+
Edzard Reuter, Sohn des Namensgebers der Ernst-Reuter-Schule, im Schultheater, wo es eine Ausstellung zur Zeitgeschichte gibt.

Schulen in Frankfurt

Schüler feiern mit Edzard Reuter

  • schließen

Vor 50 Jahren wurde die Ernst-Reuter-Schule im Frankfurter Stadtteil Niederursel nach dem ehemaligen Berliner OB benannt. Der Sohn des Namensgebers, der frühere Daimler-Chef Edzard Reuter, kommt zum Fest.

Der Namensgeber ist am Donnerstag in allen Köpfen und auf vielen Kunstwerken zu sehen. Vor 50 Jahren wurde die Ernst-Reuter-Schule (ERS), die heute aus einer Integrierten Gesamtschule (ERS II) mit gymnasialer Oberstufe (ERS I) besteht, nach dem ehemaligen Berliner Oberbürgermeister benannt. Mehrere hundert Gäste sind am Nachmittag ins Schultheaterstudio gekommen, um dieses Jubiläum zu feiern. 

Die Schüler haben sich in den Wochen zuvor intensiv mit dem verstorbenen SPD-Politiker (1889 – 1953) auseinander gesetzt – biographisch, historisch und künstlerisch. Ihre Ergebnisse stellen sie den Gästen, darunter ehemalige Lehrer und Schüler, im Erdgeschoss und im ersten Stockwerk des Theaterstudios vor. „Sie können in den Kopf von Ernst Reuter schauen“, berichtet Hakim. Der 13-Jährige hat mit der Theatergruppe der Schule eine große Pappmaché-Kugel gebastelt, auf die ein Foto des Politikers projiziert wird. Gäste können ihren Kopf in die Kugel, die unten offen ist, stecken und bekommen Zitate Reuters vorgespielt sowie Gedanken der Schüler zu Reuter, der die Hauptstadt in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg regiert hat.

Inspiriert von den Aussagen Reuters zu Frieden und Freiheit haben Schüler Plakate gestaltet. Der zwölfjährige Rameen schreibt: „Um in Freiheit leben zu können, braucht jeder Mensch einen Freiraum“, und weiter: „Dieser kann durch Regeln und Gesetze erhalten bleiben, damit ein freies Miteinander bestehen kann, ohne in Krieg oder Chaos zu enden“. Der stellvertretende Schulleiter der ERS II, Thorsten Singer, sagt: „Wir setzen uns regelmäßig damit auseinander, was Ernst Reuter für uns bedeutet“. Er habe Werte wie das Recht auf „freie Meinungsäußerung“ sowie „demokratische Strukturen“ vertreten. 

Edzard Reuter begeistert vom Engagement der Schüler

In dem fächer- und stufenübergreifenden Projekt „Demokratie lernen“ befassten sich Schüler auch mit dem historischen Kontext, in dem Reuter gewirkt habe. Kayra und Anouar haben mit ihren Klassenkameraden ein Modell des Berliner Reichstagsgebäudes nachgebaut. Die Rede Reuters an die „Völker der Welt“ vom 9. September 1948 am Reichstag habe Kayra am meisten beeindruckt. „Er hat so viel für die Menschen gemacht“, sagt die Elfjährige. 

Zwar hätten die beiden Schüler schon vorher gewusst, dass Reuter Berliner Oberbürgermeister gewesen sei, jedoch nicht, dass in seine Amtszeit die „Berliner Blockade“ gefallen sei, in der so genannte „Rosinenbomber“ die Stadtbewohner mit Nahrung versorgten, berichtet Anouar. Auch, dass Reuter wegen seines politischen Engagements während des NS-Regimes zweimal in einem Konzentrationslager inhaftiert worden sei, habe der Zehnjährige gelernt. Seine Mitschüler haben deshalb eine Installation aus gestreiften KZ-Häftlings-Anzügen gestaltet.

„Ich bin begeistert von dem Engagement der jungen Leute“, sagt der frühere Daimler-Chef Edzard Reuter, Sohn von Ernst Reuter, der aus Stuttgart zu der Feier angereist ist. „Den Heranwachsenden ist anzumerken, dass sie sich reingehängt haben“, sagt der 90-Jährige. Die Schüler seien „aufgeschlossen und interessiert bei der Sache gewesen“. Währenddessen zeigt eine Gruppe von Schülern eine Tanzperformance. Als Masken tragen das Gesicht Ernst Reuters.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare