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Blumen als Zeichen der Trauer.
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Blumen als Zeichen der Trauer.

Goetheturm

"Ein Angriff auf das Herz der Stadt"

  • Nadine Benedix
    VonNadine Benedix
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Hunderte pilgern am Wochenende zum abgebrannten Goetheturm, um sich zu verabschieden. Die Wut auf den möglichen Brandstifter ist groß.

Ingrid Hilmer kann es noch immer nicht fassen. Traurig betrachtet sie die verkohlte Ruine am Rande des Stadtwaldes. Hier ragte bis Mittwochnacht noch der 43 Meter hohe Goetheturm in die Höhe. „Als ich von dem Brand in der Zeitung las, hatte ich Tränen in den Augen“, sagt die Rentnerin, die in Frankfurt geboren und aufgewachsen ist.

„Als Frankfurterin war der Turm ein Teil meines Lebens“, sagt sie. Schon als Kind sei sie zum Turm gegangen, später habe sie dann ihre Kinder und Enkelkinder hergebracht. „Ich bin schon immer mit meiner Großmutter hergekommen, die hat direkt nebenan im Wendelsweg gewohnt.“

Der Goetheturm gehört für die Menschen hier zu Frankfurt wie der Eiffelturm zu Paris. „Das war ein Angriff auf die Frankfurter mitten in das Herz der Stadt“, sagt auch die Frankfurterin Marie Luise Bernardi. 1931 wurde der Turm vollständig aus Holz erbaut. Er gilt bis heute als das Frankfurter Ausflugsziel schlechthin, um ihn herum bieten das Restaurant „Goetheruh“ und ein Abenteuerspielplatz für Kinder das volle Unterhaltungsprogramm.

Um ihre Betroffenheit zu zeigen und ihre Neugier zu befriedigen, strömen am Wochenende Hunderte zum Stadtwald und betrachten den verkohlten Steinsockel. Bei einem auf dem Sozialen Netzwerk Facebook angekündigten Goetheturm Gedenkspaziergang bekunden rund 1000 Menschen ihr Interesse.

Wut über Brandstifter 

Auch Familie Schürrmann ist gekommen, um Abschied zu nehmen. Kathrin Schürrmann nahm ihren heute knapp zwei Monate alten Sohn Yunus schon zehn Tage nach seiner Geburt am 2. August mit auf den Turm. „Ich bin froh, dass er das so noch einmal sehen konnte“, sagt die junge Mutter, die mit ihrem Mann Firat Yildirim in Sachsenhausen wohnt.

Dass man das Bauwerk wieder errichten solle, darüber sind sich alle einig. Trotzdem: Selbst wenn man den Turm wieder aufbaue, sei das nicht mehr das Gleiche. „Es wird ja überlegt nun auch Aufzüge zu bauen“, berichtet Marie-Luise Bernardi. Das sei zwar praktisch, habe aber mit dem historischen Holzturm nicht mehr viel zu tun.

Die Wut auf den möglichen Brandstifter ist deshalb groß. „Jemand der so etwas tut, muss vollkommen verrückt sein“, sagt Ingrid Hilmer. Bernardi fügt hinzu: „Und eine große Wut auf Frankfurt gehabt haben.“

Viele fordern eine harte Bestrafung für den möglichen Schuldigen. Der 74-jährige Harald Kitner will den Sünder gar vor ein Bürgertribunal stellen. „Er soll von den Frankfurtern hart bestraft werden.“

Der vier Jahre alte Johan kann sich indes gar nicht erklären, weshalb jemand so etwas tun sollte. „Vielleicht ist das ja aus Versehen passiert“, meinte er und ist froh, dass der Wald sonst keine größeren Schäden davon getragen hat.

Darüber freut sich auch Zoran Jankovic, von der benachbarten Gaststätte Goetheruh. „Das Ganze ist unerklärlich und dramatisch“, sagt er. Sein Restaurant habe allerdings keinen Schaden erlitten. Auch über einen Besucherrückgang macht er sich keine Sorgen. „Dieses Wochenende haben wir erstmal Hochbetrieb“, berichtet er.

Wie es überhaupt zu dieser Tat kommen konnte, ist auch für ihn rätselhaft. „Wir haben am Abend alles abgeschlossen. Der Täter muss sehr sportlich sein und am Geländer hochgeklettert sein“, mutmaßt Zoran Jankovic.

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