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Gewürzmischmeister Ratnan Thaya mischt ein vegetarisches Linsencurry.
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Gewürzmischmeister Ratnan Thaya mischt ein vegetarisches Linsencurry.

Frankfurter Originale

Düfte aus aller Welt

  • Oliver Teutsch
    VonOliver Teutsch
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Seit 1978 residiert das Gewürzhaus Schnorr in der Neuen Kräme 28 und wartet stets mit einem experimentierfreudigen kunterbunten Sortiment auf.

Renate Ott-Thiel kann sich noch genau an die Anfänge des Gewürzhauses Schnorr erinnern. Gemeinsam mit ihrer Mutter Martha Schnorr stand sie 1956 in der Neuen Kräme und bot mit ihrem kleinen Bauchladen Beifuß für den Gänsebraten an. Wenn die kleine Renate dann mal allein die Stellung hielt, war die Mama danach meist nicht zufrieden mit dem Verkauf ihrer Tochter. „Ich habe dann immer einen Anschiss bekommen“, erinnert sich Ott-Thiel.

Die Zeiten des Bauchladens sind längst vorbei und geschimpft wird mit der heutigen Chefin des Gewürz- und Teehauses auch nicht mehr. Angefangen hat die Familie Schnorr mit dem Verkauf von Gewürzen in einem kleinen Laden in der hinteren Ecke der Sandhofpassage. Der Bauchladen diente nicht zuletzt dazu, auf sich aufmerksam zu machen. Bereits seit 1978 residiert das Geschäft aber am heutigen Standort in der Neuen Kräme 28 und von einem kleinen Laden kann keine Rede mehr sein.

Ott-Thiel schwirrt von einer Ecke in die andere, um auf das große Sortiment aufmerksam zu machen: Pfeffer aus Borneo, Chutney aus England, riesige Haselnüsse aus Italien, Oolong-Tee aus Japan, Marzipan aus Lübeck. Ott-Thiel und ihr Team kreieren auch ganze Gerichte selbst. In einem kleinen Topf hinter dem Tresen köchelt gerade eine Pasta in Thunfisch-Lemonsauce, von der die Kunden probieren können. „Geschmack kann man nicht beschreiben, den muss man schmecken“, so die Verkaufsphilosophie von Ott-Thiel.

Die Kunden danken es und kaufen laut Ott-Thiel „Tonnen von Couscoussalat“ im Jahr. Noch gefragter ist das Marzipan, vor allem in der Vorweihnachtszeit. Dann werden nicht weniger als vier Tonnen täglich frisch vom Block geschnitten, um in den Frankfurter Küchen als Bethmännchen verarbeitet zu werden. Insgesamt 20 Mitarbeiter versuchen dann, die Nachfrage zu befriedigen.

Ott-Thiel führt durch die Katakomben. In einem Zwischengang hilft der Praktikant gerade dabei, Kumin in verkaufsgerechte Portionen abzuwiegen. Im Keller steht der Gewürznachschub alphabetisch sortiert, sonst behält niemand den Überblick. Dann geht es über die Straße: in der Ziegelgasse verkauft das Gewürzhaus in einem zweiten Laden sehr edle chinesische Lackmöbel. Im rückwärtigen Raum wird gerade eines der beliebten Reisgerichte im großen Stil zubereitet. „Das ist Ratnan Thaya, unser Mischmeister“, stellt Ott-Thiel vor. Der Tamile arbeitet gemeinsam mit seiner Frau für das Gewürzhaus, für italienische Spezialitäten und die fernöstlichen Regionen hat Ott-Thiel eigene Spezialisten.

Eigener Online-Shop

Christof Heinickel reist für das Gewürzhaus viel durch die Weltgeschichte. Demnächst besucht er wieder Teeplantagen in Taiwan. „Es ist wichtig, die Lieferanten persönlich zu kennen und den Kontakt zu pflegen“, sagt er. Mit manchem Lieferbetrieb arbeite das Gewürzhaus Schnorr bereits seit 50 Jahren zusammen. Trotzdem sucht das Schnorr-Team immer wieder nach neuen Produkten. „Sie müssen immer am Sortiment arbeiten“, betont Ott-Thiel. Das treibt mitunter etwas kuriose Blüten. Denn im Schaufenster finden sich auch Winkekatzen und Plastikautos. „Das passt überhaupt nicht rein, tut aber auch nicht weh“, sagt Ott-Thiel gut gelaunt.

Das Gewürzhaus hat auch einen eigenen Internetshop, aber das sei kein Vergleich zum Laden. Dabei sind die meisten Produkte nicht gerade günstig. Ein Päckchen schwarzer Pfeffer kann da schon mal acht Euro kosten. „Im Internet gibt es welchen für 1,50 Euro, aber der schmeckt dann halt auch so“, sagt Ott-Thiel.

Zu den Kunden zählen im Übrigen nicht nur Endverbraucher, auch etwa 20 Gaststätten in Frankfurt erhalten jeweils ihre eigene spezielle Gewürzmischung. „Das ist alles topsecret“, sagt Ott-Thiel. Weniger geheim ist die Nachfolge des Hauses, denn die ist schon geregelt. Zwar verschwendet die rüstige Chefin noch keinen Gedanken ans Aufhören, doch wenn es dann so weit sein sollte, steht einer ihrer Neffen parat. Der macht gerade noch seinen Doktor in Chemie und steigt dann in das Geschäft ein. Einen Bauchladen wird er nicht mehr mitbringen müssen.

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