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Abstoßen und los geht’s: elektrischer Tretroller am Kaiserplatz.

Verkehr

Frankfurt: Mit dem E-Roller unterwegs - recht teuer und Probleme beim Abbiegen

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E-Roller fahren macht Spaß. Sie sind aber recht teuer und machen Probleme beim Abbiegen.

Die elektrischen Tretroller von Tier Mobility lassen sich seit Samstag in Frankfurt ausleihen. Schon am Wochenende flitzten zahlreiche Menschen damit durch die Stadt. Am Sonntag zum Beispiel durch den Anlagenring nahe der Alten Oper (was verboten ist) oder auf dem Gehweg an der Schloßstraße in Bockenheim (verboten) oder über den Radweg an der Bockenheimer Landstraße (erlaubt).

E-Roller in Frankfurt: Diese Anbieter gibt es

Rund 200 E-Roller, die auf Englisch auch E-Scooter heißen, hat der Anbieter in der Stadt aufstellen lassen, wie die App anzeigt. Laut Pressemitteilung sollen es bald 1000 Fahrzeuge sein. Tier ist der erste Verleihdienst auf dem Frankfurter Markt, weitere wollen folgen: Wind (vormals Byke), Voi, Limebike und Bird haben sich beim Verkehrsdezernat gemeldet, um nur die bekanntesten zu nennen.

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Wie fährt sich so ein Tier-Roller? Um es gleich zu verraten: ziemlich rasant. Zunächst müssen kleinere Hürden überwunden werden, zum Beispiel das Herunterladen der App, die Eingabe der Kreditkartendaten, das Finden eines Rollers auf der App-internen Karte, sodann die Ausleihe, die in diesem Falle nur über die Eingabe der Gerätenummer funktioniert.

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Dann gehen die Lichter an, vorne weiß, hinten rot. Das Display leuchtet blau. Beide Hände an den Lenker, dann los, von der Alten Oper zur Mainzer Landstraße 199, Montagmorgen, halb zehn. Mit dem rechten Fuß abstoßen (keine Reaktion), nochmal abstoßen, nochmal, dabei den kleinen Hebel am Lenker mit „Go“ durchdrücken, jetzt aber! Der Roller schießt los.

Sie werden wie Räder gehandhabt und parken scheinbar auch so.

Gefühlt beschleunigt er von null auf zwanzig in zwei Sekunden - aus Sicherheitsgründen lässt sich das während der Fahrt aber nicht mit der Stoppuhr verifizieren. Zwanzig Stundenkilometer sind laut Elektrokleinstfahrzeugeverordnung die höchste erlaubte Geschwindigkeit, aber auf der Mainzer Landstraße erreicht das Fahrzeug dann 21,9 Stundenkilometer. Es geht halt bergab.

Das Fahrgefühl ist erhaben. Als Fahrer schaut man über die Dächer von Autos hinweg, freut sich über die interessierten bis bewundernden Blicke von Bankern und Kindern.

Spaß macht vor allem das Anfahren. Die Roller flitzen auf den ersten Metern schnell wie Autos, schneller als Räder. An Ampeln stoppen die Bremsen den Roller direkt ab, ähnlich wie Scheibenbremsen am Fahrrad.

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Über Straßenbahnschienen und Bodensenkungen am Platz der Republik holpert der Roller recht souverän, ohne den Fahrer aus dem Gleichgewicht zu bringen. Ein ernstes Problem gibt es an der Großbaustelle am Güterplatz. Wie so oft parkt ein Lastwagen rechts auf der Straße und blockiert den Radweg. Was tun? Den Lenker loslassen, um mit der linken Hand zu signalisieren, dass man Überholen will, ist keine gute Idee. Beim kurzen Loslassen ruckelt das Gefährt so bedenklich, so dass man sofort wieder an den Lenker fasst, um nicht auf der befahrenen Straße umzufallen. Doch überholen, ohne den anderen Fahrzeugen anzuzeigen, dass man überholen will, ist im Frankfurter Straßenverkehr ziemlich gewagt. Blinker hat der Roller nicht.

Na gut. Schulterblick, ausscheren, hoffen, dass die anderen mitdenken. Tun sie in diesem Falle. Nach dreizehn adrenalingesättigten Minuten ist die Fahrt vorbei. Sie kostet 2,95 Euro, bei einem Preis von einem Euro pro Fahrt plus 15 Cent pro Minute. Roller sind damit deutlich teurer als Leihräder, die einen Euro für eine halbe Stunde Fahrt kosten, teurer auch als eine Einzelfahrt mit Bus und Bahn für 2,70 Euro. Spaß macht die Fahrt aber schon, abgesehen vom Abbiege-Stress.

(Florian Leclerc)

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