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Elektro-Roller werden bald vermehrt auf den hiesigen Radwegen fahren.

Elektro-Tretroller

E-Scooter in Bus und Bahn: Platzprobleme sind vorprogrammiert

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Die Stadt Frankfurt erwartet zu Beginn eine „unübersichtliche Situation“ mit E-Scootern und will eine einheitliche Regelungen für Leihsystemanbieter. In Bus und Bahn könnte es zu Platzproblemen kommen.

Update, 25 Mai, 9.40 Uhr: E-Scooter stehen vor der Zulassung und auch die Verkehrsbetriebe in Hessen wollen ihre kostenlose Mitnahme gestatten. Zusammengeklappt würden die batteriebetriebenen Tretroller behandelt wie ein Gepäckstück, sagte eine Sprecherin des nordhessischen Verbunds NVV. Gleiches gilt im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) sowie im Fernverkehr der Deutschen Bahn. Aus Sicht des Fahrgastverbands Pro Bahn sind Platzprobleme vorprogrammiert. "Das kann sehr, sehr schwierig werden, denn die Bahnen sind auf solch flexible Mobilität gar nicht ausgerichtet", sagt der Pro-Bahn-Landesvorsitzende Thomas Kraft.

"Insbesondere in den Bussen sind die Flächen viel zu klein, um Kinderwagen, Rollstühle und andere Fortbewegungsmittel unterzubringen", sagte Kraft. Zu dieser Situation kämen nun die E-Scooter hinzu. Insbesondere zu den Stoßzeiten in Pendlerzügen würden die bestehenden Platzprobleme verschärft - selbst, wenn die Scooter zusammengeklappt seien. "Man hat ja meistens noch mehr dabei als nur den Roller", sagte Kraft.

Vorrang für Kinderwagen und Rollstühle

Der RMV erklärte, in den sogenannten Mehrzweckbereichen der Bahnen gelte weiterhin, dass Kinderwagen und etwa auf den Rollstuhl angewiesene Fahrgäste Vorrang hätten. Für E-Scooter gebe es wie für Fahrräder keinen Anspruch auf Mitnahme. Es werde noch geprüft, inwiefern die Beförderungsbedingungen angepasst werden müssten, sagte Sprecherin Vanessa Rehermann.

Die Bahn hatte bereits erklärt, in ICEs und Intercitys die Gefährte kostenlos mitzunehmen - wenn sie sich zusammengeklappt unter oder über dem Sitz befinden und der Akku fest eingebaut ist. Vermutlich werde es aber Gewichtsbeschränkungen geben, sagte ein Bahnsprecher. Die Zulassung für die Tretroller soll am 15. Juni in Kraft treten.

E-Scooter demnächst in Deutschland zugelassen

Erstmeldung vom 21. Mai: In anderen europäischen Ländern gehören sie längst zum alltäglichen Bild vieler Großstädte: E-Scooter. Oder, etwas verständlicher ausgedrückt: Elektro-Tretroller. Am Freitag sagte der Bundesrat Ja zur deutschen Verordnung zum Umgang mit Elektrokleinstfahrzeugen. Damit steigen die Chancen, dass auch in Frankfurt die elektrischen Tretroller bald vermehrt durch die Gegend fahren.

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) berichtete am Dienstag über die aktuelle Situation. Demnach sei die Stadt mit zehn Anbietern von E-Roller-Leihsystemen im Gespräch. Einige der Unternehmen könnten sich ein stationäres System vorstellen, andere setzten eher auf stationslose Möglichkeiten.

Bei den Stückzahlen haben die Anbieter unterschiedliche Vorstellungen. Mindestens 200 bis 500 Roller werde wohl jeder für den Anfang nach Frankfurt bringen. Bei den Maximalzahlen seien aber auch bis zu 3000 Fortbewegungsmittel im Gespräch. Dass alle zehn Anbieter auf den Markt kommen werden, glaubt der Dezernent aber nicht. „Zunächst müssen wir abwarten, wann die Verordnung in Kraft tritt“, sagte Oesterling. Dies könne im Juni oder Juli der Fall sein. Danach aber könnten die Anbieter schnell handeln. Oesterling: „Anfangs wird es wahrscheinlich eine unübersichtliche Situation.“

Zusammengeklappte E-Roller können im Bus mitgenommen werden

Laut Verordnung müssen Nutzer der E-Scooter mindestens 14 Jahre alt sein. Eine Helmpflicht ist nicht vorgesehen. Außerdem dürfen die Roller nicht auf Gehwegen fahren, sondern nur auf Straßen und Radwegen. „Sie werden wie Fahrräder behandelt.“ Das bedeute auch, dass sie kostenlos in den Bahnen des RMV mitgenommen werden dürfen. Hier plädiert der Verkehrsdezernent aber dafür, die E-Roller zusammenzuklappen; in diesem Zustand könnten die Geräte auch im Bus mitgenommen werden. Platzprobleme sieht Oesterling nicht auf die Bahnen zukommen.

Was keinesfalls erlaubt sein soll, ist das Abstellen der Roller in Parks oder am Mainufer. Eine kurze Pause sei in Ordnung, aber die Stadt möchte keine endlosen E-Roller-Schlangen in den Grünanlagen.

Der Verkehrsdezernent hätte sich mehr Handlungsmöglichkeiten in der Verordnung gewünscht. Etwa, dass man die Maximalzahl an Tretrollern begrenzen könne. Oesterling geht davon aus, dass der Markt sich selbst regeln werde – ähnlich dem der Leihräder. Dort waren anfangs zwölf Unternehmen im Gespräch, letztlich versuchten aber nur fünf, Fuß zu fassen. Mittlerweile hat sich die Zahl auf drei reduziert: Call-a-Bike, Nextbike und Byke.

Von Steven Micksch/dpa

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