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Viele Kräuter auf engem Raum in der Kräuterspirale.

Heddernheim

Ein Paradies für Insekten

  • Friederike Meier
    vonFriederike Meier
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Beate Böckle gestaltet ihren Garten in Frankfurt-Heddernheim nach den Prinzipien der Permakultur. Nur für ihre Rosen macht sie eine Ausnahme.

Schon von außen ist zu sehen, dass Beate Böckles Garten etwas Besonderes ist. Direkt am Weg, wo früher ein Parkplatz war, gibt es einen Blühstreifen, auf dem Insekten reichlich Nahrung finden. „Klatschmohn, Kornblume, Wiesenmargarite, Königskerzen, Malven“, zählt Böckle auf. Seit dreieinhalb Jahren pachtet sie den 600 Quadratmeter großen Garten in Frankfurt-Heddernheim nahe der Nidda vom Liegenschaftsamt. „Vorher war das hier ein Baumarkt-Garten.“ Davon ist jetzt nicht mehr viel zu sehen. Stattdessen ein Hügelbeet, eine Kräuterspirale mit kleinem Tümpel, Obstbäume mit Nistkästen und eine Vogeltränke.

Überall blüht und summt es. Böckle achtet darauf, dass sich Hummeln, Bienen und andere Insekten bei ihr wohlfühlen. Es gibt Pflanzen mit verschiedenen Blütenformen, damit für alle Insekten etwas dabei ist.

In einem Beet wachsen aber auch Tomaten zusammen mit Ringelblumen, letztere sollen Schädlinge vertreiben. „Ich gärtnere nach ökologischen Gesichtspunkten“, sagt Böckle, „ich verwende keine Pestizide oder schnell lösliche Mineraldünger.“

Böckle nutzt auch Konzepte der Permakultur. Bei dieser vom Australier Bill Mollison entwickelten Methode geht es darum, natürliche Ökosysteme zu beobachten und nachzuahmen.

Eine Kräuterspirale ist zum Beispiel dazu da, verschiedene Kräuter auf engstem Raum anzubauen. Oben ist der Boden sandiger als unten, und dadurch dass die Steine der Spirale sich aufheizen, entstehen wärmere und kältere Stellen. „Oben wachsen Mittelmeerpflanzen wie Salbei, nahe an den Mauern wärmeliebende Pflanzen wie Majoran“, erklärt Böckle.

Tümpel mit Brunnenkresse

Ganz unten ist ein Tümpel mit Brunnenkresse angelegt, in dem Frösche quaken. „Auf der Nordhalbkugel sollte der Tümpel im Norden sein, damit es schattig ist“, sagt Beate Böckle. „Denn die Brunnenkresse braucht es kühl.“ Wer mit der Pächterin durch den Garten spaziert, kommt gar nicht hinterher, so viele Pflanzennamen zählt sie auf. Neben einem großen Blumentopf bleibt sie stehen. „Das ist Diptam! Meine Lieblingspflanze! Ich liebe den zitronigen Geruch.“ Und nicht nur zu den Insekten hat Böckle eine besondere Beziehung. Wenn sie von der Krähe spricht, die häufig an der Vogeltränke trinkt und manchmal gegrilltes Huhn vom nahegelegenen Grillplatz mitbringt, klingt sie fast liebevoll: „Das ist schon ein blödes Vieh.“

Böckle, die seit mehr als 30 Jahren in Frankfurt lebt, kommt ursprünglich vom Land, ihre Eltern betrieben Landwirtschaft im Nebenerwerb. „Meine Schwester und ich mussten mehr oder weniger freiwillig mithelfen“, sagt sie lachend. Aber die Leidenschaft fürs Gärtnern hat sie nie losgelassen, mindestens jeden zweiten Abend nach der Arbeit kommt sie in ihren Garten. Außerdem engagiert sie sich beim BUND und hat zum Beispiel die Bepflanzung des Park-Bikes, eines bepflanzten Lastenrads, konzipiert. Über die Frankfurter Kreisgruppe können Interessierte auch Pflanzen bekommen, die sie gezogen hat.

„Das Beste für Insekten ist es, wenn sie heimische Pflanzen finden, die nicht mit Pestiziden behandelt werden“, fasst sie ihre Überzeugung zusammen. Als Datenanalystin bei einem börsennotierten Unternehmen analysiere sie zwar durchaus komplexe Systeme. „Aber ich will mir nicht anmaßen, so komplexe Beziehungen mit Gift zu beeinflussen.“

Eine Ausnahme macht Beate Böckle nur für Rosen, die in einem reinen Naturgarten nicht vorkämen. Denn viele Zierrosen sind zu eng für Insekten und produzieren keinen Nektar. Aber in Böckles Garten soll es schließlich auch den Menschen gefallen: „Meine geliebten Rosen, die müssen sein.“

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