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Frankfurter Urgestein versteht Hochhaus-Boom nicht: „Preise sind unfassbar hoch“

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Von: Georg Leppert

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Hat sämtliche Frankfurter Stadtteile besucht und Protokolle davon angefertigt: Ulrich Vogel.
Hat sämtliche Frankfurter Stadtteile besucht und Protokolle davon angefertigt: Ulrich Vogel. © Monika Müller

Ulrich Vogel ist Frankfurter durch und durch und stolz auf seine Stadt. Doch mit mancher Entwicklung kann er nichts anfangen.

Frankfurt – Ulrich Vogel war Rektor an einer Schule in Rödermark. Er wollte bewusst nicht am Schulort wohnen. Ein paar Jahre hat er in Heusenstamm gewohnt. Die Kinder, das Haus im Grünen, das hatte ihn überzeugt. Doch kaum war der Nachwuchs aus dem Haus, zog Vogel zurück in seine Heimatstadt. Denn der 71-Jährige sieht sich als Frankfurter durch und durch.

Herr Vogel, was macht einen echten Frankfurter eigentlich aus?

Er muss die Stadt mögen, muss sich hier wohlfühlen und seine Wurzeln hier schlagen.

Muss man zwingend in Frankfurt geboren sein – so wie Sie?

Das würde ich nicht sagen. Wichtig ist nur, dass man mit der Stadt irgendwie verwachsen ist und sich mit ihr identifiziert.

Frankfurt: Alle Stadtteile mit besonderem Flair

Mit der Stadt verwachsen – macht Frankfurt den Menschen das leicht?

Das kommt auch darauf an, in welchem Stadtteil man lebt. Ich habe mit Freunden sämtliche Stadtteile besucht und Protokolle angefertigt (zieht einen dicken Ordner hervor). Die Stadtteile sind schon unterschiedlich.

Wo kann man auf keinen Fall heimisch werden?

Das kann man so nicht beantworten. Alle Stadtteile haben einen eigenen Flair. Manche haben einen schlechten Ruf. Oft zu Unrecht, muss ich sagen. Aber manche sind halt ganz besonders reizvoll.

Welche?

Ich wohne in Sachsenhausen, bin in Bornheim geboren und in der Rotlintstraße im Nordend großgeworden. Das sind schon tolle Stadtteile. Und wie sich Frankfurt verändert hat, das sieht man an diesen Vierteln sehr gut. 100 Meter von der Rotlintstraße entfernt waren früher Felder und Gärten und Streuobstwiesen. Wir haben als Kinder auf der Straße gespielt. Und abends kam jemand und hat die Gaslaternen angeschaltet. Per Hand. Da wussten wir, dass wir nach Hause gehen mussten. Das war das alte Frankfurt.

Jetzt klingen Sie ein wenig nostalgisch.

Das will ich gar nicht. Ich finde es ja faszinierend, wie sich die Stadt entwickelt hat. Als Kind habe ich noch die Trümmerfelder gesehen. Und jetzt sind wir diese moderne Stadt mit der wahnsinnigen Skyline. Darauf können wir schon stolz sein.

Warum werden so viele Hochhäuser in Frankfurt gebaut?

Sind Sie auf jede Entwicklung in Frankfurt stolz?

Nein. Ich verstehe zum Beispiel nicht, wieso zuletzt so viele Wohnhochhäuser gebaut wurden. Die Preise sind unfassbar hoch, und oft wohnen die Leute, die die Wohnungen kaufen, ja noch nicht einmal dort. Schauen Sie sich den Henninger-Turm an. Na ja, immerhin ist die Form erhalten geblieben.

Haben Sie eigentlich auf Ihrer Tour durch die Stadtteile Überraschungen erlebt?

Natürlich. Echte Kleinode habe ich entdeckt oder bei meinem Besuch erst so richtig wahrgenommen. Das Vespa-Museum in Praunheim, das Yeboah-Haus in Niederrad, die Berger Warte... die muss man ja fast suchen.

Noch eine Runde mit Begriffen, die zu Frankfurt gehören. Sie sagen spontan, was Ihnen dazu einfällt. Ebbelwei?

Trinkt man als Frankfurter. Ist genetisch so vorgesehen.

Eintracht?

Genial. Als Frankfurter muss man Fan sein.

Stadtwald?

Kennen Sie die Mendelssohnruhe östlich der Straßenbahnlinie 17? Ein großartiger Ort. So ruhig.

Frankfurter Urgestein meidet das Bahnhofsviertel

Bahnhofsviertel?

Ich war da früher oft, habe etwa in den Asia-Shops eingekauft. Aber heute meide ich die Gegend.

Weil Sie es dort zu gefährlich finden?

Gar nicht mal. Aber es ist da enorm vermüllt. Da mag ich nicht sein. Ich finde überhaupt, dass Frankfurt an vielen Ecken zu schmutzig ist.

Zum Abschluss: Wie sollte sich Frankfurt in Zukunft entwickeln?

Ich finde, die Richtung stimmt. Gerade in der Verkehrspolitik. Es hat mir gut gefallen, dass zuletzt mehr Radwege gebaut wurden. Mit dem Fahrrad kann man die Stadt in 30 Minuten durchqueren. Und wer nicht radeln will, nimmt halt die Bahn. Ich habe zwar ein Auto, aber eigentlich brauche ich es nicht. Bei uns in Sachsenhausen wird jetzt diskutiert, wie man die Schweizer Straße umgestaltet. Ich würde sagen: Fußgängerzone und in der Mitte fährt die Straßenbahn. Aber das wollen die Einzelhändler nicht. (Interview: Georg Leppert)

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