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„Ein knackiges Alter“

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Kursleiterin Karin Eberbach (Mitte) zeigt, wie es geht.
Kursleiterin Karin Eberbach (Mitte) zeigt, wie es geht. © Rolf Oeser

Die Begegnungszentren des Frankfurter Verbands bieten ein vielseitiges Aktiv-Programm für ältere Menschen.

Jetzt wird’s gefährlich“, sagt eine Dame lachend, als die langen Stäbe für die Sitzgymnastik herausgeholt werden. Es ist Montagmorgen, 10 Uhr. Im Begegnungs- und Servicezentrum Heddernheim des Frankfurter Verbands für Alten- und Behindertenhilfe finden sich acht Seniorinnen und ein Senior ein, mit Kursleiterin Karin Eberbach sind sie zu zehnt.

Sie sitzen in einem Stuhlkreis mit genügend Abstand zum Nachbarn und zur Nachbarin, damit die Arme ausreichend Bewegungsfreiheit haben. Diese werden schließlich am meisten bei der Sitzgymnastik eingesetzt.

Zu Beginn erkundigt sich Turnlehrerin Eberbach nach der letzten Woche, in der sie in Urlaub war. Die Vertretungsstunde sei etwas ganz Besonderes gewesen, erzählt die 88-jährige Gisela Nyman. Da das Begegnungszentrum abgeschlossen gewesen sei, hätten sie das Training fast ausfallen lassen.

Doch dann hatte Nyman die entscheidende Idee: Warum nicht einfach ins eigene Wohnzimmer gehen? Sie sei gerade erst vor zwei Monaten hergezogen, direkt in die Nachbarschaft. Und so hielt sich die Gymnastikgruppe für eine Stunde in Gisela Nymans Wohnzimmer auf. „Das ist noch nie vorgekommen“, beteuert Nyman aufgeregt.

Sobald alle bereit sind, wird die Musik angestellt und schon kann es losgehen. „Mundwinkel nach oben, wir haben Besuch“, ermuntert Kursleiterin Eberbach, und prompt müssen alle schmunzeln. Nach der Anleitung von Eberbach setzen sich alle vorne auf die Stuhlkante und folgen ihren Arm- und Beinbewegungen. Das kann manchmal ein kleines Koordinierungskunststück sein, und nicht jeder meistert das auf Anhieb.

Doch das macht überhaupt nichts. Schließlich kommt man nicht her, um Leistungen zu erbringen. Trotzdem korrigiert Eberbach auch die eine oder andere Haltung. „Und wenn man gar nicht überlegt, dann macht man’s automatisch richtig“, sagt sie und zustimmendes Lachen ertönt in der Runde. Die Hauptsache ist letztendlich, Spaß zu haben.

Als die langen Stäbe für die Gymnastik herausgeholt werden, ist noch mehr Koordinierung erforderlich. Da schon mehr als die Hälfte der Stunde vergangen ist, treten außerdem so langsam bei dem einen oder der anderen Beschwerden auf. „Knackt es bei dir auch?“, fragt Gisela Nyman die Kursleiterin. Daraufhin erwidert Eberbach lächelnd: „Dann bist du in einem knackigen Alter!“ Die Runde lacht. Humor haben sie hier allemal - vielleicht gerade wegen des hohen Alters.

Aktiv im Alter

Die evangelische Kirchengemeinde in Bornheim hat zahlreiche Angebote für ältere Menschen. Der Seniorentreff findet immer montags von 14.30 bis 16.30 Uhr im Gemeindesaal, Große Spillingsgasse 24, statt. Es wird gefeiert, gespielt, gebastelt, gesungen oder die Senior:innen unterhalten sich. Es gibt einen kostenlosen Fahrdienst, der beim Gemeindebüro bestellt werden kann. Für den Seniorentreff ist keine Anmeldung nötig.

Das Programm „Aktiv 65 Plus“ der Gemeinde bietet Ausflüge in die Stadt und in die nähere Umgebung an. Die Ziele sind immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.

Weiterhin gibt es Seniorengymnastik, immer mittwochs um 9.30 Uhr und 10.15 Uhr im Gemeindesaal der evangelischen Kirchengemeinde Bornheim. Es wird gemeinsam gesungen, Musik gehört und man übt sich im Sitztanz. Dabei werden Bälle, Bänder und Hanteln eingesetzt. Bei Interesse kann man Veronica Booghi unter 0176/64 35 30 88 kontaktieren oder einfach vorbeikommen.

Einen Literaturkreis gibt es in Bornheim auch. Dieser richtet sich an alle Literaturinteressierte und findet alle 14 Tage donnerstags von 15 bis 16.30 Uhr im Raum 1 des Gemeindehauses statt. Die Kosten betragen 2 Euro.

Auch Englisch können die Senior:innen in Bornheim lernen: jeweils montags von 11 bis 12.30 Uhr und freitags von 11 bis 12.30 Uhr. Treffpunkt ist der Turmsaal in der Turmstraße 2. Die Anmeldung erfolgt bei Sabine Schlegel-Fann unter der Nummer 069/29 38 26.

In der katholischen Gemeinde St. Bernhard gibt es jeden Dienstag einen Seniorentreff. Dieser findet von 15 bis 17 Uhr im Josef-Lehnert-Raum statt, es gibt Kaffee und Kuchen sowie Vorträge, Filme, Gedächtnistraining, Gymnastik, Gedichte und Balladen, Märchen oder Liederquiz. Neue Gäste sind herzlich willkommen.

Auch die St. Katharinen-Gemeinde hat einen Seniorentreff. Dieser findet monatlich mittwochs von 10.30 bis 12 Uhr im Gemeindehaus, in der Leerbachstraße 18 statt. Bei Kaffee und Gebäck geht es um die Themen Lebensbilder, Bibliologisch-Theologisches, Geschichte, Literatur, Musik, Kunst, Psychologie, Gesundheit im Alter und einiges mehr. Informationen zu Terminen können bei Peter Wartusch erfragt werden, entweder per E-Mail, peter.wartusch@st-katharinengemeinde.de oder per Telefon 069/77 06 77 20.

Der Frankfurter Verband für Alten- und Behindertenhilfe hat 15 Begegnungszentren in den einzelnen Stadtteilen, die ein breites Angebot an Aktivitäten für ältere Menschen anbieten. Mehr Informationen dazu gibt es im Internet unter www.frankfurter-verband.de/ aktiv-aelterwerden oder telefonisch unter 069/29 98 070.

Eine gute Anlaufstelle für Unschlüssige ist die Frankfurter Seniorenagentur. Diese bietet Frankfurter Senior:innen, Familienangehörigen und Unternehmen Informationen, Kontakte und andere Hilfestellungen an. Auch bei der Suche nach einem geeigneten Angebot für Senior:innen ist die Agentur behilflich. Informationen dazu unter www.seniorenagentur- frankfurt.de/ oder telefonisch unter 069/95 10 97-333 und -331.

Die Frankfurter Seniorenagentur hat auch selbst einige Angebote. Es gibt Senior:innennachmittage, in digitaler Form oder in Präsenz. Die Nachmittage vor Ort finden in den Räumen der Agentur in der Mainzer Landstraße 349 statt. Ansprechpartnerin ist Amel Boutaleb, Telefon 069/95 10 97 265 . Per E-Mail kann auch Kontakt aufgenommen werden unter info@seniorenagentur-frankfurt.de. rjw

Gegen Ende der Stunde wird es zunehmend anstrengender für die Teilnehmenden. „Wie geht’s euch denn?“, fragt Karin Eberbach um 10:50 Uhr. „Angenehm erschöpft“, antwortet Monika Zähter. Die 74-Jährige kommt bereits seit einem Jahr zur Sitzgymnastik. Es sei immer spaßig und abwechslungsreich, der Kurs sei jedes Mal anders gestaltet. Die lockere Art von Trainerin Eberbach sei sehr angenehm, berichtet Zähter. Es tue ihr gut, sagt sie. Und Fortschritte würde man auch bemerken.

Doch auch die Leiterin des Begegnungszentrums, Sybille Vogl, wird überschwänglich gelobt. Sie sei eine „außergewöhnlich sympathische Frau“, findet Gymnastikteilnehmerin Renate Krimmel. Sie sei sehr zufrieden mit der Leitung von Vogl, denn diese sei für alles offen und mache ihre Sache sehr gut.

So gut, dass sie in der anschließenden Gitarrenstunde im Begegnungszentrum Gitarre spielen gelernt hat. Denn von 11 bis 12 Uhr findet sich montags ein kleiner Kreis von Musizierenden ein. Heute sind sie nur zu viert: Leiterin Vogl, Kurt Krimmel, der schon bei der Sitzgymnastikgruppe dabei war, Philipp und Charles Yesudas. Jede:r kann vorbeikommen, egal wie alt, egal welche Vorkenntnisse.

So ist auch Yesudas erst vor einigen Wochen neu dazugekommen. Der heute 76-jährige Philipp, der mit 25 angefangen hat, Gitarre zu spielen, ist sich sicher: „Gitarre muss vom Herzen kommen!“ Er ist überzeugt, dass das Musizieren „Türe und Fenster öffnet“.

Und passend dazu stimmt selbst der Fotograf der Frankfurter Rundschau ein Lied an, in das der Rest der Truppe einstimmt. Es wird einmal mehr deutlich: Musik verbindet Menschen. Von „Heute hier, morgen dort“ zu „Country Roads“ und „Ein schöner Tag“ - das Liederprogramm ist bunt. Gespielt wird das, was gewünscht wird.

Kurt Krimmel holt seine Mundharmonika raus, abwechselnd spielt er Mundharmonika, Gitarre und singt. Philip, der am längsten von allen spielt, gibt dem Neuankömmling Charles, aber auch allen anderen, Tipps zum Gitarrespielen.

Und schon in der kommenden Woche werden dann die Ordner mit den Weihnachtsliedern herausgekramt. Schließlich dauert es nicht mehr lange, bis die Adventszeit beginnt.

Kurt Krimmel (vorne links) und Philipp (hinten rechts) musizieren zusammen.
Kurt Krimmel (vorne links) und Philipp (hinten rechts) musizieren zusammen. © Rolf Oeser

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