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Die Demoteilnehmer und -teilnehmerinnen zogen vom Kaisersack bis zum Römerberg.
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Die Demoteilnehmer und -teilnehmerinnen zogen vom Kaisersack bis zum Römerberg.

Frankfurt

Ein bunter Zug durch Frankfurt

  • Timur Tinç
    VonTimur Tinç
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600 Teilnehmende bei Vielfalt am Main. Der Frankfurter Jugendring fordert mehr Räume für alle in der Stadt. Gedenkminute für Esther Bejarano am Römerberg.

Hey, hey, hey“: Vom Kaisersack bis zum Römerberg schallt der Ruf der Tanzgruppe von Puerta del Sol auf den Straßen Frankfurts. Zu lateinamerikanischen Klängen tanzen rund 20 Mitglieder des bolivianischen Vereins eineinhalb Stunden in vorderster Reihe des Demonstrationszugs „Vielfalt am Main“, organisiert vom Frankfurter Jugendring (FJR). „Frankfurt ist eine bunte und vielfältige Stadt“, sagt Norah Becerra, Mitgründerin von Puerta del Sol. Es sei zwar kleiner als früher, aber für sie stand außer Frage, dass Bolivien wieder dabei ist. Mit früher meint sie die Parade der Kulturen, die von 2001 bis 2018 durch Frankfurt zog.

Turgut Yüksel, Landtagsabgeordneter der SPD und langjähriger Bildungsreferent im Jugendring, bedauert, dass der Name geändert wurde. „Das war eine Marke über Frankfurt hinaus“, findet er. Der Name war aber aus Sicht des Vorstands des FJR nicht mehr zeitgemäß. „Wir haben mit der Parade der Kulturen Menschen mit Behinderungen, Senioren oder die LGBTQI-Community nicht abgebildet“, erläutert Yassine Chaikhoun, Vorsitzender des FJR, der in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert. Außerdem hätten einige Jugendverbände gesagt, sie fühlten sich zu deutsch für die Veranstaltung. „Wir haben deswegen gesagt, wir würden es gerne politischer haben und nicht nur eine Tanz- und Spaßveranstaltung sein“, sagt der FJR-Vorsitzende.

Das scheint am Samstag aber bei den allermeisten der rund 600 Teilnehmenden nicht angekommen zu sein. Nach der Ankunft am Römerberg stehen die Gruppen unter sich, den Reden auf der Bühne wird fast keine Beachtung geschenkt. Die Mitglieder von Hare Krishna verschenken Rosen oder versuchen, ihre Bücher unters Volk zu bringen. „Sind Sie Vegetarier?“, fragt ein Senior in Sandalen einen jungen Mann, der gerade telefoniert.

Die indonesischen und bulgarischen Folkloregruppen machen Gruppenfotos. Nur die Omas gegen rechts hören aufmerksam zu. „Die AfD gefährdet unsere Demokratie“, sagt Angelika Steinschulte.

Die Veranstaltung am Römerberg beginnt mit einer Schweigeminute für Esther Bejarano. Die Holocaustüberlebende ist im Alter von 96 Jahren am Samstagmorgen gestorben. Auf der Bühne fordert Chaikhoun von der Stadt mehr Räume für alle Frankfurterinnen und Frankfurter, mehr Gestaltungsmöglichkeiten und mehr politische Teilhabe.

Integrations- und Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) sagt: „Es ist wichtig, dass sich die Verantwortlichen nicht ausruhen.“ Die Stadt habe sich mit ihrem Aktionsplan gegen Rassismus klar positioniert und dies zur obersten Priorität erklärt. „Es macht uns Mut, dass wir nicht alleine sind und dass es Unterstützung und Solidarität in der Stadt gibt.“ Allerdings müsse man anerkennen, dass die Lebensbedingungen nicht überall gleich seien „und dass es viele Menschen gibt, die Rassismus und Diskriminierung erfahren, die Opfer von Homo- und Transfeindlichkeit oder Sexismus sind“, sagt Weber.

Meron Mendel, der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, erinnert in seiner Rede an den Einsatz von Bejarano gegen rechts, gegen Rassismus, gegen Antisemitismus und für Toleranz. „Esther hat gesagt: ‚Ich werde hier singen, bis es keine Nazis mehr in Deutschland gibt‘“, erzählt Mendel.

Sie habe es leider nicht geschafft. Es gebe noch jede Menge Nazis in Frankfurt, in Deutschland und im Bundestag. „Wir müssen hier in Frankfurt und überall eine bunte Flagge und eine Flagge der Vielfalt nach der Botschaft von Esther hissen“, fordert Mendel.

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