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Die Drogenhilfe kümmert sich um Abhängige.
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Die Drogenhilfe kümmert sich um Abhängige.

Drogen in Frankfurt

Drogen in Frankfurt: Altern mit der Sucht

Das Durchschnittsalter der Drogenabhängigen steigt seit Jahren. Die positive Entwicklung bringt aber auch neue Probleme mit sich.

Die Liste der nach jahrelangem Drogenmissbrauch eintretenden Krankheiten ist lang: Krebs, Aids, Hepatitis, Diabetes, offene Wunden, Angststörungen, Depressionen.

Diese Tatsache an sich ist keine neue Erkenntnis, im Gegenteil. Die Suchthilfe ist seit jeher mit den Folgen von Drogenkonsum konfrontiert und kennt die gesundheitlichen Beeinträchtigungen ihrer Klientel. Dennoch: „Es hat sich etwas verändert“, sagt Christina Padberg, Sozialpädagogin der Integrativen Drogenhilfe (Idh).

Der signifikante Anstieg des Durchschnittsalters sei weder „regionaler noch nationaler Natur“. Stattdessen sei europaweit seit Jahren ein Anstieg des Altersdurchschnitts bei Drogenabhängigen zu beobachten.

So steigt in Hessen seit Jahren das Durchschnittsalter der Opioidkonsument:innen. Nach einer Auswertung der Hessischen Landesstelle für Suchthilfe betrug 2019 das Durchschnittsalter 45,6 Jahre. Zum Vergleich: Im Jahr 2003 lag es bei 33 Jahren. Ein ähnliches Abbild zeigt die Auswertung der Konsumräume Frankfurt des Jahres 2019: Das Durchschnittsalter ihrer Klientel stieg von 2006 (33,1 Jahre) bis 2019 (40,3 Jahre) um 7,2. Die Berichte rechnen mit einem Fortlaufen des Trends in den nächsten Jahren.

„Dieser fortlaufende Trend ist definitiv das Erfolgsrezept einer liberalen und weniger repressiven Drogenpolitik, wie etwa dem ‚Frankfurter Weg‘“, sagt Marion Friers, stellvertretende Geschäftsführerin der Idh und Leiterin der Einrichtung Eastside. Während die Bedingungen der 80er Jahre viele frühe Todesopfer gefordert hätten, zeigten Angebote wie Konsumräume und Substitutionstherapien, dass ein Leben und Altern mit der Sucht nicht unmöglich sei. Doch mit dem steigenden Altersdurchschnitt der Klientinnen und Klienten, sowohl im System der Drogenhilfe als auch auf den Straßen, verändern sich auch ihre Bedürfnisse. Die Folgeerkrankungen des langjährigen Drogenkonsums stellt die bestehenden Hilfsangebote vor Herausforderungen, denen sie nicht gewachsen sind.

Wenn die etablierte Drogenhilfe diesen Menschen aber nicht mehr adäquat helfen kann, wer wird sich dann ihrer annehmen? Wer kümmert sich um die medizinischen und pflegerischen Bedürfnisse eines Langzeitabhängigen, der sich nicht mehr selbst versorgen kann?

„Die Menschen leiden meistens an zahlreichen Krankheiten. Dazu kommt, dass der Drogenkonsum ein vorzeitiges Altern verursacht; ein 50-jähriger Opioidkonsument hat den Gesundheitszustand eines 70-Jährigen. Mit seinem faktischen Alter von 50 wird er allerdings in keinem Altenheim aufgenommen, da es hier fast immer ein Mindestalter gibt“, erläutert Padberg. Die Versorgungslücke im System könne derzeit weder die Suchthilfe noch die Alten- und Pflegebranche schließen.

Wo Ersterer die Expertise im medizinischen und pflegerischen Bereich fehle, hapere es Letzteren an Befugnissen und Fachwissen hinsichtlich der Substitution sowie an Erfahrung im Umgang mit den speziellen Verhaltensweisen von Drogenkonsumentinnen und -konsumenten. „Vielen fällt es extrem schwer, sich festen Strukturen anzupassen und sich nach fremdbestimmten Plänen zu richten. Es müsste etwas geben, wo sich das Angebot dem Menschen, nicht der Mensch dem Angebot anpasst“, fordert Padberg. Eine spezielle Pflegeeinrichtung ist ein Zukunftsprojekt der Idh. Aktuell stehe man mit Konzepten und Plänen in den Startlöchern und erste Gespräche würden geführt, sagt Friers.

Ähnliche Konzepte findet man bislang nur in Frankfurt und mit begrenzten Plätzen. So etwa das Wohn- und Pflegeheim Franziskushaus vom Verein der Jugendberatung und Jugendhilfe. Der Einrichtung stehen 18 Plätze für sucht- und aidskranke Menschen zur Verfügung sowie ein interdisziplinäres Team mit Fachkräften aus Ergotherapie, Pflege, Substitution und ärztlicher Betreuung. Zudem arbeitet das Heim eng mit psychiatrischen Diensten und Krankenhäusern zusammen.

Die Nachfrage sei groß, sagt Heimleiterin Gabriele Saatkamp. Die Arbeit mit dieser speziellen Klientel erfordere viel Zeit, Gespräche und eine vertrauensvolle Beziehung. Für eine gute Versorgung der Menschen sei das hier realisierte Mischkonzept der verschiedenen Bereiche und die Kombination aus Pflege und Wiedereingliederung ein essenzieller Bestandteil.

Auch Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) unterstützt die Förderung solcher Angebote. Corona habe viele Projekte wie diese zurückgedrängt. „Wenn alles gut läuft, können wir jedoch vielleicht in zwei bis drei Jahren die Türen eines entsprechenden Pflegeheims öffnen. Bis dahin bedarf es allerdings einer Ausweitung der schon bestehenden Angebote.“

Paula Dick

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