+
Jugendliche und Mitglieder der Pfarrei St. Jakobus schleifen gemeinsam die Latten vom Hoftor.

Mitmachen

Engagement für den guten Zweck

  • schließen

Frankfurter Jugendliche renovieren Wohnanlage für Senioren und Menschen mit Behinderung. 

Nicht die Wand einreißen!“ Die Leiterin der Wohnanlage, Margit Bokelmann, muss die motivierten Jugendlichen in ihrem Elan etwas zügeln: Marco Pravdic und Lukas Meyer klopfen zum Rhythmus von Michael Jacksons „Beat it“ den Putz von der Wand: „Mit der Musik macht die Arbeit mehr Spaß“, sagt Sechstklässlerin Andriyana Tekle von der Carl-Schurz-Schule, während sie tanzend die Mauer bearbeitet.

Am Freitag startete die Pfarrei St.Jakobus aus Schwanheim für die Jugendlichen eine 72-Stunden-Aktion. Die bundesweite Veranstaltung, bei der sich Freiwillige aus Jugendverbänden des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDJK) im Alter zwischen zwölf und 23 Jahren für soziale Projekte einsetzen, begann offiziell bereits am Donnerstagabend. Die Kinder von der Gemeinde Jakobus haben sich für ein Überraschungs-Projekt entschieden, welches ihnen erst am Vortag bekannt gegeben wurde.

Die Jugendlichen die überwiegend die Carl-Schurz-Schule, die IGS Kelsterbach und Carl-von-Weinberg-Schule besuchen, bekamen die Wohnanlage an der Praunheimer Mühle von der Koordinationsstelle zugeteilt. Hier leben 46 Bewohner: Rentner und Menschen mit Behinderung .

„Die Schüler freuen sich auf den Austausch mit den Bewohnern der Anlage“, berichtet Hans-Peter Labonte, der Leiter der Jugendgruppe. „Nicht jeder hat Kontakt mit Menschen mit Behinderung, auch wenn es ein paar Integrierte Gesamtschulen in Frankfurt gibt“, sagt Margit Bokelmann, die Leiterin der Wohnanlage. Sie wünscht sich mehr Austausch von Jugendlichen und Menschen mit Behinderung.

Die heutige Aktion ist nicht die einzige der Schülerinnen und Schüler. Sie haben schon eine Bocciabahn in Schwanheim gebaut, halfen in einem Flüchtlingsheim oder bearbeiteten einen Kinderspielplatz. Alles ehrenamtlich natürlich.

Auch Frank Schönekäs (19) war dabei. Er baut eine Werkbank auf und sagt: „Die ist ein bisschen zu niedrig für mich.“ Tatsächlich ist Frank mit seinen 2,03 Metern etwas zu groß für die kleine Werkbank. „Wir ergänzen uns wunderbar“, grinst der 1,70 Meter große Gruppenleiter Labonte.

Eine Mädchengruppe schraubt die Latten des Eingangstores ab und übergibt sie Mitschüler Jonathan Bechtold. Er schleift das Holz ab, später wird es dann neu lackiert und wieder am Tor angebracht. „Das ist klasse“, sagt Bokelmann und strahlt. Sie teilt sich die Leitung der Praunheimer Mühle mit Hilde Hoppe. Gemeinsam feierten sie vergangenes Jahr den 50. Geburtstag der Anlage. Das Gelände umfasst auch eine Insel in der Nidda auf der zwei Schafe leben.

Ein paar Bewohner schauen sich die Arbeiten auf dem Hof genauer an. Rentner Werner Finger läuft aufgeregt zwischen den arbeitenden Jugendlichen umher. „Das finde ich schon sehr spannend“, sagt er. Finger hilft im Alltag gerne im Haus, kommt mit zum Baumarkt und hat sogar seine „eigenen Geräte in der Werkstatt“.

Thomas Gambel, ebenfalls Bewohner der Anlage, würde am liebsten mithelfen. Als Kind verlor er jedoch seine Sehkraft bei einem Autounfall. Seitdem kann er nur schwach Umrisse erkennen: „Ich würde so gern mithelfen“, sagt er und seufzt. Sein Hobby ist das Speckstein Schleifen. Er hat sogar schon eine Ausstellung gehabt.

„In der Wohnanlage wird jedem die Chance gegeben, in seinem Leben eine eigene Position, eine eigene Meinung zu entwickeln, sein Leben zu gestalten“, sagt Hilde Hoppe. Die Werkstätten helfen jedem Bewohner, seiner Passion nachzugehen. Aber die Helfer müssen dabei immer wachsam sein: Da es auch Bewohner gibt, die sich beispielsweise mit Geräten verletzen können oder Gefäße ohne Rücksicht auf den Inhalt austrinken. Gläser mit Inhalt dürfen also nicht herumstehen und elektrische Werkzeuge müssen ausgesteckt sein.

Schülerin Sabine Schönekäs schnappt sich derweil die Schleifmaschine. „Das macht ja echt Spaß. Zuhause macht das immer mein Bruder.“ Die Neuntklässlerin aus der Leibnizschule will gar nicht mehr aufhören mit Schleifen. Zum Glück gibt es Atemmasken, denn der Staub vom Putz der Wand und die feinen Späne von der Schleifmaschine vermischen sich zu einer dicken Staubwolke.

Sabines Bruder bereitet derweil die Säge vor. Neben der neu verputzten Wand und dem lackierten Tor wird auch ein barrierefreies Hochbeet entstehen. Rollstuhlfahrern soll so auch die Möglichkeit gegeben werden, mit Pflanzen arbeiten zu können.

Schüler Marco Pravdic kommt gerade von der Mauer zurück, versucht sich den Staub von den Klamotten abzuklopfen. Ohne Erfolg. „Zuhause gibt das bestimmt Ärger“, sagt er mit einem Lächeln auf den Lippen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare