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Drohbrief gegen Frankfurter KAV-Chef: „Jude, raus aus der KAV“

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Von: Timur Tinç

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Hat einen Drohbrief erhalten und erhebt schwere Vorwürfe: Der Vorsitzende der KAV und Stadtverordnete Jumas Medoff (r.).
Hat einen Drohbrief erhalten und erhebt schwere Vorwürfe: Der Vorsitzende der KAV und Stadtverordnete Jumas Medoff (r.). © Monika Müller

Der Vorsitzende der Kommunalen Ausländerinneren- und Ausländervertretung, Jumas Medoff hat einen Drohbrief erhalten. Gleichzeitig beschuldigt er zwei Stadtverordnete, ohne Namen zu nennen, des Antisemitismus.

Der Stadtverordnete und Vorsitzende der Kommunalen Ausländerinnen- und Ausländervertretung Jumas Medoff soll Anfang Februar einen antisemitischen Drohbrief erhalten haben. Das machte Medoff kürzlich öffentlicht. „Jude, du hast es bis heute nicht kapiert. Pass gut auf. Auf dich und deine Familie“, heißt es in dem Brief, den Medoff abfotografiert hat und der ihm mit der Post zugestellt worden sei.

Das Original liegt beim Staatsschutz. Er ist handschriftlich in Großbuchstaben geschrieben. Die FR hat ihn gesehen. Weiter heißt es: „Keine Hilfe mehr für deine Leute. Jude, raus aus der KAV. Und aus Frankfurt. Du wirst schon sehen.“

In der vergangenen Woche hat Medoff, der für die Liste „Ich bin ein Frankfurter“ in der Stadtverordnetenversammlung sitzt, aber nicht nur öffentlich gemacht, dass er einen antisemitischen Drohbrief erhalten hat, sondern in einem Facebook-Post auch geschrieben: „Seit der erfolgreichen Kommunalwahl haben sich zwei Stadtverordnete (die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen) das Ziel gesetzt, die KAV ,judenfrei beziehungsweise frei vom jüdischen Einfluss‘ zu gestalten.“ Schwerwiegende Anschuldigungen. Namen will Medoff keine nennen. Vorerst. „Wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind, werde ich Infos bekanntgeben.“

Medoff ist in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku geboren worden. Seit einigen Jahren ist er deutscher Staatsbürger. „Ich stamme aus einer muslimisch-jüdischen Familie“, sagt der 40-jährige Unternehmensberater. Besonders gläubig sei er aber nicht. Seine Herkunft habe bislang auch überhaupt keine Rolle spielt, seit er 2010 erstmals Mitglied der KAV wurde. 2016 wurde er das erste Mal zum Vorsitzenden gewählt. Auch bei der konstituierenden Sitzung im vergangenen Jahr wurde er an die Spitze des Gremiums gewählt.

Schon direkt nach der Wahl hätten die zwei Stadtverordneten laut Medoff eine kleine Gruppe um sich geschart, die „permanent – und mittlerweile auch bei Anwesenheit von mehreren Zeugen – judenfeindliche Aussagen tätigen und hämische Holocaustverharmlosung üben.“ Die Stadtverordnetenvorsteherin Hilime Arslaner-Gölbasi hat unterdessen das Gespräch mit Medoff gesucht und den antisemitischen Drohbrief gegen ihn verurteilt. Sie hätte es allerdings bevorzugt, nicht aus der Presse von den Anschuldigungen gegenüber den Stadtverordneten zu erfahren. Mit den Vorwürfen stünden nämlich nun 92 Stadtverordnete unter Antisemitismusverdacht.

Seit der KAV-Wahl im März jagt ein Skandal den nächsten. Die konstituierende Sitzung hatte Medoff nach tumultartigen Auseinandersetzungen abgebrochen. Danach berichtete er von „Hetzkampagnen und Verleumdungen“ gegen ihn und seine Familie. KAV-Mitglied Bilal Can wollte im Sommer gegen das Protokoll der konstituierenden Sitzung klagen, zog aber wieder zurück.

Medoff hatte derweil Ärger mit der Fraktion „Die Fraktion“, weil er von Gerüchten über illegale Partys mit minderjährigen Migrantinnen und Migranten bei der Fraktion sprach. Medoff bestritt, das Wort Minderjährige benutzt zu haben, sagte aber, dass es bei den Partys Gerüchten zufolge keine Kontrolle darüber gebe, wer daran teilnehme.

Vor kurzem hatte die kurdische Studentin Sarya Ataç, die für die Linken in der KAV sitzt, von Drohungen seitens Grauer Wölfe, türkischer Rechtsextremisten, berichtet. Daraufhin hatte sich Medoff bei ihr gemeldet und angeboten, eine Pressemitteilung im Namen der KAV zu veröffentlichen. Heraus kam eine allgemeine Mitteilung, die jegliche Drohungen anprangerte, aber nicht den konkreten Fall. Die Grünen und SPD verurteilten die Drohungen gegen Ataç und Medoff. Sie dürften auch bei der nächsten Sitzung des Gremiums am 7. März Thema sein.

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