Gericht

Drei Türsteher aus verletzter Ehre niedergestochen

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Die Staatsanwaltschaft hat gegen einen 19 Jahre alten Mann Anklage wegen dreifachen versuchten Mordes sowie gefährlicher Körperverletzung erhoben.

Laut Anklage soll der damals 18-Jährige in der Neujahrsnacht 2020 gemeinsam mit seinem Bruder versucht haben, in einem Club in der Weißfrauenstraße in Frankfurt zu feiern. Beide ignorierten die Warteschlange und wurden direkt bei den Türstehern vorstellig, die ihnen mitteilten, der Club sei voll, sie müssten warten.

Laut Staatsanwaltschaft war der junge Mann daraufhin „wütend über die Ansprache“ geworden, beklagte „mangelnden Respekt“ und fühlte sich in „seiner Ehre verletzt“. Um die Ehre wiederzuerlangen, habe er ein Klappmesser gezückt und es einem 23 Jahre alten Türsteher, der an der vorherigen Auseinandersetzung gar nicht beteiligt gewesen war, in den Brustkorb gerammt. Als er dem Opfer, das sich schwer verletzt zum Eingang des Clubs schleppte, hinterherging, versuchte ein 29 Jahre alter Kollege des Angegriffenen, den Messerstecher von hinten zu umklammern. Doch dieser stieß das Messer zuerst in den Oberkörper eines weiteren, 49 Jahre alten Türstehers, dann in den Oberschenkel des 29-Jährigen – so tief, dass es bis auf die Knochen schnitt.

Als ein 27-Jähriger vor dem Club wartender Gast dann auch noch versuchte, die Ehre seines Bruders zu verletzen, indem er diesen zu Boden rang, soll ihm der Messerstecher noch einige, wenn auch nur oberflächliche Verletzungen am Bauch zugefügt haben.

Der junge Mann sitzt seit der Tat in U-Haft, zu den Vorwürfen schweigt er bislang. Er ist aber offenbar sehr empfindlich, was seine Ehre anbelangt. Erst im Oktober 2018 hatte ihn das Jugendgericht wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Der Grund: Er war in einer Novembernacht 2017 in der Innenstadt mit dem Messer auf drei Menschen losgegangen und hatte alle drei schwer verletzt – einer von ihnen verlor mehr als einen Liter Blut und schwebte in Lebensgefahr. Die Jugendstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt worden war, hat den 19-Jährigen offenkundig nicht so tief beeindruckt wie erhofft.

Ein Termin für den neuen Prozess – erneut vor der Jugendkammer des Landgerichts – steht bislang noch nicht fest.

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