind Erinnerungen, Gedanken, Bilder, Düfte, Gegenstände und Schmerz.

Viele Maschienen trugen einen Trauerflor an Lenker oder Rückspiegel.
Viele Maschienen trugen einen Trauerflor an Lenker oder Rückspiegel. © Rüffer

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