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In der Grünen Lunge wurden einige Baumhäuser errichtet, die zum Teil bleiben sollen.
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In der Grünen Lunge wurden einige Baumhäuser errichtet, die zum Teil bleiben sollen.

Grüne Lunge

„Ein Erfolg der sozialen Bewegungen“

  • Timur Tinç
    VonTimur Tinç
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Aktivist Alexis Passadakis über die Entscheidung der neuen Römer-Koalition Wohnungen nur auf versiegelten Flächen im Nordend zu bauen, Gestaltungsmöglichkeiten bei den Grünflächen und Protestformen.

Herr Passadakis, haben Sie schon einen Blick in den Entwurf des Koalitionsvertrags von Grünen, SPD, FDP und Volt werfen können?

Es ist ein ziemlich dickes Paket geworden. Aber ja, ich habe ihn fast komplett durchgelesen.

Die Grünen haben sich durchgesetzt und die Günthersburghöfe werden nur auf bereits versiegelten Flächen gebaut. Ist jetzt alles gut?

Es ist ein großer Erfolg der Akteurinnen und Akteure, die dort lange Zeit und sehr intensiv an diesem Thema gearbeitet und Protest auf die Straße getragen haben. Der Hauptkonflikt ist damit zu unseren Gunsten entschieden und zulasten der letzten Koalition, der ABG und der Instone Real Estate im Besonderen. Es ist aber nicht so, dass sich die politische Dynamik um dieses Thema erschöpft hätte.

Wie meinen Sie das?

Es stellt sich nun die Frage, wie die Zukunft dieser unversiegelten Flächen ganz konkret aussieht. Wer gestaltet die? Wie geht es da weiter?

zur person

Alexis Passadakis ist Sprecher der Kampagne „Grüne Lunge bleibt – Instone stoppen!“. Er ist Politikwissenschaftler und aktiv in der bundesweiten AG Energie, Klima, Umwelt von Attac und kandidierte für die Linken bei den Wahlen in Frankfurt.

Im Koalitionsvertrag steht, dass Bürger:innen und Initiativen bei der Neuplanung der Grünflächen mit eingebunden werden sollen. Das klingt doch erst einmal so, wie Sie sich das vorstellen, oder?

Das klingt erst mal gut. Wir haben immer deutlich gemacht, dass wir eine gemeinsame neue Planung des Areals brauchen. Wichtig ist, dass man jetzt Gestaltungsmöglichkeiten erhält, sprich: die Stadt Frankfurt an Eigentümerinnen und Eigentümer herantritt und entsprechende Flächen erwirbt. Nur dann hat man die Möglichkeit, gemeinschaftlich und demokratisch zu planen. Wir hoffen, dass der Schutz der Biodiversität, die urbane Landwirtschaft und die soziokulturellen Aktivitäten Schritt für Schritt demokratisch realisiert werden können.

Ihre Initiative fordert, dass auf den bereits versiegelten Flächen ausschließlich bezahlbarer Wohnraum in ökologischer Bauweise entstehen soll. Die Koalition hat sich darauf geeinigt, dass die ABG 60 Prozent geförderte Wohnungen bauen muss. 100 Prozent dürfte schwierig werden.

Es wurde ja immer gesagt, unter anderem von Planungsdezernent Mike Josef, dass das Nordend einen markanten Mangel an bezahlbarem Wohnraum aufweist. Über dieses Argument hat er versucht, das Projekt Günthersburghöfe im Nordend durchzusetzen. Da sagen wir, wenn dieser Mangel so eklatant ist – und das ist er –, dann sollte man die Gelegenheit beim Schopfe packen und dort zu 100 Prozent bezahlbaren Wohnraum bauen. Gleichzeitig ist klar, dass auch die Erhöhung des Anteils an bezahlbarem Wohnraum für neue Baulandbeschlüsse ein Erfolg von sozialen Bewegungen in der Stadt ist.

Als eine Protestform haben Sie vor einigen Wochen Baumhäuser gebaut. Wie lange wollen Sie dort drinbleiben?

Nach diesem politischen Erfolg gibt es nun erst einmal einen Diskussionsprozess, wie es weitergeht. Viele wünschen sich, dass ein Teil der Baumhäuser bleibt, da die „Grüne Lunge“ auch ein soziokultureller genutzter Ort ist. Dazu gehören auch Elemente einer Protestkultur, wie sie sich im Hambacher und im Dannenröder Wald entwickelt hat. Sie sind eine Infrastruktur, um sich zu versammeln, zu planen und vor allem Fertigkeiten zu erlernen, zu vermitteln und weiterzuentwickeln. Wie auch für urbane Landwirtschaft ist die „Grüne Lunge“ bereits in vielerlei Hinsicht ein Experimentierfeld für sozialökologische Transformation angesichts der Klimakrise.

Interview: Timur Tinç

Alexis Passadakis.

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