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Malte Neutzler sorgt nun in Wiesbaden für Ordnung.

Polizeidirektor Malte Neutzler

Abschied von Eintracht Frankfurt

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Mehr als sechs Jahre lang hieß der Einsatzleiter in der Arena Malte Neutzler, wenn ein Heimspiel der Frankfurter Eintracht als Risikospiel galt. Als Polizeidirektor war Neutzler für den Süden Frankfurts zuständig – und damit auch für das Waldstadion. Nun wechselt er die Dienststelle.

Der Mann, der in den vergangenen sechseinhalb Jahren rund 60 Eintracht-Spiele live im Stadion gesehen hat, will nicht drumherumreden. „Ich war kein Eintracht-Fan und bin es durch meine Arbeit auch nicht geworden“, sagt Malte Neutzler. Eines aber räumt der 49-Jährige ein: Sein Job wurde durch Erfolge der Frankfurter Fußballer durchaus einfacher.

Denn Neutzler war als Polizeidirektor für den Süden der Stadt zuständig – und damit auch für das Waldstadion. Wann immer es ein Risikospiel gab, also Fan-Ausschreitungen drohten, hieß der Einsatzleiter in der Arena Malte Neutzler. Und gut gelaunte Fans sind grundsätzlich friedlicher als schlecht gelaunte.

Nun hat der hochrangige Polizeibeamte die Dienststelle gewechselt. Seit kurzem arbeitet er im Polizeipräsidium Westhessen. Ein Karrieresprung, weil Neutzler faktisch für die gesamte Stadt Wiesbaden zuständig ist. Vor allem aber kommt ihm der neue Dienstort aus privaten Gründen gelegen. Neutzler wohnt im Rheingau. Um pünktlich zum Dienstbeginn in Frankfurt-Sachsenhausen anzukommen, fuhr er regelmäßig um 5 Uhr früh los. Nun hat er morgens zumindest etwas mehr Zeit.

Vermittler zwischen Fans und Polizei

Neutzler blickt gerne zurück auf seine Zeit im Süden Frankfurts. Auch auf die hektischen Momente. Im Mai 2011 etwa – die Eintracht war nach einer Heimniederlage gegen Köln gerade so gut wie sicher abgestiegen – brach das Chaos aus im Stadion. Hunderte Fans rannten aufs Spielfeld, die Eintracht-Profis flüchteten in die Kabinen.

Neutzler gab seine Anweisungen über die Lautsprecheranlage im Stadion, da Funkverkehr bei dem Krach kaum möglich war. Zunächst konzentrierte er sich auf den Kölner Fanblock. „Wir mussten auf alle Fälle verhindern, dass die Kölner auf den Rasen laufen, denn dann hätte es dort schwerste Randale gegeben“, sagt Neutzler. Nachdem diese Ecke des Stadions gesichert war, ließ er seine Einsatzkräfte den Rasen räumen. Nach kurzer Zeit waren die Eintracht-Fans wieder in ihren Stehblöcken, ohne dass jemand ernsthaft verletzt wurde.

Als Neutzler im Sommer 2009 seine Arbeit begann, herrschte zwischen der Polizei und den Eintracht-Fans Eiszeit. Zur Wahrheit gehört, dass das Verhältnis auch heute nicht immer freundschaftlich ist. Insbesondere der Kontakt zu den Ultras gestaltet sich schwierig. Doch immerhin wird kommuniziert – manchmal mit Hilfe des Frankfurter Fanprojekts, das Neutzler sehr lobt. „Mein Ziel war es, mit den Fans ins Gespräch zu kommen“, sagt der Polizeidirektor.

Zumindest in weiten Teilen ist ihm das gelungen. Gleichzeitig erhielten die Anhänger von ihm Unterstützung, mit der sie nicht unbedingt gerechnet hatten. So setzte sich Neutzler dafür ein, dass eine Choreografie mit Rauch (der allerdings in dem Schriftzug „Frankfurt“ gefangen war und nicht austreten konnte) erlaubt wurde. Und als die Fans im Jahr 2012 in einem Marsch zum Stadion gehen wollten, verzichtete er nahezu völlig auf Polizeibegleitung.

Bodycams wirken präventiv

Doch nicht nur die Eintracht beschäftigte den Familienvater, der in seiner Freizeit die B-Jugendmannschaft des 1. FC Kiedrich 1922 trainiert. Auch das Kneipenviertel in Alt-Sachsenhausen und die „Zunahme der Erlebnisgastronomie“ waren ein Schwerpunkt seiner Arbeit – und so, wie Neutzler das Wort „Erlebnisgastronomie“ ausspricht, darf man sich ziemlich sicher sein, dass er privat eher selten in Kneipen geht, in denen man „einen Meter Bier“ kaufen kann.

Unter Neutzlers Regie wurde etwa die Bodycam eingeführt, eine kleine Kamera, die Polizisten auf der Schulter tragen. Damit können sie Einsätze dokumentieren. Vor allem präventiv habe die Kamera eine immense Wirkung, berichtet der Polizist. Sprich: Wer weiß, dass er gefilmt wird, lässt sich lieber nicht auf Scharmützel ein.

Zudem konnte Neutzler dank der Aufnahmen auch Kritik am Auftreten seiner Beamten nachgehen. „Wir hatten es regelmäßig, dass der Polizei Vorwürfe gemacht wurde und meine Kollegen die Situation anders dargestellt haben – dank der Aufnahmen hatte ich Klarheit.“ Mittlerweile werden die Bodycams nicht nur in „Alt-Sachs“ eingesetzt.

Dieser Tage hat Neutzler an seiner neuen Dienststelle seinen ersten Fußballeinsatz geleitet. Wehen Wiesbaden spielte gegen Dynamo Dresden. In der dritten Liga. In einem Stadion, das viel kleiner ist als das Waldstadion. Und vor viel weniger Zuschauern. Ein Leitspruch von Malte Neutzler gilt aber weiter, in Frankfurt wie in Wiesbaden: „Wenn wir Pfefferspray und Schlagstock einsetzen müssen, müssen wir auch zwingend darüber reden, ob wir im Vorfeld die Situation nicht anders hätten regeln können.“

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