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Nachlass des Weltklasse-Ringers Max Leichter gesichert

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Gerhard Raiss vom Eschborner Stadtarchiv mit den Orden von Max Leichter.
Gerhard Raiss vom Eschborner Stadtarchiv mit den Orden von Max Leichter. © Maik Reuß

Max Leichter war Ringer der Fortuna Eckenheim, Olympiateilnehmer und Frankfurts erster Fastnachtsprinz. Auch ein Fußweg in der Nähe der Münzenbergerschule ist nach ihm benannt. Jetzt ist sein Nachlass aufgetaucht – im Archiv der Stadt Eschborn. Von Manfred Becht.

Man würde ihn heute einen Promi nennen, zumindest wenn’s um Frankfurt geht: Max Leichter, breitschultriger Weltklasse-Ringer der Fortuna Eckenheim, Olympiateilnehmer, Frankfurts erster Fastnachtsprinz nach dem Krieg, erst Polizist dann Restaurant-Besitzer, an seiner Seite mit Gretel eine ebenso attraktive wie charismatische Frau. In Eckenheim ist deshalb – völlig zurecht – ein Fußweg in der Nähe der Münzenbergerschule nach ihm benannt. Jetzt ist sein Nachlass aufgetaucht und gesichert worden. Wenn auch vor den Toren der Stadt. In Eschborn, wo die Leichters lange lebten.

Der Nachlass des Ehepaares ist vor einer Weile ins Archiv der Stadt Eschborn gelangt. Grund dafür ist der Krieg. Das Elternhaus Leichters wurde zerstört, Max Leichter und seine Eltern kamen im März 1944 in Eschborn unter. Stadtarchivar Gerhard Raiss hat zwar ein Schreiben vom Dezember 1946 vorliegen, in dem Leichter auf einer Liste von Personen steht, die aus Eschborn wieder nach Frankfurt umziehen sollten. Aber er blieb.

Max Leichter starb 1981 im Alter von nur 61 Jahren, seine Ehefrau erst im Jahre 2000. Ihr Nachlass blieb lange in ihrem Wohnhaus in der Rödelheimer Straße 6 und wurde erst vor einer Weile ausgeräumt. Fotoalben, andere Unterlagen und zahlreiche Fastnachtsorden gelangten bei der Gelegenheit ins Eschborner Stadtarchiv. Ob all das einmal Grundlage einer Veröffentlichung werden kann oder einer Ausstellung gar, weiß Raiss noch nicht. Auf jeden Fall ist jetzt alles sicher im Archiv verwahrt.

Es wäre sicher schade, wenn die Sachen dort unbeachtet blieben. Zu schillernd sind die beiden Personen, um die es geht. Viele ältere Frankfurter werden sich an die „Stadtschänke“ in der Nähe der Hauptwache erinnern, die Gretel Leichter auch nach dem Tod ihres Mannes noch bis 1983 weiterbetrieb. Dort trafen sich Prominente wie TV-Showmaster Hans-Joachim Kulenkampff (gest.), in dessen Fernsehshow die Leichters auftraten, und Operettendiva und Tänzerin Marika Rökk, aber auch Stadtpolitiker wie der Oberbürgermeister Walter Kolb oder auch der Vorstand von Eintracht Frankfurt.

In Anzeigen für dieses und für ihr zweites Lokal „Schwarzwaldstuben“ machten Max und Gretel Leichter Werbung auch mit dem Hinweis darauf, dass sie 1954 das Frankfurter Prinzenpaar waren. Für Gretel Leichter war dies die Erfüllung eines Kindheitstraums. Hoch oben auf einem von acht Pferden gezogenen Wagen der Henninger-Brauerei erlebte sie den Fastnachtszug in diesem Jahr. „Ich kam mir vor wie Queen Elizabeth von England“, sagte sie später. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schilderte nach Gretel Leichters Tod, warum die Frau so bemerkenswert beliebt war. Die Zeitung nannte sie ein „Frankfurter Bilderbuch-Mädchen: selbstbewusst, herzlich, voller Mutterwitz, bildschön in der Jugend und stattlich als Wirtin der Stadtschänke.“ All das erschließt sich auch aus den vielen Fotoalben, die jetzt im Eschborner Stadtarchiv sind. „Mein schöner Prinz“, schrieb sie unter ein Foto ihres Mannes. „Aber die Prinzessin war auch nicht schlecht.“

Tatsächlich war auch Ehemann Max Leichter eine mehr als prominente Figur. Der Ringer startete für den AC Viktoria Eckenheim und mischte in den 50er Jahren in der Weltspitze mit. Deutscher Meister wurde er mehrfach, bei den Weltmeisterschaften 1951 belegte er den dritten Platz. Beruflich arbeitete er zunächst als Polizist, bevor er Gastwirt wurde.

„Ein zuverlässiger Mann, vielleicht etwas wortkarg“, schrieb die Frankfurter Neue Presse Anfang 1954 über Leichter. „Max musste am Samstag ringen und dann als Prinz auf alle Veranstaltungen“, erinnerte sich Gretel Leichter an diese Zeit. Sie hatte ihren Mann bei einem Ringermaskenball kennengelernt. „Da war der Max schon schwer hinter mir her und sagte beim Tanzen: Ich liebe dich“, hielt sie in ihrem Fotoalbum fest.

Die Alben, die Zeitungsausschnitte und die Orden zeugen von zwei bewegten Lebensläufen. Die Ehe der Leichters ist kinderlos geblieben. Ältere Eschborner, so sagt Stadtarchivar Gerhard Raiss, erinnerten sich noch an die beiden, die auf dem Eschborner Friedhof beerdigt sind.

Freier Oberkörper: Der Eckenheimer Ringer Max Leichter.
Freier Oberkörper: Der Eckenheimer Ringer Max Leichter. © Verein

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