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Ein Dino-Geist bei Senckenberg in Frankfurt

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Von: Thomas Stillbauer

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Da hält sogar der T.rex still: „Dinodoktor“ Marcel Walldorf trägt die weiße Grundierung auf.
Da hält sogar der T.rex still: „Dinodoktor“ Marcel Walldorf trägt die weiße Grundierung auf. © Monika Müller

Der Tyrannosaurus rex wird frisch gestrichen – an diesem Samstag steht er als Gespenst seinen Fans Modell.

Die Einen sagen, er sei blass. Da haben sie sicher recht. Die Anderen machen ein geheimnisvolles Gesicht und raunen: Das sei nicht der Tyrannosaurus rex – das sei der Geist des Tyrannosaurus rex! Er schleiche durchs Westend und jage die Geister der Nerze in den Schränken der Bewohner:innen!

Unsinn. Die Wahrheit kennt Marcel Walldorf am besten, denn er hat den T. rex weiß gemacht. Der Künstler macht ihn dann aber wieder farbig. „Das Weiße ist Epoxid für die Grundierung“, sagt er, „das flickt auch gleich die Risse in der Haut.“ Der Dino hat einiges durchlitten, seit er vor 66 Millionen Jahren ausstarb und trotz allem 2002 die Senckenberganlage eroberte. Sanierung und neuer Anstrich seien dringend vonnöten gewesen, sagt Senckenberg-Projektleiter Philipe Havlik.

Bei den Kosten, gut 10 000 Euro, half die Offenbacher Privatstiftung Mann, und so konnte sich Walldorf in dieser Woche dem gut vier Meter hohen und 13 Meter langen Theropoden per Hubsteiger nähern: erst abschleifen, dann grundieren, schließlich neu kolorieren. Im Zuge der Intensivbehandlung wird sich T.rex äußerlich verändern. Nicht so, wie es manche Fußballfans forderten: mit einem permanent aufgemalten Eintracht-Trikot, damit sich nicht wiederholt, was 2013 passierte: Da klaute jemand das Trikot, das dem Dino angepasst worden war. Nein, der Noch-Geist wird künftig mehr ins Braune tendieren, mit Streifen. Das komme dem Original näher, sagt Havlik. Genau wisse niemand, wie seine Haut aussah, aber: „Auch T.rex wollte sich tarnen.“ Obwohl er im Sprint auf 30 km/h kam: Die Beute war oft schneller. „Er musste sich anschleichen.“

Zurück zur Kunst. Marcel Walldorf hat an der Hochschule für Gestaltung (HfG) studiert und macht hyperrealistische Kunstwerke, wenn er nicht gerade Dinos restauriert wie zuvor schon den Diplodocus auf der anderen Straßenseite vor dem Senckenberg-Museum. „Eine große Anerkennung für mich“, sagt er zu dem Projekt. Seit der Kindheit fühlt er sich dem Naturkundemuseum verbunden. Bei der Arbeit freut er sich, wie viele Menschen stehenbleiben, fotografieren und Fragen stellen. Er schätzt auch den Nachhaltigkeitsaspekt: „Wir kümmern uns hier um den Dino-Opa und gönnen ihm eine Verjüngungskur.“ Der sei übrigens eine Dino-Oma, verrät Havlik: dem Skelett Sue nachgebildet, das im Naturhistorischen Museum von Chicago steht. „Ein Weibchen? Das macht mir die Sache noch sympathischer“, sagt Marcel Walldorf.

Der Weiße Dino-Geist hat am heutigen Samstag Anstrichpause; dann können seine Fans in Ruhe fotografieren. Von Sonntag an kommt Farbe drauf, am Mittwoch soll T.rex schöner sein als je zuvor.

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