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Ulrike Ladnar vor dem Bunker am Anlagenring.

Seckbach

Blick in Frankfurts Künstlerszene

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Der neue Historienroman von Ulrike Ladnar vermittelt das Lebensgefühl der Stadt im Jahr 1917. 

Sie hätte auch mit dem Stricken anfangen können, sagt Ulrike Ladnar und lacht. Stattdessen fasste die Seckbacherin nach ihrer Pensionierung den Entschluss, Historienromane zu verfassen. Geschrieben habe sie immer gerne, sagt die ehemalige Deutschlehrerin des Goethe-Gymnasiums. Bis dahin vor allem Unterrichtsmaterialien.

Ein Schlüsselmoment brachte sie auf die Idee, etwas Neues zu versuchen. Im Urlaub machte sie Rast auf einer Bank vor einer Barockkirche. „Ich hätte viel Wissen über das Bauwerk ausspucken können“, sagt sie. „Aber es fiel mir schwer, einfach zu sagen, was mir daran gefällt.“ Wenn man immer nur sachlich, analytisch denkt und schreibt, verlerne man das Spontane, findet sie.

Also schrieb sie ein Buch, nur so für sich. „Meine Protagonistin war ein junges, kluges, aber etwas naives Mädchen mit genau dem Blickwinkel, der mir verloren gegangen war“, sagt sie. Nachdem sie das Werk ihrem Mann zu lesen gegeben hatte, verschwand es zunächst einige Jahre in der Schublade.

Mittlerweile hat Ulrike Ladnar ihr fünftes Buch beim Gmeiner-Verlag veröffentlicht. Ihr Roman „Frankfurter Szenen“ ist eine Kriminalgeschichte. Er spielt in der expressionistischen Theater- und Künstlerszene im Frankfurt des Jahres 191, thematisiert das jüdische Leben und den Ersten Weltkrieg. Ulrike Ladnars Figuren sind schillernde Persönlichkeiten. „Mit meinem eigenen Leben habe das wenig zu tun“, sagt sie.

Geboren ist Ulrike Ladnar in Baden bei Wien. Das Gymnasium besuchte sie im baden-württembergischen Bad Mergentheim. „Dann wollte ich zum Studieren endlich mal in eine große Stadt und bin in Frankfurt hängen geblieben.“ Mehr als 50 Jahre lebe sie nun in der Stadt am Main, 25 davon in Seckbach.

Ihre ersten drei Romane spielen in der österreichischen Hauptstadt Wien, Ladnars Heimatstadt, die sie regelmäßig aufsucht und sehr gut kennt. Erst eine Ausstellung im Hochbunker an der Friedberger Anlage in Frankfurt, wo vor dem Novemberpogrom 1938 eine prachtvolle Synagoge stand, überzeugte sie davon, den nächsten Roman in Frankfurt spielen zu lassen.

Eine ihrer Figuren in „Frankfurter Szenen“ besucht die ehemalige Synagoge. Auch andere, ihr vertraute Orte in Frankfurt, finden sich im Buch wieder: Das Lokal „Zum Hirsch“ in Oberrad, das sie als Studentin besuchte. Das jüdisch geprägte Ostend, wo sie selbst viele Jahre lebte. Auch das Alte Polizeirevier in der Friedrich-Ebert-Anlage hat einen Platz gefunden. „Vom Goethe-Gymnasium hatte ich aus dem Fenster die Sicht darauf“, erinnert sie sich. „Mein Kommissar arbeitet dort. Ich kenne alte Aufnahmen von 1917, da war das Gebäude noch ganz neu.“

Auf der Suche nach Schauplätzen sei sie viel durch die Stadt flaniert und habe ihre Wahlheimat ganz neu entdeckt. Autobiografien halfen ihr, in das Lebensgefühl der Zeit einzutauchen. Für die Recherche durchforstete sie Antiquariate nach Theaterprogrammen aus dem Jahr 1917. „Es interessierte mich, wie das Frankfurter Theater auf den Krieg reagierte, ob sie weiter ihren Goethe spielten oder sich kritisch positionierten.“

Zwar lehre sie nicht mehr, trotzdem wolle sie mit ihren Büchern nicht nur unterhalten. „Ich möchte auch davon erzählen, was für eine breite, pazifistische Tradition Frankfurt hat“, sagt sie. Darin sei die Stadt immer fortschrittlich gewesen.

Die Lesung am Freitag, 22. Februar, beginnt um 19 Uhr im Gartensaal der Evangelische Mariengemeinde, An der Marienkirche 1. Der Eintritt ist frei.

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