+
Franziska Harvey zeigt ihrem Enkel, wie ein Muffelmonster auf Papier entsteht.

Frankfurt-Eckenheim

Frankfurterin hat hunderte Kinderbücher illustriert

  • schließen

Franziska Harvey aus Frankfurt-Eckenheim nutzt dafür aus Prinzip keinen Computer.

Knapp 300 Bücher stehen im Regal von Franziska Harvey. Das ist erst einmal nichts Ungewöhnliches, es gibt sicher Menschen, die wesentlich mehr Lesestoff zu Hause haben. Aber: Franziska Harvey hat all diese Bücher selbst illustriert. Das macht sie seit nunmehr 16 Jahren – und ein Ende ist vorerst nicht in Sicht.

Wer Harvey in ihrem Atelier in der Feldscheidenstraße besucht, der gerät schnell ins Staunen. Die Handgriffe sitzen, in kaum zu verfolgender Geschwindigkeit fliegt der Stift über das Papier, innerhalb weniger Minuten sind die Figuren zu erkennen. Eine davon ist das sogenannte Muffelmonster. „Das ist definitiv eine meiner Lieblingsfiguren“, sagt Harvey.

Zu ihr kam sie ganz banal durch den Auftrag eines Verlags. Der Arena-Verlag aus Würzburg war vor etwa zehn Jahren auf der Suche nach einer Illustratorin für die Geschichte des Muffelmonsters, die ihnen die Kinderbuchautorin Julia Boehme angeboten hatte. Dabei geht es um ein schlecht gelauntes Monster, das der kleine Moritz im Schrank entdeckt. Je mehr dieser unternimmt, die schlechte Laune zu vertreiben, desto weniger sichtbar wird sein Begleiter.

Nun sind zehn Jahre vergangene, aus dieser einen Geschichte sind drei weitere Bilderbücher und ein Erstlesebuch geworden. Am 18. Juni erscheint die erste längere Geschichte, bei der das Monster auf Klassenfahrt geht.

„Dieses Schlechte-Laune-Tierchen mag ich einfach“, sagt die 1968 in Frankfurt geborene Harvey, die auch in Buenos Aires aufgewachsen ist. „Es ist schwarz, struppig und nicht ganz so lieb.“ Damit bildet es einen Gegensatz zu den meisten anderen Figuren, die Harvey zeichnet. Denn dazu zählen vor allem Prinzessinnen und Einhörner.

Für zahlreiche Verlage  gearbeitet

Für zahlreiche Verlage hat sie schon gearbeitet, hat die Bilder zu Reihen wie „Nele“, „Ponyherz“ oder „Vier zauberhafte Schwestern“ gestaltet. Steht ein komplett neuer Auftrag an, „dann entstehen die ersten Zeichnungen in der Wohnung, im Schlafanzug, auf der Couch, ganz gemütlich“, sagt die studierte Grafikdesignerin. Mit den Entwürfen geht es dann runter ins Atelier, wo sie auch an ihren gewohnten Figuren wie dem Muffelmonster arbeitet. Oft und gerne acht Stunden am Tag.

Im ersten Schritt wird schnell gezeichnet, „das Monster kann ich mittlerweile quasi im Schlaf“. Diese Skizze aus Bleistift wird dann auf festeres Papier übertragen, dieses am zweiten Schreibtisch mit Tusche, Aquarell und weichen Buntstiften zur Reinzeichnung gebracht. Hier und da noch etwas Schatten, zwei, drei Korrekturen, dann geht das fertige Werk an den Verlag.

Was beim Blick durch das Atelier durchaus positiv auffällt: Abgesehen von einem Leuchtpad, um die erste Skizze auf das festere Papier zu übertragen, findet sich dort kein digitales Gerät. „Ich arbeite ausschließlich analog“, sagt Harvey, die ihr Atelier seit vier Jahren in Eckenheim hat. „Alles andere kann ich nicht. Und will ich auch nicht.“

Dabei lehnt sie die Illustrationen auf dem Computer gar nicht ab. Sie findet einfach nur, dass von Hand gezeichnete Bilder „lebendiger sind“. Am Computer würden sie manchmal „zu perfekt, zu statisch, zu unpersönlich“.

Und so wird Harvey weiter die Stifte übers Papier fliegen lassen. Über neue Aufträge müsse sie sich keine Gedanken machen. Seit sie die Illustration zum Kinderbuch-Bestseller „Das Handbuch für Prinzessinnen“ von Hilke Rosenboom geliefert hat, „muss ich keine Akquise mehr machen“.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare