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Ein Hauch von Leben

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Von: Jana Ballweber

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Ein neues Gräberfeld auf dem Frankfurter Hauptfriedhof ist für Kinder gedacht, die vor der Geburt gestorben sind. Foto: Rolf Oeser
Ein neues Gräberfeld auf dem Frankfurter Hauptfriedhof ist für Kinder gedacht, die vor der Geburt gestorben sind. © ROLF OESER

Auf dem Frankfurter Hauptfriedhof ist ein neues Gräberfeld für die Bestattung von ungeborenen „Sternenkindern“ entstanden

Ein Friedhof kann ein bedrückender Ort sein. Könnten die verwitterten Steine, die knorrigen alten Bäume oder die Mauern des Frankfurter Hauptfriedhofs sprechen, sie hätten wohl die eine oder andere tragische Geschichte zu erzählen. Am neuen Gräberfeld „Ein Hauch von Leben II“ würden sie von Kindern berichten, die nie geboren wurden. Von Kindern, deren Eltern um sie trauern, ohne die Chance gehabt zu haben, sie kennenzulernen. Sternenkinder nennt man diese Menschen, die vor, während oder ganz kurz nach der Geburt sterben. Und obwohl ihre Familien sie nicht kennenlernen konnten, reißen sie eine Lücke.

Um dieser Trauer Rechnung zu tragen, gibt es auf dem Hauptfriedhof schon seit 20 Jahren ein Gräberfeld für Sternenkinder. Weil es nach und nach zu klein geworden war, gestaltete das Grünflächenamt nun einen neuen Ort. Zwei Bestattungsfelder in der Form von Blättern sollen den Kreislauf des Lebens symbolisieren, vom Entstehen zum Vergehen. An einem Baum aus Metall direkt daneben können Eltern die Namen ihrer verstorbenen Kinder auf kleine Metallblätter schreiben. „Die Blätter wehen dann im Wind und sind lebendig“, sagte Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne), die die Grabstätte am Dienstagnachmittag gemeinsam mit Vertreter:innen von Religionsgemeinschaften, Seelsorger:innen aus den Frankfurter Krankenhäusern, Vereinen betroffener Eltern und Mitarbeiter:innen des Grünflächenamts eingeweiht hat. „Ich hoffe, dass es ein Ort ist, an den die Angehörigen gerne kommen, wenn sie das Bedürfnis verspüren, sich zu erinnern.“

Bestattungen

Die Bestattung eines Sternenkindes ist für die Eltern kostenfrei.

Am neuen Gräberfeld finden in der Regel am letzten Mittwoch der Monate Februar, Mai, August und November in der Zeit von 11.30 Uhr bis 12.30 Uhr Gemeinschaftsbestattungen statt.

Grabschmuck kann unter dem Gedenkbaum abgelegt werden. Individuelle Anpflanzungen auf dem Grabfeld soll nicht vorgenommen werden.

Auch eine individuelle Bestattung für verstorbene Kinder ist möglich. Hierfür können Eltern sich mit einem Bestattungsunternehmen in Verbindung setzen. jaba

Zwei Vertreterinnen des Vereins „Unsere Sternenkinder Rhein-Main“ berichteten eindrücklich von der Erfahrung, ein Kind zu verlieren: „Der Tod gehört zum Leben dazu. Aber den Tod des eigenen Kindes will niemand erleben.“ Es sei wichtig, dass die Gesellschaft diesem Tabubereich mehr Aufmerksamkeit schenke. Würdevolle Möglichkeiten zur Beisetzung seien dafür ganz entscheidend.

Heike Appel, die Leiterin des Grünflächenamts, ist froh, für das neue Gräberfeld einen Ort mit viel Platz, Natur und Sonne mitten auf dem Friedhof gefunden zu haben. „Das Feld liegt nicht irgendwo versteckt am Rand, sondern mittendrin“, sagte sie.

Das scheint der Enttabuisierung, die viele Eltern sich wünschen, Rechnung zu tragen. Denn Fehlgeburten seien ein sehr weitverbreitetes Phänomen, berichten die Mütter: „Viel weiter verbreitet, als viele annehmen.“ 23 Millionen Fehlgeburten gebe es weltweit pro Jahr.

Weil Menschen unterschiedlichen Glaubens ganz unterschiedliche spirituelle Bedürfnisse haben, kamen Vertreter:innen mehrerer Religionsgemeinschaften zusammen, um ein Ritual zu entwickeln, von dem sich alle angesprochen fühlen können. Symbolisch für Fruchtwasser, Tränen, Taufwasser und den ewigen Kreislauf des Wassers und des Lebens konnten die Besucherinnen und Besucher Wasserfläschchen auf dem Gräberfeld ausgießen. Zu den Klägen von Eric Claptons „Tears in Heaven“ floss dann auch noch die eine oder andere echte Träne.

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