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In den trockenen Sommern müssen auch die Beete im Palmengarten immer wieder bewässert werden.
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In den trockenen Sommern müssen auch die Beete im Palmengarten immer wieder bewässert werden.

Interview

„Ein Brauchwassernetz in ganz Frankfurt wird es nicht geben“

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) über den Mangel an Trinkwasser, Notstände und den Umgang mit Swimmingpools.

Im Sommer könnte das Wasser knapp werden. Darauf hat Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) jüngst hingewiesen und unter anderem einen „Trinkwasser-Cent“ ins Gespräch gebracht.

Frau Heilig, müssen wir uns in Frankfurt Sorgen um unser Trinkwasser machen?

Wir müssen dafür Sorge tragen, dass die Trinkwasserversorgung auch in der Zukunft gesichert ist. Deshalb müssen wir dringend die Betriebswasser- beziehungsweise Brauchwassernutzung ausbauen, dazu gehört auch die Sanierung und der Ausbau von Wasserwerken sowie nachhaltige Sicherung der Wasserschutzgebiete und Optimierung des Trinkwasserleitungsnetzes.

Sie haben im Stadtparlament von einer dramatischen Lage gesprochen und von einer Krise, auf die wir zurasen. Wie ernst ist die Situation beim Wasser?

Meine Aussage im Stadtparlament bezog sich auf die Tatsache, dass der Grundwasserspiegel aufgrund der langen Dürreperioden in den vergangenen drei Jahren dramatisch abgesunken ist und wir damit rechnen müssen, dass uns das Regierungspräsidium eine weitere Entnahme verwehren könnte.

Im Frühjahr hat es doch viel geregnet – nicht genug?

Es wäre gut, wenn wir mal wieder normale Sommer hätten. Also Sommer, in denen auch Niederschläge fallen und keine Sommer, in denen es von April bis November keinen Tropfen regnet, so wie 2019. Der Regen, der in diesem Frühjahr gefallen ist, hat zwar zu keiner Entwarnung für den Wald geführt, aber wir beobachten, dass die von uns gepflanzten Setzlinge gut anwachsen und auch die Naturverjüngung gedeiht.

Was auch dringend nötig ist.

Doch zu einem Anstieg des Grundwassers haben diese Niederschläge nicht beigetragen. Im Vergleich zum langjährigen Mittel im Rhein-Main-Gebiet sind wir auf einem sehr niedrigen Niveau. Entsprechend wird entscheidend sein, wie warm und trocken die nächsten Jahre ausfallen. Erinnern Sie sich, 2003 hatten wir das letzte Mal ein ausgeprägt nasses Jahr. Normalerweise schwanken wir zwischen trockenen und nassen Jahren. Das haben wir lange nicht erlebt und das ist beunruhigend.

Was kann Frankfurt denn tun?

Frankfurt am Main hat als die Kommune mit dem höchsten Trinkwasserverbrauch im Rhein-Main-Gebiet und damit verbundenen überregionalen Zulieferungen – vor allem aus dem Hessischen Ried und dem Vogelsberg – eine besondere Verantwortung.

Darüber gibt es regelmäßig Klagen der Partnergemeinden.

Das ist uns bewusst. Wir arbeiten deshalb an einem kommunalen Wasserkonzept. Hierin werden wir Maßnahmen definieren, die wir brauchen, um die Wasserversorgung langfristig zu sichern. Zum Beispiel Maßnahmen wie den Ausbau der Brauchwassernutzung. Im Stadtgebiet gibt es inzwischen 26 Entnahmestellen an Flüssen zur Bewässerung von Straßenbäumen, Parks und Friedhöfen. Das spart Trinkwasser, und diese Nutzung von Brauchwasser soll in Zukunft weiter ausgebaut werden. Außerdem ist die Stadt an Forschungsprojekten beteiligt, sie sich mit den Möglichkeiten von Regen- und Brauchwassernutzung beschäftigen.

Die Rede ist davon, Mainwasser versickern zu lassen. Ist es technisch machbar, aus dem dreckigen Flusswasser tatsächlich Trinkwasser zu machen?

Ja, das ist möglich und das geschieht heute schon. So wird durch das Versorgungsunternehmen Hessenwasser in der Aufbereitungsanlage in Niederrad Flusswasser aufbereitet und in speziellen Infiltrationsanlagen im Frankfurter Stadtwald versickert. Nach der Passage durch den Boden wird dieses Wasser dann wiederum als Trinkwasser gefördert. Im Jahr 2018 wurden hier 2,3 Millionen Kubikmeter versickert. Dies wollen wir in den nächsten Jahren ausweiten. Auch weil das aufbereitete Wasser direkt als Brauchwasser für Bewässerung und andere Zwecke, die keine Trinkwasserqualität benötigen, genutzt werden kann.

An den heißen Tagen hat man wieder verstärkt gesehen, dass durchaus große Swimmingpools in Gärten aufgestellt werden. Ist das noch zeitgemäß?

Nein, das ist alles andere als zeitgemäß. Bei Temperaturen wie in der letzten Woche kann ich verstehen, dass sich viele nach einem Bad im Pool sehnen. Aber es ist unverantwortlich, mit dem kostbaren Trinkwasser fahrlässig umzugehen. Leider ist vielen Bürger*innen nicht bewusst, dass Wasser eine wertvolle und nicht unbegrenzt verfügbare Ressource ist. Es kommt ja einfach aus den Hahn gesprudelt, ist immer da und jederzeit verfügbar.

Wie wollen Sie dem Missbrauch begegnen?

Als Stadt liegt unsere höchste Priorität darauf, die Menschen mit Wasser zum Trinken, Kochen und Waschen zu versorgen. Ich würde mir aber wünschen, dass wir alle lernen, mit dieser Ressource bewusster und damit auch sparsamer umzugehen und zu überlegen, wo jeder und jede selbst Wasser sparen kann. Wir denken gerade über eine Kampagne nach, um genau dafür Tipps zu geben und zu sensibilisieren. Vielleicht installieren wir auch eine „Wasserampel“ , die anzeigt, wann es ratsam ist, den Verbrauch zu drosseln oder wir initiieren einen allgemeinen Wasserspartag.

Sollten Swimmingpools und das Autowaschen mit Trinkwasser generell verboten werden?

Wir brauchen klare Regeln für die Nutzung von Wasser. Denn Einschränkungen und Verbote der Trinkwassernutzung sind nur unter bestimmten Bedingungen rechtlich möglich. Eine Kommune kann bei der Gefährdung der öffentlichen Wasserversorgung einen Wassernotstand ausrufen.

Hatten wir aber bisher noch nicht, oder?

In Frankfurt war das bislang auch an den extrem heißen Tagen mit einem sehr hohen Trinkwasserverbrauch zum Glück noch nicht der Fall. Anders als übrigens im Taunus, dort wurde das in den letzten Sommern gemacht, und Königstein hat ganz aktuell wieder den Wassernotstand ausgerufen. Aber noch einmal: Wir sollten alle sorgsamer mit Wasser umgehen, damit wir erst gar nicht einen Wassernotstand ausrufen müssen.

Gibt es eigentlich eine Zisternenpflicht für Menschen mit eigenem Haus?

Nein, bisher nicht. Das wollen wir aber prüfen. Es gibt bereits Kommunen, die bei Neubauten mit einer bestimmten Größe den Bau von Regenwasserzisternen vorschreiben.

Wie weit sind die Pläne für ein Brauchwassernetz?

Ein eigenständiges Brauchwassernetz in ganz Frankfurt wird es nicht geben können. Das wäre unverhältnismäßig teuer und extrem aufwendig zu bauen wegen der notwendigen Leitungsverlegungen und der hiermit verbundenen baulichen Schwierigkeiten. Zudem lässt sich so ein Netz nur mit einer eindeutigen und ausreichenden Anzahl an Abnehmern sinnvoll planen.

Gibt es die nicht?

Vor allem da für die Nutzung von Brauchwasser in Bestandsgebäuden ein zweites Leitungssystem zu installieren ist, sind die Wasserbedarfe gar nicht sicher abzuschätzen. Zukünftig ist daher vielmehr die dezentrale Anlage von Brauchwassersystemen bei großen Neubaugebieten, Parks o.ä. anzustreben.

Interview: Thomas Stillbauer

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