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„Rennbahnpark“ in Frankfurt: Erste Eindrücke des beeindruckenden Projekts

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Von: Thomas Stillbauer

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Der Teich im Zentrum des Parks. Und die Skyline.
Der Teich im Zentrum des Parks. Und die Skyline. © Peter Jülich

Wo in einst Pferde um die Wette rannten, sollen nun Mensch und Natur und Fußball miteinander auskommen. Ein Rundgang durch ein erstaunliches Stück Frankfurt.

Frankfurt – Die Pferde, so viel steht fest, haben die Runde schneller geschafft. Und da war sie noch größer, die Runde. Da ging sie, virtuell aus heutiger Sicht, auch über die dreieinhalb Fußballplätze hinweg, die der Deutsche Fußball-Bund inzwischen in den Süden des Geländes gelegt hat. Und durch die großen Gebäude des Leistungskickerzentrums hindurch, die da jetzt stehen.

Aber die hatten ja auch vier Beine, die Pferde. Und eilig hatten sie es sowieso. Die Gruppe, die am Mittwoch in Frankfurt eine Runde macht, will es lieber genau wissen, was da nun hinkommt, wo früher galoppiert wurde. Presserunde.

Und, was kommt da hin? Viel. Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) ist begeistert. „Schönster Spielplatz Frankfurts“ ist nur einer von vielen Superlativen, die sie verwendet. „Place to be“, sagt sie auch: Ort, an dem man sein will. „Wir nehmen jetzt Tempo auf“, kündigt die Stadträtin an, denn der DFB sei fast durch mit seinem Teil, „und wir wollen ja gemeinsam fertig werden.“ Ob das klappt? Bleiben Sie dran, die Tour beginnt!

Susanne Gonsior-Hahmann und Sigurd Henne. Planungsfachleute.
Susanne Gonsior-Hahmann und Sigurd Henne. Planungsfachleute. © Peter Jülich

Neuer Park für Frankfurt: Riesiger Spielplatz mit Röhrenrutsche, Holzpferden und Klettergerüst in Planung

Los geht’s am künftigen Hauptzugang, Ecke Niederräder Land- und Rennbahnstraße, neben dem Blumenkiosk, der noch bleiben kann, bis die maroden Gebäude drumherum abgerissen sind. Stehenbleiben soll nur ein ehemaliger Stall, und daneben, kündigt Susanne Gonsior-Hahmann vom Grünflächenamt an, entsteht eine Kinderfarm. Mit echten Tieren. Was für Tiere denn? „Alte Haustierrassen“, verspricht Filiz Kürbis, die das Ganze vereinsmäßig vorbereitet: „Schafe, Hühner, Kaninchen, Meerschweinchen…“ Da bleiben wir dran, demnächst mehr.

Aber jetzt weiter – zum Spielplatz. Es gibt eine Wahnsinns-Röhrenrutsche, mehrere Holzpferde und ein Klettergerüst in der Optik der Starterboxen von einst. Bezüge zur Historie des Geländes waren ausdrücklich gewünscht. Auch zur Natur. Das Ganze hier ist schließlich Landschaftsschutzgebiet Zone 1, das heißt: Die Natur hat Vorrang vor allem anderen, auch vor den Holzpferden und den Klettergerüsten (und was wir nachher noch alles erleben). Aber nun gelte es, Park- und Naturschutzbelange „zu verbrüdern“, sagt Sigurd Henne von der Planungsgesellschaft BHM, die alles mit ausgeheckt hat: „Wir wollen beidem gerecht werden.“

RENNBAHNPARK

150 Jahre lang, seit 1865, galoppierten Pferde auf der Rennbahn in Frankfurt-Niederrad um die Wette. Zur Eröffnungsfeier kam unter anderen der Prince of Wales (der damals noch nicht Charles hieß, auch wenn man sich das heute nicht mehr vorstellen kann).

Das letzte Rennen wurde 2015 gestartet. Die Auseinandersetzungen zwischen Stadt und Rennklub über das Ende der Rennbahn und den Bau des Leistungszentrums des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) au dem Gelände zogen sich bis 2019 hin.

In der Zwischenzeit lief bereits die Planung für einen Park an der Seite des Fußball-Neubaus mit breiter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger.
Etwa 1000 Menschen nahmen an einer Online-Umfrage zur Gestaltung der rund 18 bis 23 Hektar Fläche teil, die auf den Park entfallen. Die Karenz von fünf Hektar sind Erweiterungsfläche für den DFB im Bedarfsfall. Gewünscht wurden Flächen für Erholung, Kinderspiele und ganz nachdrücklich für Sport.

70 Prozent der Befragten gaben an, dass sie bei der Pflege und Instandhaltung des Parks mitmachen würden, etwa mit Baumpatenschaften, Pflanzaktionen, Spenden oder ganz praktisch beim Aufräumen.

Im Spätsommer 2022 soll der neue Park eröffnet werden – voraussichtlich im September.

Neuer Park in Frankfurt ohne Licht? Vogelarten und Insekten könnten verjagt werden

Und zwar ohne Beleuchtung. Darüber gab es im Verlauf der Bürgerbeteiligung Diskussionen. Gefährlich nachts, so ein dunkler Park. Aber: „Wir wollen doch Vögel“, sagt Rosemarie Heilig. „Wenn wir anfangen, hier zu beleuchten, verjagen wir Vogelarten und schaden Insekten. Ich finde, spielen und nachlaufen in der Dämmerung ist auch schön.“

Finden die Vögel auch. Drüben, beim DFB stehen allerdings Mega-Flutlichtmasten, gibt jemand zu bedenken. Ja, sagt DFB-Bauleiter Winfried Naß, der die Runde mitmacht, „aber das sind LED-Lampen der neusten Bauart, das Beste, was man bieten kann“.

Die sollen weder Mensch noch Insekt stören. „Die Flutlichtmasten locken immer noch Insekten an“, konkretisiert Volker Rothenburger, der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, „aber nicht so schlimm wie frühere Fabrikate“, und die Leuchten hätten Blenden, die das Licht gezielt auf die Fußballplätze leiteten.

Bäume im Park, dahinter das DFB-Leistungszentrum.
Bäume im Park, dahinter das DFB-Leistungszentrum. © Peter Jülich

Rennbahnpark bekommt Calisthenics-Anlage: Sportler aus Frankfurt wollen dort Meisterschaften austragen

Sicher kein Zufall, dass sich in dem Moment eine Biene auf der orangefarbenen Warnweste des FR-Reporters niederlässt. Botschaft angekommen – wir werden das gemeinsam im Auge behalten.

Jetzt aber weiter. Wir haben zwar noch Zeit, aber der Platz auf dieser Zeitungsseite wird schon langsam knapp, dabei gibt es noch so viel zu sehen. Eine große Calisthenics-Anlage etwa, im Workshop mit stark interessierten Aktiven erarbeitet, die dort sogar Meisterschaften austragen wollen.

Vor allem aber gibt es zu sehen: Sandmagerrasen, eine selten gewordene Landschaftsform, besonders mitten in Metropolen. Im Rennbahnpark wirkt sie wie eine endlose, hügelige Weite, und als Susanne Gonsior-Hahmann auch noch erzählt, dass hier Schafe weideten, nicht 1817, sondern in den vergangenen Jahren, dann wird einem ganz nach hierbleiben und Sonne genießen zumute.

Bürgerpark Süd
Der Bürgerpark Süd in der Infografik. © Redaktion

Neuer Bürgerpark-Süd in Frankfurt: Teichufer wird zu zwei Dritteln dicht mit Vegetation bewachsen sein

Das ist auch der Plan: dass die Menschen bleiben, Zeit vergehen lassen, auf wellenförmigen Sandsteinterrassen am Teich liegen, sogar durchs Gelände wandern und Trampelpfade anlegen – „aber nicht grillen!“, warnt Heilig. Die Menschen sollen den Park zu ihrem Park machen und dabei anerkennen, dass es sich um etwas ganz Besonderes handelt, mitten in der Stadt.

Das Teichufer wird zu zwei Dritteln dicht mit Vegetation bewachsen, dort also nicht zugänglich sein und einen „Balkon“ haben, auf dem man „Seeblick“ genießen kann. Der Bannwald zur Bundesstraße 43 hin bleibt Bannwald. Im Moment ist er braun. Im Juni wird er grün sein, falls irgendetwas auf der Welt bitte noch friedlich und würdig zugehen sollte.

Dann wird das Ganze noch schöner – und dann ist der DFB mit seinem Teil fertig, schockt Winfried Naß die Versammlung. Im Juni schon? Aber der Park ist doch erst im September…

Vieles im Park soll an die Rennbahn erinnern. Was könnte das sein?
Vieles im Park soll an die Rennbahn erinnern. Was könnte das sein? © Peter Jülich

Rennbahnpark in Frankfurt: „Jedes Kind träumt davon, einen Riesensandspielkasten zu haben“

Die Natur stört das nicht, wenn sie noch ein bisschen mehr Zeit hat. „Jedes Kind träumt davon, einen Riesensandspielkasten zu haben“, spricht Planer Sigurd Henne aus Erfahrung und Kindern aus der Seele mit Blick auf weite, noch unbewachsene Dünen. „Wir wollen, dass die Menschen das hier interpretieren. Eine Naturschutzsandwüste, die sich langfristig entwickelt.“

Ein „enkelfähiger Park“ soll es werden, sagt Rosemarie Heilig. Was noch zu erwähnen ist: 5,4 Millionen Euro kostet das Projekt, teilweise vom DFB finanziert. Gastronomie in Form von Foodtrucks, also mobilen Schnellimbissen, soll den Parkrand an der Niederräder Landstraße säumen, wenn dort der alte Pferdestall abgerissen ist. Videoüberwachung wird installiert. Das vor Jahren errichtete Luxushotel chinesischer Investoren am Rennbahnrand steht übrigens immer noch leer. Es wäre ein ganz hervorragender Ort, um ukrainische Flüchtlingsfamilien unterzubringen. (Thomas Stillbauer)

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