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Ein Teil des Gebäudes ist am neuen Standort in Fechenheim schon aufgebaut.

Holzmodulbauten

Ein Schulgebäude zieht in Frankfurt um

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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Das hat es in Frankfurt noch nicht gegeben. Die Stadt setzt ein ganzes Schulgebäude von einem Stadtteil in einen anderen. Der Holzbau zieht von Sindlingen nach Fechenheim um.

Es ist eine Premiere für Frankfurt. Sagt auch Baudezernent Jan Schneider (CDU). „Das ist in dieser Größenordnung Neuland für uns.“ Denn dass ein gesamtes Schulgebäude umzieht, das hat es in der Stadt noch nicht gegeben: Die Holzmodulanlage, die der Ludwig-Weber-Schule in Sindlingen viereinhalb Jahre während der Errichtung ihres Neubaus als Schulgebäude zur Verfügung stand, wird gerade nach Fechenheim umgesiedelt. Als Erweiterungsbau für die Schule am Mainbogen.

Und so fliegen am Mittwochmorgen in der integrierten Gesamtschule (IGS) in Fechenheim ganze Außenwände aus Lärchenholz inklusive Dämmung und Fenstern am Kran hängend über den Hof. – Und werden dort genauso aufgebaut wie sie am alten Standort in Sindlingen gestanden haben. „Das modulare Bauen ist nicht nur eine kostengünstige Lösung, um neue Schulen zu schaffen“, sagte Schneider auf der Baustelle. Immerhin sind neue Schulen wie das Gymnasium Nord und das Adorno-Gymnasium komplett in Holzmodulbauweise entstanden. „Es ist aber auch für Situationen eine Lösung, in denen wir schnell und flexibel reagieren müssen.“

So wie an der Schule am Mainbogen. Dort ist mehr Platz dringend nötig. „Seit ich Schulleiterin bin, hat sich die Zahl der Schülerinnen und Schüler verdoppelt“, sagte Christine Georg – und sie ist seit sieben Jahren Schulleiterin. Die Zahl stieg von 350 Schülerinnen und Schülern auf aktuell 720. Und ist dadurch das Platzproblem schon groß, so wurde es durch einen Wasserrohrbruch, der einen Gebäudeteil unbenutzbar machte, noch größer. „Das hat die Gesamtproblematik noch verschärft“, sagte Georg.

3,4-Millionen-Euro-Umzug

In den Sommerferien haben nun die Arbeiten für den Aufbau des Holzgebäudes aus Sindlingen begonnen. Zunächst musste ein Fundament geschaffen werden, das kann schließlich nicht mit umgezogen werden. Ein Drittel des Baus steht inzwischen schon, nächste Woche soll das gesamte Gebäude aufgebaut sein. Dann sind 2700 Quadratmeter von Sindlingen nach Fechenheim umgesetzt worden, 20 neue Klassenzimmer dort entstanden. Drei davon wird die benachbarte Freiligrathschule nutzen. Zum nächsten Halbjahr können die Schulen einziehen, es müssen nach dem Aufbau unter anderem noch Installationsarbeiten vorgenommen werden.

3,4 Millionen Euro kostet der Umzug. „Hätten wir es neu bestellt, hätte es doppelt so viel gekostet“, sagte Roland Hatz, Sachgebietsleiter für Schulbau im Amt für Bau und Immobilien. Und wäre ein Gebäude in Massivbauweise errichtet worden, hätte es eine deutlich mehr als doppelt so lange Bauzeit gegeben. Auch der Baudezernent betonte die Wirtschaftlichkeit des umgezogenen und stadteigenen Holzbaus. „Mietcontainer kosten viel Geld“, sagte er. Eine kleine Modulanlage für eine Kita koste die Stadt 40 000 Euro. Im Monat. „Und die steht ja nicht für ein Jahr, sondern für Jahre.“

Der Bau in Fechenheim soll nun auch Jahre stehen. Eine Baugenehmigung gibt es für 30 Jahre. Und die Holzbauten „erreichen fast Passivhausstandard“, sagte Schneider. Aber nicht nur das: Der Bau eines Holzgebäudes verursache nur ein Viertel der CO2-Emissionen eines konventionell errichteten Hauses.

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