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Drogenpolitik in Frankfurt: Abhängige nicht alleinlassen

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Von: Jutta Rippegather

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Eine Person schnieft Kokain durch einen gerollten Geldschein.
Eine Person schnieft Kokain durch einen gerollten Geldschein. © Imago

Es gibt mehr Tote im Bund, aber nicht in Frankfurt.

Die Zahl der Drogentoten steigt seit vier Jahren. Im vergangenen Jahr erreichte sie den höchsten Stand seit 20 Jahren. Bundesweit starben 1826 Menschen an Rauschgift und damit 15 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Im Jahr 2017 wären es noch 1272 Menschen gewesen, heißt es im Bericht der Bundesdrogenbeauftragten vom Mai. Hauptursache waren demnach, wie in den vergangenen Jahren, Heroin und andere Opioide allein oder in Verbindung mit anderen Stoffen. Die Zahl der tödlichen Vergiftungen allein durch eine Überdosierung Heroin verdoppelte sich demnach auf 195 Menschen, die mit Opioid-Substitutionsmitteln stieg um 167 Prozent auf 88 Personen.

Frankfurter Weg

Anfang der 90er Jahre lag Frankfurt immer an der Spitze mit bis zu 147 Toten im Jahr 1992. In den vergangenen Jahren sind die Zahlen nicht mehr so stark angestiegen. Im Jahr 2019 gab es 32 Drogentote in Frankfurt, im Corona-Jahr waren es 40, für das vergangene Jahr verzeichnet die Statistik 30 Rauschgifttote. Für die Befürworter einer pragmatischen Drogenpolitik ein Beleg dafür, dass die Strukturen des Frankfurter Wegs funktionieren.

Die Abkehr von einer repressiven Drogenpolitik war eine Reaktion auf die mehr als 1000 Abhängigen, die Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre täglich in der Taunusanlage offen konsumierten. Angesichts zunehmender HIV-Infektionen und der Drogentoten entschied sich die Stadt für eine pragmatische und akzeptierende Drogenpolitik und diente als Vorbild für viele Kommunen im In- und Ausland. Repressive Schritte richten sich ausschließlich gegen den Handel mit illegalen Drogen, nicht gegen die Konsumierenden selbst.

Leben retten

Für den Sucht- und Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Burkhard Blienert, hat das Retten von Leben ebenfalls Priorität. Schwer Suchtkranke dürften mit ihrer Erkrankung sowie deren sozialen Folgen nicht alleingelassen werden, sagte er im Mai angesichts der steigenden Zahl an Drogentoten. „Den häufig lebensbedrohlichen Risiken gerade durch verunreinigte oder gestreckte Stoffe möchte ich mit Maßnahmen wie Drug-Checking, flächendeckender Substitution und Drogenkonsumräumen entgegentreten.“

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