+
Bis 2020 werden in der denkmalgeschützten ehemaligen Oberpostdirektion von Frankfurt 164 hochwertige Wohnungen entstehen.

Kommentar

Die kapitalistische Dynamik in Frankfurt bremsen

  • schließen

Es zeigt sich immer wieder, dass sich die Kommunalpolitik schwer dabei tut, die kapitalistische Dynamik auf dem Wohnungsmarkt  zumindest abzubremsen.

Projekte wie das „Grand Quest“ wirken im Frankfurt von heute wie aus der Zeit gefallen. In einer Stadt, in der viele Menschen schon geradezu verzweifelt eine bezahlbare Mietwohnung suchen, erscheint diese große Luxus-Wohnanlage geradezu als höhnischer Kommentar auf die Verhältnisse.

Die Genehmigung der Kommune für dieses Bauvorhaben stammt noch aus der Amtszeit des früheren Planungsdezernenten Olaf Cunitz (Grüne). Er hatte mit der Praxis begonnen, zumindest bei neuen Bebauungsplänen der Stadt von den Investoren einen Anteil von 30 Prozent öffentlich geförderter Wohnungen zu verlangen.

Bei Lagen wie der früheren Oberpostdirektion an der Ludwig-Erhard-Anlage, wo es einen alten Bebauungsplan gab und es sich nur um einen Umbau handelte, war diese Regelung allerdings nicht durchsetzbar.

Der heutige Planungsdezernent Mike Josef (SPD) will die Quote von öffentlich geförderten Unterkünften sogar noch steigern. Doch auch der Sozialdemokrat stößt auf vielfältige Hindernisse und auf Bauherren, die versuchen, die politischen Vorgaben einfach auszusitzen.

Es zeigt sich immer wieder, dass sich die Kommunalpolitik schwer dabei tut, die kapitalistische Dynamik auf dem Wohnungsmarkt in Frankfurt zumindest abzubremsen. Den ehrgeizigsten Versuch bereitet Josef mit seinen Fachleuten gerade vor. Bei Bauvorhaben privater Investoren möchte der Sozialdemokrat künftig die Wertsteigerung und den Planungsgewinn zu zwei Dritteln abschöpfen.

Das so gewonnene Geld soll in einen städtischen Fonds fließen, aus dem die Infrastruktur für neue Wohnviertel, wie etwa Kitas, bezahlt werden kann. Es ist der Versuch der Kommunalpolitik, im Kampf um den Grund und Boden in der Stadt wieder das Heft des Handelns in die Hand zu bekommen.

Die Einladung der Bauherren zur Grundsteinlegung des „Grand Quest“ hatte der Frankfurter Planungsdezernent abgelehnt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare