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Kleintierzüchter Tuncay Akar führt vor, wie sein Türkischer Klatschtümmler fliegt. Die Taube überschlägt sich beim Flug und die Flügel klatschen.
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Kleintierzüchter Tuncay Akar führt vor, wie sein Türkischer Klatschtümmler fliegt. Die Taube überschlägt sich beim Flug und die Flügel klatschen.

Zufallstreffer

Nahe an Feldern und Wiesen

Im Frankfurter Stadtteil Eckenheim sind Nachbarschaften persönlich und die Naturist nicht weit.

Auf der einen Seite Natur, auf der anderen eine belebte Straße und darüber geht eine Autobahnbrücke. Dieses Bild zeigt sich an der U-Bahn-Haltestelle Preungesheim im Norden Frankfurts. Vereinzelte Menschen sind unterwegs, warten auf den Bus oder die Bahn und verschwinden nach kurzer Zeit wieder aus dem Blickfeld. Daneben dröhnen die Autos.

Maria Hernandez ist eine von ihnen. Mit ihrer Enkelin im Kinderwagen wartet sie auf den Bus, ist auf dem Weg in die Drogerie. „Weil man so wenig rausgehen soll, verbinde ich das mit einem Spaziergang“, sagt die Preungesheimerin, die schon seit 1970 im Stadtteil wohnt. „Sehr gut sogar“ gefalle ihr die Gegend, auch da Wiese und Felder nur einen Katzensprung entfernt sind.

Tatsächlich ist der Weg von der Bushaltestelle aufs Feld nicht weit. Ein schmaler Pfad führt auf eine Wiese, wo neben einzelnen Bäumen die Fläche vor allem weit und leer ist. Daneben rauscht zwar die Autobahn, sie bleibt aber unaufdringlich. Nur eine Frau geht mit ihrem Hund auf der Wiese spazieren. „Hier ist es typisch Hundewiese“, sagt die Hundehalterin Sabine Stemmler. Sonst seien hier jede Menge Leute mit ihren Hunden unterwegs. Auch sie selbst geht mit ihrem achtjährigen Boxer Maylo dreimal täglich bis zu eineinhalb Stunden raus, egal ob es Minusgrade hat oder regnet. Ansonsten arbeitet sie schon seit einem Jahr im Homeoffice. „Da ist man froh, dass man einen Hund hat“, sagt Stemmler, während sie in der einen Hand eine Zigarette hält und mit der anderen Maylo streichelt.

Eine Reihe Schrebergärten grenzt an die Hundewiese. Hier ist jedoch niemand zu sehen, außer von weitem andere Spaziergänger:innen mit Hunden. In den Büschen am Rand sammelt sich der Müll, sonst gibt es kein Lebenszeichen.

Nun beginnt eine Wohnsiedlung, die zu Eckenheim gehört. In der Sigmund-Freud-Straße reiht sich Hochhausblock an Hochhausblock. In der Straße gab es früher Problemzonen, die nun befriedet seien, erzählt Dieter Günther, und einige Häuser, in denen er nicht gerne wohnen würde. In seinem Haus aber „lebt es sich schön“, sagt er, der gerade dabei ist, mit Zange und Eimer „rumfliegenden“ Müll von der Straße zu sammeln. In dem Haus, in dem er wohnt, ist er nämlich seit acht Jahren auch Hausmeister. Und insgesamt sei es sehr ruhig in der Umgebung.

Momentan gebe es wegen der vielen Pakete vor allem viel Papiermüll, berichtet der Hausmeister, der mit seinem auffälligen Kleidungsstil herausragt. Zu seinen langen grauen Haaren trägt er einen glitzernden Ohrring und eine Sonnenbrille. „Die grünen Tonnen sind immer voll“, sagt er. Wie gerufen taucht in dem Moment tatsächlich ein Bote mit einem Stapel Pakete auf.

Der Zusammenhalt in der Nachbarschaft wirkt gut, immerhin organisierten mehrere Familien einen gemeinsamen Bücherschrank. In der alten Telefonzelle gegenüber vom Hauseingang stapeln sich die Büchern für Kinder und Erwachsene. Manchmal seien auch Spiele drin, berichtet Günther: „Die sind dann ruckzuck weg.“ Am Viertel schätzt er außerdem, dass „man nachmittags stundenlang auf den Feldern spazieren gehen kann.“

Sich vorstellen, woanders zu wohnen, kann sich auch Özden E. nicht, die seit sieben Jahren im einzigen nahe gelegenen Kiosk Hak Market arbeitet. Gerade macht sie eine kurze Pause zum Kaffeetrinken. Özden E. ist in Frankfurt geboren, hat aber auch eine Zeit lang in der Türkei gelebt. „Bei uns ist es nicht so wie bei Rewe, nicht nur ‚hallo‘, ‚guten Tag‘ und ‚tschüss‘“, sagt sie. Stattdessen ist der Kontakt zu Kundinnen und Kunden persönlicher. „Wir sind beliebt hier“, findet die 38-Jährige, „die Leute reden gerne.“ Schnell muss sie aber schon weiter, um ihrer neuen Mitarbeiterin an der Kasse zu helfen.

Einmal um die Ecke herum liegt eine Kleintierzuchtanlage. Über den Zaun sind Menschen beim Arbeiten zu erkennen. Die Anlage besteht aus Grünflächen und zwölf Käfigparzellen. Vor dem Eingang ist ein Schaufenster, eine offene Anlage, in der sich Hühner und andere Vögel aufhalten. Das sei neu, berichtet der Vorstand des Kleintierzuchtvereins Alt-Eckenheim, Walter Schuchardt. Es entstand auch mit Blick auf den Lockdown. „Viele wissen ja gar nicht, was sie machen sollen“, sagt der Vorstand. So haben Fußgänger und vor allem Kinder etwas, das sie anschauen können.

Eine Besonderheit in der Anlage sind Türkische Klatschtümmler, die zwei Freunde begonnen haben zu züchten. Wenn die Tauben fliegen, überschlagen sie sich währenddessen, und die Flügel machen Klatschgeräusche. Einer von ihnen, Tuncay Akar, lässt eine seiner Tauben das Phänomen vorführen. Und tatsächlich: Nach leichten Startschwierigkeiten fliegt der Vogel in großen Kreisen um die Anlage, begleitet von einem ständigen Klatschen. Im Osmanischen Reich durften nur Sultane die Türkischen Klatschtümmler halten, berichtet Baris Ersoy, der zweite der Züchter. Zurück kämen ihre Tauben nach dem Fliegen von alleine. Den Verein in Eckersheim haben die Freunde sich ausgesucht, da es für Flugtauben besser sei, wenn wenige Bäume in der Nähe sind.

„Wir kommen jeden Tag, um die Tiere zu pflegen“, sagt Schuchardt. Zeit dafür hat Akar, da er momentan nicht arbeiten könne. „Normalerweise bin ich Reisebusfahrer“, sagt er. Nur momentan gebe es eben keine Reisen. Coronabedingt kann er also viel Zeit in sein Hobby investieren. Wenn die Zucht gut weitergehe, überlegt er sogar, mit seinen Tauben an Flugwettbewerben teilzunehmen. Vorstand Schuchardt ist es wichtig, dass neue Vereinsmitglieder, auch aus der Nachbarschaft, hinzukommen können. „Die Nachbarn sind tolerant, etwa wenn mal ein Hahn kräht“, meint er. Und: Jede:r könne dort Tiere halten.

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