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Es galt früher und es gilt heute: Wer nicht fragt, bleibt dumm.

Protest

Demo für die Freiheit der Wissenschaft in Frankfurt

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200 Menschen gehen in Frankfurt für die Freiheit der Wissenschaft auf die Straße.

Glaube, was du willst, das allein macht es nicht wahr“, steht auf dem Schild, das eine Demonstrantin an diesem Samstag an der Bockenheimer Warte hoch hält. Darauf zu sehen ist ein Schwein, das über den Wolken fliegen kann. Direkt darunter ist eines gezeichnet, das abstürzt. Genau, weil Schweine, auch wenn man noch so fest daran glaubt, nun mal nicht fliegen können.

Willkommen beim March for Science. Zum dritten Mal gingen Menschen weltweit für die Freiheit von Wissenschaft und Forschung auf die Straße. Auslöser der Bewegung waren im Jahr 2017 wissenschaftsfeindliche Äußerungen des US-Präsidenten Donald Trump. Er hatte die globale Erwärmung als Schwindel bezeichnet.

In Deutschland gab es Veranstaltungen in zwölf Städten. In Frankfurt demonstrieren laut Polizei 200 Menschen beim March for Science. Sie ziehen an diesem winterkalten Maitag von der Bockenheimer Warte über die Innenstadt bis zum Römer.

Ein Mann hat sich sein Demoschild gleich umgebunden. Darauf steht: „Wenn die Politik die Warnungen der Wissenschaft ignoriert, ist das auf die Dauer tödliche Dummheit.“ Tobias Löffler ist 39 und Physiker aus Düsseldorf und sieht das genauso. „Mir geht es nicht nur um Politiker, die ihre Entscheidungen doch bitte auf die Realität und nicht auf falsche Ideen stützen sollten. Ich meine damit auch die fröhlichen Impfgegner und Leute, die den Klimawandel leugnen. Dies zu tun, bedeutet, dass am Ende Menschen sterben werden.“

Katharina Kaiser (27) und Sebastian Donner (28) sind aus Mainz und beide Doktoranden der Meteorologie. Donner sagt: „Es ist wichtig, dass die Wissenschaft genug Geld hat, um frei forschen zu können. Sonst gibt es nur noch Wissenschaft, die von Konzernen finanziert wird, das wäre nicht gut.“ Donner betont auch, dass sie hier seien, um sich als Wissenschaftler als einen sichtbareren Teil der Gesellschaft zu zeigen. „Viele Menschen glauben, dass wir nur hinter verschlossenen Türen forschen. Das ist aber nicht so.“

Dann tritt Thomas Jahn ans Mikro. Der Soziologe ist Mitbegründer und Sprecher der Institutsleitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung. Er sagt, die Wissenschaftler müssten raus aus dem Elfenbeinturm. „Die Gesellschaft hat ein Anrecht darauf, zu fragen und zu verstehen, was wir forschen, wie wir forschen und welche Ergebnisse für den Alltag relevant sind. Deshalb brauchen wir den Dialog. Und ich meine nicht Infoveranstaltungen.“ Er fordert einen Austausch wie durch die „Teilhabe nicht wissenschaftlicher Akteure an der Erzeugung wissenschaftlichen Wissens“.

Auch die hessische Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) ist gekommen und verkündet stolz: „Gestern haben wir den Hochschulpakt gesichert.“ Am Freitag hatten sich in Berlin die Wissenschaftsminister von Bund und Ländern auf eine dauerhafte Finanzierung der Hochschulen geeinigt. Es sollen weitere Milliarden Euro fließen. Der Bund werde seine Mittel künftig dauerhaft zahlen, auch um mehr unbefristete Stellen an den Hochschulen zu ermöglichen. Das hatte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) versprochen.

„Das gibt uns etwas Hoffnung“, sagt eine Demonstrantin, die sich an einer Hochschule trotz Doktortitel von einem befristeten Vertrag zum nächsten hangelt. Am Römerberg spricht dann auch die Präsidentin der Frankfurter Goethe-Universität, Birgitta Wolff: „Warum wir demonstrieren? Weil wir müssen. Nicht nur wegen Budgetkürzungen in den USA bei der Klimaforschung, sondern jetzt wird auch in Brasilien das Budget für die Soziologie gestrichen. In Deutschland werfen Klimawandelleugner und Impfgegner die Gesellschaft zurück.“

Lorenz Adlung ist Immunforscher und Science-Slammer. Er erzählt auf der Bühne, was Wissenschaftler vom Erfolg der Eintracht Frankfurt lernen könnten. Ein Beispiel: „Die Eintracht hat jahrelang in junge Talente investiert. Deutschland kauft sich lieber fertige Wissenschaftler ein.“

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