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Ein Masterplan für den Frankfurter Zoo

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Von: Thomas Stillbauer

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Ina Hartwig (58, SPD) ist seit Juli 2016 Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt. Der Zoo fällt in ihren Zuständigkeitsbereich.
Ina Hartwig (58, SPD) ist seit Juli 2016 Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt. Der Zoo fällt in ihren Zuständigkeitsbereich. © christoph boeckheler*

Kulturdezernentin Ina Hartwig über die neue Direktorin und die Zukunft des Tierparks.

Frau Hartwig, wie sind Sie auf die Zootierärztin Christina Geiger als neue Direktorin gekommen?

Wir hatten auf unsere Ausschreibung eine gute Resonanz und Frau Dr. Geiger hat sich klar durchgesetzt. Sie hat durch ihre Persönlichkeit überzeugt, sie kennt den Zoo schon lange, ist seit fast 15 Jahren hier tätig und sehr anerkannt. Als Tierärztin arbeitet man im Zoo mit fast allen Mitarbeitern zusammen und koordiniert übergreifend Projekte. Es ist eine Querschnittsaufgabe. Zudem hat sie vertrauensvoll mit ihrem Vorgänger Miguel Casares zusammengearbeitet und die Konzeptstudie zur Zukunft des Zoos mitentwickelt.

Was zeichnet sie aus?

Sie ist zupackend, begeisterungsfähig und hat viel erlebt als Tierärztin, nicht nur hier im Zoo, sondern auch in der freien Wildbahn. In Kasachstan beispielsweise hat sie gemeinsam mit den Rangern vor Ort Saiga-Antilopen gefangen, um sie mit Sendern auszustatten, was man sich im Detail gefährlich und höchst abenteuerlich vorstellen muss.

Warum hat es denn so lang gedauert, bis die Stelle wieder besetzt wurde?

Es hat gar nicht so lang gedauert.

Miguel Casares ist im vorigen Juni gegangen.

Das war überraschend, wir haben das alle sehr bedauert. Aber ich habe natürlich akzeptiert, dass er aus privaten Gründen, die absolut nachvollziehbar waren, nach Spanien zurückgegangen ist, zu seiner Familie. Danach haben sein Stellvertreter Stefan Stadler und Verwaltungsleiterin Kerstin Schmitz interimistisch den Zoo geführt, ein eingespieltes Team. Eine Ausschreibung auf den Weg zu bringen, das Ziel zu definieren, das dauert, zwischendrin hatten wir die Kommunalwahl unter Pandemiebedingungen. Es war weniger als ein Jahr, ich bin damit nicht unzufrieden.

Folgt mit Christina Geiger eher ein Neustart oder eine Fortsetzung?

Beides – ein Neustart und auch eine Fortsetzung, weil Frau Geiger die Zielsetzungen teilt und fortsetzt, die wir mit Miguel Casares identifiziert haben: das große Thema Diversität und Artenschutz, auch den Zoo als Botschafter zu begreifen. Sie wird sicherlich eigene Akzente setzen, darauf bin ich auch gespannt. Und natürlich freut es mich, dass wir erstmals in der mehr als 160-jährigen Geschichte des Zoos eine Frau an der Spitze haben.

Wie geht es weiter für den Zoo?

Wir müssen den Zoo im 21. Jahrhundert ganz anders denken als in früheren Zeiten. Wir haben ja eine Konzeptstudie abgeschlossen, die die Richtung vorgibt: Der Zoo soll sich künftig vor allem in zwei Großareale aufteilen, anstelle der veralteten Tierhäuser sollen dort Arten sichtbar vergesellschaftet werden, wie sie auch in ihren Lebensräumen in Afrika und Südamerika koexistieren. Als nächsten Schritt wollen wir den Masterplan „Zookunft2030+“ auf den Weg bringen; dafür stehen 750 000 Euro zur Verfügung, verteilt auf zwei Jahre.

Wie hat Corona den Zoo betroffen, auch was die Finanzierung angeht? Es konnte ja viel weniger Publikum kommen.

Natürlich hat der Zoo ein Defizit durch Corona erlitten. Die Pandemie ist gerade für eine so besucherstarke Einrichtung wie den Zoo ein riesiges Problem. Einen Zoo kann man nicht komplett schließen, das Leben hinter den Türen muss weitergehen und die Tiere gefüttert und versorgt werden. Inzwischen dürfen die Menschen wieder in den Zoo, unter Auflagen, und sie kamen sofort wieder und sind dankbar für dieses Angebot.

Gerät der Zeitplan für die „Zookunft2030+“ wegen Corona in Verzug?

Es kann sein, dass Corona insgesamt zu einer gewissen Verlangsamung der Weiterentwicklung führt, aber wir dürfen die Ziele nicht aus den Augen verlieren, die wir in der vorigen Wahlperiode mit dem Drei-Säulen-Konzept definiert haben: die Entwicklung großer Bereiche im Zoo, das Artenschutzzentrum „Frankfurt Conservation Center“ gemeinsam mit unseren Partnern und das Kinder- und Jugendtheater im Zoogesellschaftshaus. Und wir haben trotz Corona ja durchaus einiges geschafft.

Was zum Beispiel?

Die Pinguinanlage ist fertiggestellt, es gibt hinter dem Katzendschungel einen neuen Platz mit hoher Aufenthaltsqualität, das Exotarium hat eine neue Bedachung bekommen – und wir beginnen im Februar mit der Vorbereitung für die neue Löwen-Außenanlage. Außerdem liegen als Grundlage für den Masterplanprozess ein Klima- und ein Biodiversitätsgutachten vor; die gartenhistorische Untersuchung steht noch aus. Für die künftige Zoogastronomie ist ein Architektenbüro aus Frankfurt ausgewählt. Also, es geht weiter, und auch das eine oder andere Tierbaby ist zur Welt gekommen, der Tamandua beispielsweise, der kleine Ameisenbär.

Der große Rahmenplan, wie unter Casares skizziert, hat also Bestand?

Ich sehe nichts, was dagegen spricht. Mir ist es wichtig, dass man die Pandemie nicht dazu benutzt, etwas in Frage zu stellen, was man aus guten Gründen beschlossen hat und für das es einen Konsens gibt. Es ist unter Miguel Casares sehr deutlich geworden, dass der Zoo weiterentwickelt werden muss.

Was bedeutet ein Zoo für eine Stadt? Wozu braucht eine Stadt einen Zoo?

Dieser Zoo gehört zur Identität Frankfurts. Wir haben die Besonderheit eines Innenstadtzoos, ein natürliches grünes Areal, einen Ort der Erholung. Für die Menschen, die hier leben, die hier aufgewachsen sind, ist der Zoo mit Erinnerungen verbunden. Und der Zoo ist ein Botschafter – er ist nicht nur dazu da, Arten zu zeigen, sondern auch, sie zu schützen. Was hinter den Kulissen passiert, ist Wissenschaft und Forschung. Zoos sorgen für den Arterhalt vor Ort und auch in der freien Natur. Diese Botschaften müssen der nachwachsenden Generation vermittelt werden. Dafür ist die Begegnung mit dem Lebewesen gerade auch für Kinder und Jugendliche durch nichts zu ersetzen, nicht durch Filme, nicht durch Bücher, nicht durch Computerspiele.

Sie sind übrigens seit fast sechs Jahren im Amt, und wir kennen noch gar nicht ihr Lieblingstier. Verraten Sie es?

Giraffen faszinieren mich schon sehr. Aus der Nähe betrachtet sind die Tiere gar nicht so niedlich. Diese riesengroßen Augen. Die Niedlichkeit ist eine Projektion. Das wurde mir klar, als ich die Giraffen einmal füttern durfte und die Augen aus der Nähe sah. Da habe ich die ungeheure Kraft dieser Tiere gespürt.

Interview: Thomas Stillbauer

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