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Die Flächen bleiben gleich, aber die Nutzung nimmt zu. Das kann für Ärger sorgen, wenn man keine Rücksicht übt.

E-Scooter

E-Roller in Frankfurt: Ein bisschen Spaß darf sein

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In der Frankfurter Innenstadt trifft man vor allem Geschäftsleute oder Touristen auf E-Rollern - und junge Menschen, die einfach Spaß haben wollen.

Auf dem „eScooter-Parkplatz“ am Frankfurter Hauptbahnhof sind am Mittwochvormittag alle Stellplätze frei. Kein einziger der elektronischen Tretroller ist auf den weiß markierten Flächen gegenüber des Taxistandes abgestellt – der letzte verfügbare setzt sich gerade in Bewegung. „Keine Zeit, ich muss zum Termin“, ruft ein Geschäftsmann mit Aktentasche und Smartphone-Kopfhörern im Vorbeifahren. „Ich mache es aber auch zum ersten Mal. Wenn ich heute Abend heil wieder hier ankomme, kann ich mehr sagen.“

Geschäftige Büromenschen auf dem Weg von Termin zu Termin scheinen eine typische Nutzergruppe der Tretroller mit Elektroantrieb zu sein, die seit dem 15. Juni im Straßenverkehr genutzt werden dürfen und seit zehn Tagen in Frankfurt ausgeliehen werden können. Im Bankenviertel steht an mindestens jeder zweiten Laterne ein Gefährt der zwei Leihrolleranbieter Tier und Circ, die bislang auf dem Frankfurter Markt sind. Und entlang von Taunusanlage und Neuer Mainzer sausen alle paar Minuten E-Roller vorbei – meistens gesteuert von jungen bis mittelalten Männern, oft im Anzug, fast immer mit Ohrstöpseln. Aber auch einige Frauen flitzen durch die Innenstadt. Einen Helm trägt niemand.

Teuer, aber schneller als die Tram

„Ich finde es nicht ganz ungefährlich“, sagt Sebastian Keller, der sich vor der Commerzbank in der Adam-Riese-Straße im Gallus gerade einen Leihroller gesichert hat. „Wenn man mit 20 Stundenkilometern auf der Straße neben den Autos fährt, fühlt man sich nicht komplett sicher. Und mit den dünnen Reifen ohne Stoßdämpfer durch Schlaglöcher zu fahren, ist schon gewöhnungsbedürftig“, meint der 33-jährige Jurist.

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Rollern auf dem Gehweg am Kaiserplatz - natürlich nicht erlaubt.

Dennoch sei er schon etwa dreimal E-Roller gefahren, auf kürzeren Strecken ins Bankenviertel oder zur Alten Oper. Denn es sei zwar „noch recht teuer“, aber schneller als mit der Straßenbahn „und ein Stück bequemer als die Leihfahrräder, die ich sonst genutzt habe. Da kannst du dich auch im Anzug einfach draufstellen und kommst an, ohne total verschwitzt zu sein.“

Auch der Assistenzarzt Johan Kim, der seinen Roller gerade am Hauptbahnhof startet, sieht die neuen E-Roller vor allem als Alternative zu Leihfahrrädern – „und für alles, was zu Fuß länger als 15 Minuten dauern würde“. Im Schnitt einmal täglich sei er seit vergangener Woche E-Scooter gefahren. „Sie sind total praktisch, bequem, einfach zu bedienen und man ist viel mobiler. Und Fun ist schon auch ein Faktor“, meint der 27-Jährige. „Vor allem Fahrradfahrer fragen immer ganz interessiert, wie das so ist. Nur einmal, als ich den Roller durch eine Fußgängerzone geschoben habe, hat sich ein Fußgänger beschwert.“ Er selbst fühle sich auch auf Hauptstraßen sicher. „Aber man braucht schon eine gewisse Größe, um stabil zu stehen.“

Viele Verbote werden ignoriert

Die gewisse Größe hat der höchstens zehnjährige Junge, der auf einem E-Roller über Bürgersteige und Parkwege von Taunustor und Gallusanlage kurvt, ganz eindeutig nicht. In Schlangenlinien eiert er mit dem Gefährt auf den dichten Autoverkehr der Hauptstraße zu und bringt es abrupt zum Stehen, ehe es in den niedrigen Metallzaun gekracht wäre, der die Grünfläche umgrenzt. Als der Junge absteigt schaut seine Nase so gerade eben noch über die Lenkerstange. Er wendet und saust durch die Grünanlage Richtung Willy-Brandt-Platz davon, die Ellenbogen auf Kinnhöhe zur Seite gestreckt, in einer Linie mit dem Lenker.

Offensichtlich jünger als 14 Jahre jung, hätte der Junge eigentlich gar nicht fahren dürfen und die Anbieter verleihen ihre E-Roller eigentlich nur an Volljährige. Das Fahren auf Gehwegen und in Grünanlagen ist auch verboten.

Ordnungswidriges Verhalten lässt sich aber immer wieder beobachten. Da flitzen etwa zwei junge Männer gemeinsam auf einem Roller die Kaiserstraße entlang. Und Rücksicht auf andere nehmen auch nicht alle – in der Fußgängerzone von Liebfrauenstraße und Neuer Kräme etwa schlängeln sich drei junge Frauen so schnell zwischen den Fußgängerinnen und Fußgängern hindurch, dass diese erschrocken ausweichen müssen.

Touristen auf Entdeckungstour

Am Mainufer hingegen, wo in den ersten Tagen seit Verleihstart des ersten Anbieters noch Dutzende Menschen verbotener Weise fuhren, scheinen nun deutlich weniger E-Roller unterwegs zu sein. Vereinzelt steht einer geparkt neben einer Bank. Aber längst nicht in so hoher Zahl wie rund um die Hauptwache oder auf der Zeil. „Ab und zu müssen wir mal ausrücken, weil sie etwas wild herumstehen und sich jemand bei uns beschwert“, sagt Michael Jenisch, Sprecher des Ordnungsamtes. Bislang halte sich die Anzahl der Beschwerden aber in Grenzen. „Mal gucken, wie es sich entwickelt, wenn weitere Anbieter auf dem Markt sind. Das war ja bei den Leihfahrrädern auch so, dass da noch mal ein ganzer Schwung nach kommt.“

Ein Hingucker sind die E-Roller schon.

Schon jetzt scheint es aber nicht allzu schwer zu sein, einen E-Roller zu ergattern – in der Innenstadt finde sich eigentlich immer einer, bestätigen alle Gesprächspartner, die sich von der FR vom Roller haben winken lassen. So wie jene zwei Studenten, die gerade mit der S-Bahn aus Offenbach gekommen sind und sich nun direkt neben der Station zwei E-Roller geschnappt haben, um von der Hauptwache zur Goethe-Uni zu fahren. „Da fährt ja gerade sonst nix hin“, sagt der eine mit Verweis auf die gesperrte U-Bahn-Strecke. „Und bei dem schönen Wetter ist es eine gute Alternative“, meint der andere: „Man ist an der frischen Luft, es erinnert einen an die Kindheit und macht einfach Spaß.“

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Spaß haben ganz offensichtlich auch die beiden 19-Jährigen, die auf der Hauptwache abwechselnd ihre Kreise ziehen und sich dabei mit ihren Smartphones fotografieren. Sie seien zu Besuch aus Düsseldorf, erzählen Max Müntz und Lisa Beeck. Wie viele andere Touristinnen und Touristen erkunden sie nun per E-Roller die Stadt.

Der 22-jährige Alphan Thümmler, der in der Innenstadt wohnt, rollt schon seit Tagen lieber per E-Roller durch die Gegend als zu Fuß zu gehen oder die Bahn zu nehmen. „Das ist einfach besser, als mit den ganzen Leuten in der Bahn zu sitzen“, findet der Einzelhandelsazubi, der sich aber noch „schnell ausloggt“, ehe er von seinen Erfahrungen erzählt, „denn es ist nicht ganz billig“. Etwa 4,99 Euro habe er neulich für rund 20 Minuten gezahlt. Für 36 Cent mehr hätte er den ganzen Tag mit dem RMV durch Frankfurt fahren können – „aber ich mache das ja eher, weil es Spaß macht.“

Auch der Taxifahrer, der am Hauptbahnhof neben dem E-Scooter-Parkplatz auf Kundschaft wartet, glaubt an „den Spaßfaktor“ als Hauptgrund fürs E-Roller-Fahren. Als Konkurrenz für sein Geschäft sieht er die neuen Gefährte jedenfalls nicht: „Ich glaube, das sind eher Menschen, die sonst zu Fuß laufen würden.“

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