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Revierförster Lars Eckert erklärt Interessierten bei einer Wanderung durch den Oberräder Wald die Auswirkungen von Trockenheit und Klimawandel auf die Bäume. 

Trockenheit 

Dürre: Alarmierende Zustände im Frankfurter Stadtwald

Revierförster Lars Eckert führt zu verdorrten Flächen im Frankfurter Stadtwald, wo Hitze und Trockenheit dramatische Folgen haben.

Gestrüpp und Geäst liegen auf dem Boden verteilt, wo vorher Dutzende meterhohe Bäume in die Luft ragten. Das Dürrejahr 2018 hat dem Oberräder Forst ordentlich zugesetzt. Revierförster Lars Eckert führt am Samstagnachmittag eine Gruppe von rund 20 Teilnehmern, die vom Oberräder Bürgerverein zu der Begehung eingeladen wurden, rund drei Stunden durch diesen Abschnitt des Stadtwaldes, der sich über ein großes Gebiet von der Sachsenhäuser Stadtgrenze an der Darmstädter Landstraße entlang bis nach Neu-Isenburg erstreckt.

Waldareal seit Ende 2018 tot

Hinter der Kesselbruchschneise, nicht weit vom Monte Scherbelino entfernt, zeigt Eckert auf eine Brachfläche von 3000 Quadratmetern. „Das komplette Areal ist seit Ende 2018 tot“, sagt der Förster. „Wir mussten roden, um einen gewissen Wert aus 60 Jahren Forstwirtschaft zu erzielen.“ War es am Anfang des Jahres 2018 noch ein „sehr artenreicher Nadel- und Laubmischwald“ mit Buchen, Eichen, Kiefern und Lärchen gewesen, so hielten die Bäume der großen Trockenheit und Hitze des letzten Jahres nicht stand.

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Laubbäume hätten ihre Blätter absterben lassen, weil ihnen die Energie und das Wasser gefehlt hätten, um sie weiter zu versorgen. Spechte hätten die Rinde von den Bäumen abgeklopft, um an die Schädlinge zu gelangen, die sich darunter bereits eingenistet hatten. „Hat ein Baum nur noch die Hälfte seiner Rinde, ist er nicht mehr überlebensfähig“, sagt Eckert. „Eigentlich hätte man die Bäume erst in 100 Jahren entnommen“, sagt er. Warum gerade in diesem Abschnitt des Oberräder Forstes das Baumsterben in so großem Maß stattgefunden habe, will eine Teilnehmerin wissen. Der 38-Jährige antwortet, dass dieser Teil der trockenste sei und der Boden „mehr oder weniger aus reinem Sand“ bestünde.

Deutlich weniger Niederschlag

An anderer Stelle hängt der Revierförster an einem zwischen drei Bäumen gespannten Draht Grafiken auf, für die aus Niederschlags- und Temperaturstatistiken der letzten Jahrzehnte „Normaljahre“ errechnet wurden.„Das Dürrejahr weicht deutlich vom Normaljahr ab“, sagt Eckert. Die durchschnittliche Jahres-Temperatur habe in den Jahren zwischen 1961 und 1990 im Frankfurter Stadtwald bei 9,7 Grad gelegen, im letzten Jahr bei 12,5 Grad. Der Niederschlag habe sich von rund 650 Millimeter (mm) pro Jahr um mehr als ein Drittel verringert.

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Dürrejahre seien jedoch nicht das Problem. Bereits vor Jahrhunderten habe es Trockenperioden gegeben, so der Förster, der zum Beweis aus einer Chronik von 1540 vorliest, bei der in ganz Europa verheerende Trockenheit geherrscht hatte. „Das Kernproblem ist der Klimawandel und die Erderwärmung“, sagt Eckert. Von Jahr zu Jahr, wenn immer weniger Niederschläge fielen, würden die Bäume das Defizit mitnehmen ins neue Jahr. 

Heute sei die Situation womöglich „noch brenzliger“ als 2018, denn die grünen Riesen hätten – im Gegensatz zum vorherigen – im letzten, trockenen Winter keine Möglichkeit gehabt ihre Reserven aufzufüllen. Bis Mai sei die Durchschnittstemperatur im Vergleich zu Normaljahren um 1,8 Grad angestiegen, bei 45 mm weniger Niederschlag.

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