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Auf dem Opernplatz in Frankfurt dürfen E-Scooter nur geschoben werden. Vielen ist dies neu.

Erschreckende Unkenntnis

Problem E-Scooter: Das ist auf den Flitzern verboten

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Bei Kontrollen in der Frankfurter Innenstadt wissen viele E-Scooter-Fahrer nicht, was erlaubt ist. Gerade private Roller sind tückisch.

Frankfurt - Bei einer groß angelegten Kontrolle von E-Scootern auf dem Frankfurter Opernplatz hat sich eine erschreckende Unkenntnis der Nutzer offenbart. Dutzende von Verkehrsteilnehmern waren am Mittwochnachmittag verbotenerweise in der Fußgängerzone unterwegs, einige sogar auf privaten Elektrorollern ohne Versicherungsschutz. 

Christina Gutenberger vom Verkehrsdienst der Frankfurter Polizei ist darüber nicht überrascht: „Das größte Problem ist, dass die Nutzer nicht wissen, was sie dürfen und was sie nicht dürfen.“

Frankfurt: Fahrer von E-Scootern wissen nicht Bescheid

Gleich mit zehn Polizeifahrzeugen sind die Beamten auf dem Opernplatz präsent. Doch trotz der vielen Polizeiuniformen fahren viele Menschen mit ihren E-Scootern noch freudestrahlend auf die Beamten zu. Dass der Opernplatz als Fußgängerzone gilt und dort das Fahren nicht erlaubt ist, wissen viele nicht, wie etwa drei junge Frauen aus Marburg. Eben noch waren sie auf einem launigen Ausflug unterwegs, im nächsten Moment sind sie von einer großen Menschentraube umringt. 

Denn neben der Polizei interessieren sich auch viele Medienvertreter für das Thema. „Die Radfahrer dürfen hier doch auch fahren“, protestiert eine der Frauen. Ähnlich sieht es auch ein Mann aus dem Westend, der aus der Innenstadt kommend, kurz hinter der Hochstraße gestoppt wird. „Ich dachte, man darf mit den Dingern überall dort fahren, wo auch Radfahrer fahren dürfen.“

Wo dürfen E-Scooter genutzt werden - und wo nicht?

Zu zweit auf dem E-Scooter zu fahren, ist verboten, aber mit einem Bußgeld von zehn Euro noch relativ günstig. Nebeneinander fahren oder fahren auf Fußwegen, Fußgängerzonen und Grünanlagen, kostet zwischen 15 und 30 Euro.

Bei gravierenden Verstößen werden E-Scooter wie Autos behandelt. Die gilt sowohl beim Missachten von Rotlicht als auch beim Fahren unter Alkoholeinfluss. ote

Explizite Schilder, wo die E-Scooter genutzt werden dürfen und wo nicht, gibt es bislang keine. Polizeisprecherin Chantal Emch hält das nicht für erforderlich. „Ich muss mich vorher informieren, wo ich fahren darf. Da kann man sich auch einlesen.“ Doch dass sich ein Tourist einliest, bevor er sich auf einen Roller schwingt, ist eher unwahrscheinlich.

So sieht es auch ein Business-Pärchen aus Kroatien. Der Mann ist erbost, dass er 15 Euro zahlen soll. Er fragt, woher er das mit dem Verbot hätte wissen sollen. Ein Beamter deutet auf ein etwas verblasstes Schild mit dem Fußgängerzonen-Emblem, Ecke Taunusanlage. „Das Schild war aus unserer Richtung nicht zu sehen“, versucht es der Kroate noch, muss die 15 Euro aber trotzdem zahlen.

In vielen Fällen belassen es die Beamten aber auch bei einer freundlichen Ermahnung. In allen Fällen aber müssen die Nutzer die Roller danach schieben oder sie gleich an Ort und Stelle stehen lassen.

Frankfurt: E-Scooter ohne Versicherungsschutz verboten

Wer mit einem privat erstandenen Roller ohne Versicherungsschutz unterwegs ist, hat aber ein größeres Problem. Ein junger Mann im weißen Hemd ist noch gut gelaunt, als er angehalten wird. Den Roller hat er im Internet erstanden und findet ihn gut, weil sich das Modell beim Bremsen selbst auflade. Als ihn Oberkommissarin Gutenberger darauf hinweist, dass er einen Verstoß gegen das Versicherungspflichtgesetz begannen habe, entfährt dem Mann noch leichthin ein „ach du lieber Gott.“ 

Lesen Sie dazu: E-Scooter in Frankfurt: Das müssen Sie über die E-Roller wissen

Wenig später steht der Roller auf einem Prüfstand. Er fährt 31 km/h. „Für diesen Roller werden sie in Deutschland keine Zulassung bekommen“, betont Gutenberger. Hierzulande dürfen Roller maximal 20 km/h fahren. Es kommt noch schlimmer. Für den schnellen Roller benötigt der Mann einen Führerschein. Doch sein Auto-Führerschein ist derzeit beschlagnahmt. „Dann steht auch noch Fahren ohne Fahrerlaubnis im Raum“, belehrt Gutenberger.

Der Mann im weißen Hemd ist noch dabei, den Schock zu verdauen, da halten die Beamten schon einen weiteren Roller ohne Zulassung an. Auch dieser junge Mann ist ahnungslos. „Ich habe gehört, dass man eine Klingel braucht“, sagt er. Den Hinweis, dass eine Klingel den Versicherungsschutz nicht ersetzt, erspart sich der Beamte.

Von Oliver Teutsch

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