Freie Bahn für elektrische Radler – wenn gerade mal kein Politiker im Weg steht.
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Freie Bahn für elektrische Radler – wenn gerade mal kein Politiker im Weg steht.

Mobilität

E-Bikes testen in Frankfurt

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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In Frankfurt kann man ein E-Bike ausleihen und zwei Wochen lang testen.

Die Übergabe von 48 Pedelecs und elektrischen Lastenrädern an die ersten Probefahrer am Samstag an der Nordseite des Eisernen Stegs ist durchaus symptomatisch für das Thema Radfahren in Frankfurt: Guter Wille ist wohl da, auch ein paar vernünftige Ideen, aber mit der Umsetzung hapert es allenthalben.

Die Idee der Aktion „Radfahren neu entdecken“, die noch bis August läuft, ist prima: Interessierte können sich im Internet um ein E-Leihrad für zwei Wochen bewerben und so testen, ob das ihr Ding sein könnte. Die angebotenen Leihräder sind von ausgezeichneter Qualität, die ersten Abholer waren am Samstag nach den ersten Proberunden unisono begeistert. Was schwierig sein könnte, ist in der Innenstadt mit den Monsterrädern einen Parkplatz zu finden, der nicht das Trottoir versperrt.

Der hessische Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir von den Grünen ist eigens zur Übergabe an den Eisernen Steg gekommen und beschwert sich, dass überall in den Medien behauptet werde, dass der Elektroantrieb in Deutschland nicht so recht in die Gänge komme. Stimme gar nicht, sagt Al-Wazir: „Elektromobilität hat beim Fahrrad längst den Durchbruch geschafft.“ Und verliert dabei ein wenig aus dem Blick, dass sich unter Umweltaspekten das Pedelec zum Fahrrad in etwa so verhält wie der Diesel zum Elektroauto.

Auch der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling ist gekommen – und verspricht, dass das nördliche Mainufer „auch nach der Kommunalwahl“ für den Autoverkehr gesperrt bleibe – zumindest, wenn es nach ihm geht.

Nun ist diese Sperrung nicht unumstritten, und angesichts der eher unsicheren Zukunft ist das autofreie nördliche Mainufer zu einer Art Allzweckfläche geworden, mit der niemand so recht etwas anzufangen weiß. Bis auf die Radfahrer, die endlich eine, wenn auch sehr kurze, Alternativstrecke zum fußgängerdurchwirkten Mainuferweg haben – und eine der wenigen Teilstrecken dazu bekommen haben, in denen das Radfahren in Frankfurt nicht lebensgefährlich ist. An jenem Samstagmorgen aber ist kein Durchkommen, weil Al-Wazir und Oesterling sich samt Entourage mitten auf die Gass’ gestellt haben und die Radfahrer, die vorbeifahren wollen, laut fluchend eine Alternativroute suchen müssen.

Aber irgendwas ist ja immer, und die Aktion an sich durchaus lobenswert. Wer Interesse hat, auch mal für zwei Wochen auf das E-Bike umzusteigen, der findet laut Machern im Netz unter www.radfahren-neu-entdecken.de die Teilnahmebedingungen und alle sonstigen Informationen. Dumm ist nur, dass der Browser zumindest bei dem Versuch, die Seite von der FR-Redaktion aus anzurufen, eine Warnmeldung anzeigt, dass diese nicht sicher sei.

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