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FR-Reporterin Jutta Rippegather probiert die Mobilität in der Stadt mit der RMV-App aus. 

Frankfurt wächst

Per App durch Frankfurt

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Selbstversuch mit der Testversion des neuen RMV-Angebots.

In Hofheim wohnen, in Frankfurt arbeiten und am Abend Freunde in Neu-Isenburg besuchen. Wer in der Rhein-Main-Region lebt, ist viel unterwegs. Beruflich wie privat. Je stärker die Bevölkerung wächst, desto voller die Straßen, die Züge, die Busse. Beim Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) jagt ein Fahrgast-Rekord den anderen. 35 Millionen Fahrten kamen allein im vergangenen Jahr hinzu, damit stieg die Gesamtzahl auf knapp 800 Millionen. Doch nicht immer bringt der öffentliche Personennahverkehr den Menschen direkt und komfortabel bis ans Ziel. Das Netz ist nicht lückenlos. Und oft fehlen nur wenige Kilometer - Experten sprechen von der „letzten Meile“.

Der RMV fühlt sich auch dafür verantwortlich. Er arbeitet an digitalen Lösungen, einige sind schon zu haben. Die Idee: Für die langen Strecken Bus und Bahn nutzen, für die kurzen jenes Verkehrsmittel, das in der jeweiligen Situation am besten passt. Noch ist die Entwicklung der App nicht abgeschlossen. Noch ist lediglich die erste Stufe gezündet, die sogenannte Beta-Version. Die Frankfurter Rundschau hat sie getestet und dazu die ausgetretenen Pfade, die der mobile Mensch in der Regel hat, verlassen.

Wir treffen uns an der Halsschlagader der Mobilität in der Region: dem Frankfurter Hauptbahnhof. 480 000 Menschen sind hier an einem durchschnittlichen Tag unterwegs. Sämtliche S-Bahn-Linien legen hier einen Stopp ein, zwei U-Bahn-Linien, Regionalzüge, Straßenbahnen, Busse. Die Auswahl an Verkehrsmitteln ist immens und schwer zu überblicken. Denn es gibt so einige, die sich für die letzte Meile eignen.

Die App bietet auch Taxi oder Leihwagen an

Wir zücken das Smartphone und rufen die Seite m.rmv.de auf. Als Ziel geben wir die Fahrgasse in der Altstadt an. Und schon erscheint die erste Reisevariante: acht Minuten mit der U4, das Ticket für 1,85 Euro ist gleich buchbar und der Fußweg zur Bahn und später zum Ziel exakt beschrieben.

Nehmen wir an, das Wetter ist zu schön, um im dunklen Untergrund abzutauchen. Bewegung wäre auch nicht schlecht. Hier kommt Option zwei ins Spiel: das Rad. Neun Minuten brauche ich, die Wegeführung ist angezeigt. Leider sind sämtliche Leihfahrräder im Umkreis von 300 Metern unterwegs. „Nicht verfügbar“ informiert die App. Das nächste Vehikel von Next-Bike stehe in der Niddastraße. Ist nun auch nicht sooo weit.

Das Leihrad steht in der Niddastraße.

Und was ist, wenn es in Strömen regnet, die fußkranke Tante mit zwei Koffern in die Altstadt transportiert werden will? Die App bietet das Taxi an: fünf Minuten, 9,56 Euro. Oder einen Leihwagen: Car2go ab 19 Cent pro Kilometer. Der Leih-Smart steht an der Nordseite des Hauptbahnhofs, ich reserviere ihn, damit ihn mir keiner auf dem kurzen Weg dorthin wegschnappt. Dazu muss ich allerdings mit einem Klick von der RMV-App auf die des Verleihers wechseln, bei dem ich zudem angemeldet sein muss. Ich tippe den Zugangscode ein – „klack“, die Tür öffnet sich und ich greife mir den Autoschlüssel unter dem Handschuhfach. Noch ist dieser Wechsel zur App des Anbieters notwendig. Doch für das Team der Abteilung Innovation beim RMV ist das nur ein Zwischenschritt. Am Ende soll die App sämtliche Dienstleistungen rund um die Mobilität zusammenführen: Auskunft, buchen, zahlen und fahren. Noch sind auch nicht alle Anbieter dabei. Doch der RMV zeigt sich offen für alle, sofern sie seriös sind.

Für den Verbund ist diese verkehrsmittelübergreifende Verbindungsauskunft ein nächster Schritt zur Mobilität aus einer Hand. Kunden erhalten schnell, einfach und unkompliziert eine Tür-zu-Tür-Auskunft mit Preisangaben und Echtzeitinformationen, das heißt, es werden auch Verspätungen angezeigt. Bus und Bahn sind ebenso berücksichtigt wie Bike-, Carsharing- und Taxi-Anbieter. Auch die E-Scooter sind dabei. Eine Karte zeigt Bahnhöfe, Haltestellen und die Stationen der Verleiher an. Spannend: Die Weiterentwicklung erfolgt nicht im Labor, sondern derzeit in engem Kontakt mit den Fahrgästen, denn die wissen am besten, was sie benötigen. Lob, Kritik und Verbesserungsvorschläge sind willkommen. Spätestens im nächsten Jahr wird es die Desktop-Version geben, ist das Angebot in die RMV-App integriert, verspricht RMV-Geschäftsführer Knut Ringat.

Das Ziel sei ein Kanal für alle Verkehrsarten in der Region: „Die multimodale Auskunft ist für uns ein Meilenstein hin zu einer Plattform, über die unsere Fahrgäste sich nicht nur informieren, sondern zukünftig auch alle Verkehrsmittel aus einer Hand buchen und bezahlen können.“

Und was mache ich? Ich entscheide mich am Ende doch für die U-Bahn-Variante in die Altstadt. Die ist günstig. Und mit dem Auto durch den proppedichten Frankfurter Stadtverkehr? Das ist mir doch zu stressig.

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