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Ein Hund hilft bei Epilepsie

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Von: Steven Micksch

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Assistenzhund Dundee warnt Leon und seine Eltern vor epileptischen Anfällen.
Assistenzhund Dundee warnt Leon und seine Eltern vor epileptischen Anfällen. Renate Hoyer © Renate Hoyer

Hund Dundee warnt Leon und seine Familie vor Anfällen. Die Voraussetzungen dafür sind ein feines Gehör und viel Übung.

Dundee liegt entspannt auf seiner Hundedecke und beobachtet Leon und dessen Eltern. Die Szenerie im Frankfurter Stadtteil Fechenheim wirkt alltäglich, nur die rote Weste mit dem blauen Aufnäher, die der Königspudel trägt, zeigt, dass Dundee eine wichtige Aufgabe hat. Der Assistenzhund warnt die Eltern, dass Leon gleich einen epileptischen Anfall bekommt.

Das Gehör des knapp eineinhalb Jahre alten Hundes ist besonders feinfühlig. Er hört, wenn Leons Atem sich vor einem Anfall verändert und die Sauerstoffsättigung des Zwölfjährigen abfällt. Sobald das passiert, fixiert er den Jungen eindringlich, damit werden die Erwachsenen vorgewarnt.

„Wir nehmen, was der Hund uns gibt“, sagt Sylvia Gerdes, Hundetrainerin für Assistenzhunde. Andere Tiere würden auch Laute geben. Einen Hund zu erkennen, der sich für solch eine Aufgabe eigne, sei das Schwierigste, so die Trainerin. Feine Gehörtests seien notwendig und davon bis zu 63 Stück. Es sei jedoch eine Eigenschaft, die sich vererbe und damit auch züchten lasse.

Für Leon und seine Familie ist diese Fähigkeit ein Glücksfall. Denn eine Vorwarnung könne helfen, Stürze oder Unfälle in der Badewanne zu vermeiden. Auch in der Nacht weckt Dundee die Eltern. „Ich habe nachts jetzt mehr Sicherheit und kann besser schlafen, weil ich weiß, dass der Hund da ist“, sagt Mutter Fatima Guidara. Auch Leon tue der Vierbeiner gut. „Er wirkt ausgeglichener“, merkt Vater Marcel Kaltenbach an. Zudem habe der Zwölfjährige, der auch im Autismuspektrum liegt, einen Entwicklungsschub gemacht. Er kommuniziere und interagiere nun mehr.

Für ein paar Tage war Dundee jetzt auch mit Leon in der Schule, um alles kennenzulernen. Künftig soll der Königspudel immer mit im Unterricht sitzen. Noch ist Dundee aber weiterhin in der Ausbildung und lernt immer Neues hinzu. „Wir begleiten die Familie jetzt noch einige Zeit“, sagt Gerdes. Auch wenn Gerdes nicht mehr vor Ort ist, geht das Training für den Hund weiter. Einmal pro Jahr soll es auch eine Übungswoche auf Usedom geben, zu der dann auch andere Menschen mit ihren Assistenzhunden kommen.

Dass Leon überhaupt einen Assistenzhund haben kann, verdankt die Frankfurter Familie der gemeinnützigen Gesellschaft Neurax-Foundation. Die hatte eine Ausschreibung für die Finanzierung gestartet und übernimmt die Kosten von circa 15 000 Euro. „Wir haben uns lange mit der Anschaffung eines solchen Hundes beschäftigt, aber hätten die Kosten nicht stemmen können“, sagt Fatima Guidara. Dass dies nun durch die Aktion der Neurax-Foundation möglich wurde, sei „einfach ein Traum“. Denn die Leistung eines Assistenzhundes bei Epilepsiefällen wird von den gesetzlichen Krankenkassen nicht anerkannt.

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