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Joachim Valentin (links) scheint die Plakette, die ihm der Oberbürgermeister überreicht, zu gefallen.

Haus am Dom

Ehrenplakette für Joachim Valentin - Danksagung mit Spitzen

Der Leiter des Hauses am Dom, Joachim Valentin, bekommt die Auszeichnung der Stadt Frankfurt - und hält eine peppige Rede.

Danksagungen für Preise sind oft eine langweilige Angelegenheit. Nicht so, wenn der Geehrte Joachim Valentin heißt. Der 54 Jahre alte Theologe, der 2005 das Haus am Dom gründete und die Einrichtung seitdem leitet, bekam am Donnerstag im Römer die Ehrenplakette der Stadt verliehen.

Valentin dankte brav Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der ihm die Plakette überreichte, seinen Eltern und seinen Mitarbeitern, die er im Kaisersaal aufstehen ließ, was einem Teil der Belegschaft etwas peinlich zu sein schien. Er sprach aber auch über die Menschen, „denen ich nicht danken kann“. Namentlich erwähnen wollte er diese Personen nicht. Gemeint waren aber Menschen, die der Eröffnung des Hauses am Dom nicht positiv gegenüberstanden. Man gebe für die Einrichtung viele Millionen Euro an Kirchensteuer aus und orientiere sich mit dem Programm doch ohnehin nur an der Oberschicht, sei damals von einigen Menschen in der Stadtgesellschaft geätzt worden, so Valentin.

Nicht so von Ernst Gerhardt. Auch dem früheren Stadtkämmerer, der vor wenigen Wochen seinen 98. Geburtstag feierte, dankte Valentin. Es sei immer klar gewesen, dass der Erwerb der Immobilie in „Toplage“ kein Selbstläufer würde. Gerhardt habe „entscheidend zum Zustandekommen des Deals beigetragen“.

Und dann gibt es noch die Leute, denen Valentin in Zukunft danken möchte, wenn er sie denn erst einmal kennengelernt hat. Der Theologe machte keinen Hehl daraus, dass er in manchen Fragen zur neuen Altstadt, die direkt hinter seinem Haus beginnt, Gesprächsbedarf mit der Stadt sieht. Dabei geht es etwa um Zufahrtswege und die Müllentsorgung. „Wir freuen uns darauf, wenn sich die Stadt geeinigt hat, wer für die Altstadt zuständig ist“, sagte er leicht süffisant.

Von seiner Auszeichnung habe er zuerst aus dem Internet erfahren. Dort entdeckte er unter dem Stichwort Ehrenplakette der Stadt Frankfurt eine Liste mit Namen, auf der auch seiner stand. Weil er sich aber nicht habe vorstellen können, was er mit einer Ehrenplakette zu tun habe, habe er den Zufallsfund im Internet schnell vergessen. Das kann man glauben oder es für eine sehr nette, aber stark zugespitzte Anekdote aus Höflichkeit halten. Jedenfalls habe ihn tagsdrauf der Oberbürgermeister angerufen und über die anstehende Ehrung informiert.

Feldmann würdigte das Haus am Dom als „zentralen politischen Diskursort“ in der Stadt. Die Einrichtung sei für den gesellschaftlichen Zusammenhalt immens wichtig. Und die Fakten – 80.000 Besucher bei 400 Veranstaltungen pro Jahr – zeigten, wie sehr sich das Haus etabliert habe.

Das hätten die Menschen, denen Valentin nicht danken konnte, vermutlich nicht erwartet.

Von Georg Leppert

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