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Dunkle Kirchen, stillstehende Aufzüge in Frankfurt

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Von: Thomas Stillbauer

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Brücken werden nicht mehr zur reinen Zierde illuminiert.
Brücken werden nicht mehr zur reinen Zierde illuminiert. © Rolf Oeser

Diese Schritte plant die Stadt Frankfurt, um der Energiekrise zu begegnen.

Energieeinsparungen in fast allen Bereichen haben die Dezernate angekündigt. Eine Auswahl.

Allgemein werden etwa Durchlauferhitzer ausgeschaltet, Drucker und Computer nach Dienstschluss vom Netz genommen, Heizungen nachts und übers Wochenende aufs Mindestmaß heruntergedreht; Wasser zum Händewaschen bleibt kalt. Die Raumtemperatur beträgt fast überall maximal 19 Grad.

Der Zoo spart an der Beleuchtung und an den Raumtemperaturen dort, wo keine Tiere darunter leiden müssen, kündigt Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) an.

Die Museen reduzieren die Außenbeleuchtung teils erheblich – nicht aber das Jüdische Museum an seinen beiden Standorten, für die besondere Sicherheitsvorkehrungen gelten. Sie müssen auch im Jahr 2022 noch mit Kameras bewacht und von der Polizei vor Ewiggestrigen beschützt werden.

Im Theater (Doppelanlage Willy-Brandt-Platz) springt die Heizung künftig erst ab einer Außentemperatur von 16 Grad (bisher 18) an. Alte und neue Oper sowie Schauspiel werden mit viel weniger Außenbeleuchtung auf sich aufmerksam machen. Dezernentin Hartwig hat zudem eine ganze Reihe von Umstellungen in Gang gesetzt, um energetisch das Mögliche aus den seit Jahren als Sanierungsfall identifizierten Städtischen Bühnen herauszuholen. Dafür gibt es Lob von der Umweltkollegin Heilig.

Die Dotationskirchen , also die, die von der Stadt unterhalten werden – Bartholomäusdom, Alte Nikolaikirche, Dominikanerkloster, Liebfrauen-, Peters-, Leonhards-, Katharinen- und Dreikönigskirche – müssen ohne Außenbeleuchtung auskommen, so wie die meisten anderen städtischen Gebäude in der Nacht. Auch an der Kirchenheizung wird gespart, gibt Stadtkämmerer Bastian Bergerhoff (Grüne) bekannt, soweit es das Interieur zulässt, vor allem Orgeln und Kunstwerke.

Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) hat in ihrem Einflussbereich, dem Stadtraum Frankfurt (Amt für multikulturelle Angelegenheiten) Bewegungsmelder in Auftrag gegeben, die auf Fluren und Toiletten die Beleuchtung abschalten. „Intelligente Heizungssteuerung“ läuft, die Klimaanlage im Seminarbereich soll reduziert eingesetzt werden. Ähnliche Maßnahmen haben mehrere Dezernate im „Arbeitskreis Energiekrise“ eingereicht.

Im Planungsdezernat von Mike Josef (SPD) laufen Lüftungsanlagen nur noch montags bis freitags von 4 bis 19.30 Uhr. Kühlung ausschließlich für die EDV-Bereiche. Außen- und Flurbeleuchtung wird reduziert. Aufzüge werden stillgelegt – das planen auch mehrere Dezernate.

Sporthallen sind nach Angaben Josefs, der auch Sportdezernent ist, schon komplett auf LED-Beleuchtung umgestellt; auf den Sportanlagen laufe dieser Prozess noch, auch fürs Flutlicht. In Sachen Heizung und Wasser verfügten die Sportanlagen bereits über automatische Sparsysteme. Sportstätten wegen der Energiekrise zu schließen, will Josef unbedingt vermeiden. Die Eissporthalle samt Außenbahnen wird als unverzichtbar betrachtet und bleibt im Winter geöffnet.

Die Bäderbetriebe haben nach eigenen Angaben gegenüber 2019 bereits 25 Prozent Strom, Gas und Wärme eingespart: durch naturbeheizte Freibäder, geschlossene Saunen und Hallenbäder im Sommer und weil das Rebstockbad geschlossen wurde. Weiteres Potenzial sehen sie etwa in zwei Grad niedrigeren Temperaturen für Wasser und Luft, Verzicht auf die Traglufthalle des Riedbads und in kürzeren Öffnungszeiten des Panoramabads.

Das Wohnungsamt will zwischen Weihnachten und Neujahr schließen, um Heizenergie zu sparen, und die Zahl der Kühlschränke reduzieren. Die Bürotüren im Winter aus Energiegründen geschlossen zu halten, ist dort dem Vernehmen nach aber umstritten: Das könne abweisend wirken.

„Jede zweite Birne“ oder Leuchtstoffröhre auf dem Dezernatsflur will Sozialdezernentin Elke Voitl (Grüne) abschalten, Homeoffice, Dach- und Fassadengrün ausweiten, mit dem Vermieter der Liegenschaft für weitere Schritte in Kontakt treten. Letzteres ist in den meisten Einrichtungen geplant.

Zurück zu Dienstfahrrädern ohne Motor, auch nicht elektrisch – ein weiterer Plan von Voitl.

Das Umweltamt arbeitet unter anderem an weniger Beleuchtung draußen, weil das sowohl umwelt- als auch insektenfreundlicher ist. Keine Scheinwerfer auf Denkmäler und eine Vielzahl weiterer Maßnahmen.

Straßenbeleuchtung will auch das Mobilitätsdezernat von Stefan Majer (Grüne) herunterfahren. Nur nicht dort, wo es unter Sicherheitsaspekten hell bleiben muss – das gilt unter anderem für Teile des Bahnhofsviertels. Dienst-Pedelecs müssten aber immer ans Stromnetz angeschlossen bleiben, damit sie zu 100 Prozent geladen seien.

Brücken werden nicht mehr „gestalterisch illuminiert“, nur noch für die Verkehrssicherheit.

Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) schaltet alle beleuchteten Werbelogos aus. Ein „Team Energie“ untersucht unter anderem mit Messfahrten, welche Sparpotenziale es etwa beim Fahrstrom für die Schienenfahrzeuge gibt.

Die Umstellung der Leuchten auf LED läuft.
Die Umstellung der Leuchten auf LED läuft. © Michael Schick

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