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Kira Schuler fordert mehr Treffpunkte und Austauschmöglichkeiten im Stadtteil.

Eckenheim

„Wir sind ernüchtert über Absage“

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Kinderbeauftragte Kira Schuler vermisst ein Quartiersmanagement für den Stadtteil.

In Eckenheim gibt es kein Quartiersmanagement. Aus dem Stadtteil sind zwar seit vielen Jahren Forderung danach zu vernehmen, doch die Stadt lehnt sie immer wieder ab. Kinderbeauftragte Kira Schuler erzählt im Interview, warum ihr Stadtteil eine solche Einrichtung benötigt und welche Folgen sie befürchtet, falls die Stadt sie weiter ablehnt.

Frau Schuler, warum genau fordern Sie ein Quartiersmanagement in Eckenheim?
Wir brauchen einfach einen Punkt zum Vernetzen. Hier in Eckenheim fehlen Räume, Anlaufstellen und Begegnungsorte, wo sich die Vereine, Initiativen und Menschen treffen können. Generell ist die Infrastruktur hier eher schlecht, viele Junge und Alte sind in ihrer Mobilität eingeschränkt. Zudem sind sowohl junge als auch alte Menschen hier armutsgefährdet.

Trotzdem sagt ja die Stadt, dass Eckenheim kein Quartiersmanagement brauche. Was sind die genauen Gründe, die man Ihnen mitgeteilt hat?
Zum einen werden finanzielle und personelle Ressourcen genannt, die nicht vorhanden seien. Zum anderen wird auf das „Monitoring zur sozialen Segregation“ verwiesen, demnach die Lage nicht so schlecht sei.

Kira Schuler ist Kinderbeauftragte für Eckenheim. Mit diesem Ehrenamt soll die 34-Jährige die Belange der Kinder im Stadtteil vertreten. Sie ist Teil des Stadtteilarbeitskreises, an dem Initiativen, Vereinen und Einrichtungen beteiligt sind. 

 Zu erreichen ist Kira Schuler per E-Mail an: eckenheim@ kinderbeauftragte-frankfurt.de oder unter der Telefonnummer 01 75 / 4 10 26 45.

Und? Wie schlecht ist sie?
Wir sind sicher weit davon entfernt, soziale Brennpunkte zu haben. Diesen Begriff finde ich schwierig. Aber ein Quartiersmanagement gilt ja auch als Präventionsprojekt, das dafür sorgt, dass soziale Brennpunkte gar nicht erst entstehen. Natürlich haben wir hier Ecken, die nicht den besten Ruf haben, zum Beispiel die Sigmund-Freud-Straße. Aber das sehe ich nicht so.

Soll ein Quartiersmanagement dann den gesamten Stadtteil oder nur einzelne Siedlungen betreuen?
Das sollte schon den ganzen Stadtteil betreffen.

Wer genau steckt hinter den Forderungen? Und fühlen Sie sich vom Ortsbeirat 10 unterstützt?
Das tun wir, absolut. Es gab ja auch bereits einen interfraktionellen Antrag im Ortsbeirat, der unsere Forderungen unterstützt hat. Wir, das sind in diesem Fall die sozialen Einrichtungen im Stadtteil, der Stadtteilarbeitskreis, aber auch viele engagierte Bürger.

Was haben Sie und Ihre Mitstreiter bereits unternommen, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen?
Natürlich waren wir oft im Ortsbeirat zu Gast. Wir haben aber auch schon eine Sitzung des Sozialausschusses der Stadt besucht. Danach haben mehrere Eltern Briefe an Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld geschrieben. Aktuell planen wir eine Unterschriftenliste. Und auf dem Familienfest des Stadtteilarbeitskreises am 7. September wollen wir das Thema noch einmal öffentlich machen.

Gibt es einen Austausch mit der Stadt, wie diese immer betont?
Den gibt es nicht wirklich. Uns wird immer nur mitgeteilt, man werde im kommenden Jahr wieder prüfen. Was genau da aber geprüft wird, sagt man uns nicht.

Und mit dem Quartiersmanagement in Preungesheim? Auf das verweist die Stadt ja gerne.
Auch den gibt es nicht. Wir sind zwei verschiedene Stadtteile, die Gießener Straße ist so etwas wie eine natürliche Grenze. Und die Preungesheimer haben in ihrem Stadtteil auch einfach genug zu tun. 

Was glauben Sie: Warum hat Preungesheim, obwohl im besagten Monitoring besser platziert als Eckenheim, als Quartiersmanagement und Sie nicht?
Ich glaube, dass Preungesheim in diesem Fall einfach Glück hatte. Die Lage dort ist definitiv nicht schlechter als bei uns.

Welche Befürchtungen haben Sie, wenn es dauerhaft kein Quartiersmanagement in Eckenheim geben wird?
Generell sind wir hier im Stadtteil sehr ernüchtert über die Absagen. Die sozialen Einrichtungen sind personell am Limit. Mehr als das Familienfest im September können wir nicht organisieren. Sollte dieser Zustand von Dauer sein, habe ich Angst, dass Leute aufgeben und diverse Angebote wegbrechen. Und das könnte dann zu mehr Konflikten führen.

Interview: Fabian Böker

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