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Ihren ersten Turniersieg feierten die Frankfurter bei einem Event in Stuttgart.

Frankfurt

Ein Klub für E-Sportler

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Mehrere ambitionierte Computerspieler wollen in Frankfurt einen E-Sports-Verein gründen. Probleme bereitet die Suche nach geeigneten Räumen.

Wenn Jan Köhler auf die noch kurze Geschichte des E-Sports an der Frankfurter Goethe-Universität zurückschaut, fallen ihm bereits einige persönliche Höhepunkte ein. Auf der einen Seite die erfolgreichen Teilnahmen an Ligen und Turnieren mit Pokalen und guten Platzierungen. Auf der anderen Seite die Public-Viewing-Veranstaltung im Oktober 2018, als etwa 175 Menschen im Hörsaal Platz nahmen, um sich das Finale der Weltmeisterschaft im Computerspiel „League of Legends“ anzuschauen.

Nicht wenige werden wohl dem europäischen Vertreter „Fnatic“ die Daumen gedrückt haben, auch wenn dieser deutlich verlor. „Es war schon beeindruckend, so viele Leute im Hörsaal zu sehen“, sagt der 28-jährige Köhler - und hofft, dass dies erst der Anfang gewesen sein könnte.

Denn mittlerweile haben Köhler und seine Mitstreiter einen Antrag auf Vereinsgründung eingereicht. 1. E-Sport-Club Frankfurt soll der Verein heißen, eine Mitgliederversammlung hat es bereits gegeben, die Satzung steht auch. Nur die Anerkennung zieht sich noch etwas hin, aber Köhler ist zuversichtlich.

Seine Wurzeln hat der Verein an der Uni. 2017 stieß Köhler in einem Internetforum auf die Initiative „University E-Sports Germany“, kurz UEG. Sie organisierte Wettbewerbe für Studierende in verschiedenen Computerspielen, und da es in Frankfurt noch kein Team gab, nahm der 28-Jährige das Ganze in die Hand. „So trafen sich fünf Fremde zum „League of Legends“ spielen. Mit mäßigem Erfolg“, erinnert sich der gebürtige Weilburger und lacht.

Doch Erfolg hin oder her - der Anfang war gemacht, und nur ein Semester später wuchs der Kreis der Mitspieler auf 120. Und auch die unterschiedlichen Spieletitel nahmen zu: Rocket League, Counter Strike, Overwatch und Hearthstone. Und: Die Frankfurter wurden immer besser und sicherten sich erste Meisterschaftstitel.

Mittlerweile gibt es 300 Menschen aus Frankfurt und Rhein-Main, die sich im Projekt engagieren. Alle zwei Wochen treffen sich die Spieler im echten Leben und unternehmen etwas zusammen. Problematisch war stets, dass an den Ligen der UEG nur Studenten teilnehmen dürfen. Außerdem hatten die E-Sportler nie einen Raum an der Uni, in dem sie sich treffen oder trainieren konnten. Bisher muss jeder am heimischen Rechner sitzen und sich mit den anderen online treffen. Um beiden Problemen entgegenzutreten, entschloss man sich zur Gründung des E-Sport-Vereins. Zukünftig wollen die Mitglieder in Wettbewerben jenseits der Uni antreten. Und der gemeinsame Raum soll auch realisiert werden.

„Das ist in Frankfurt natürlich nicht leicht“, sagt Köhler. Ideal wären vier Räume, zwei große und zwei kleine. In einen großen Raum sollen 14 Computer mit Tischen passen, der andere soll als Zuschauer- oder Konferenzraum dienen. In den kleineren sollen Moderatoren mögliche Spiele kommentieren. Aber jeder Raum für den neuen Verein wäre ein Anfang. Für März planen die Mitglieder eine Crowdfunding-Kampagne, mit der sie Geld für die zukünftigen Bemühungen sammeln wollen. „Mit dem Geld soll dann die Miete für ein Jahr abgedeckt und Ausrüstung gekauft werden.“

Doch das Hauptquartier soll keine reine Zockerhöhle sein, macht der Vereinsvorsitzende deutlich. Man wolle auch Jugendarbeit betreiben und in den Dialog mit Eltern treten, um auf beiden Seiten Verständnis zu schaffen. Physischer Sport soll ebenfalls Teil des Konzeptes sein. Man sei bereits mit anderen Vereinen in Kontakt, um später körperlich aktiv sein zu können. „Unsere Leute sind fit und machen regelmäßig Sport. Das ist uns allen wichtig.“

Das fragwürdige Bild vom übergewichtigen und blassen Nerd bediene niemand. „Bei uns versammeln sich Menschen, die E-Sport spielen und leben wollen“, erklärt Köhler. Es gehe darum, das Hobby und den Sport zu erleben.

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